Intensivstation
Limitierender Faktor wird aber nie die Zahl der Betten oder der Beatmungsgeräte sein, sondern das Personal.

Patientinnen und Patienten, die die schwersten Krankheitsverläufe haben, befinden sich auf der Intensivstation.
  • Patientinnen und Patienten, die die schwersten Krankheitsverläufe haben, befinden sich auf der Intensivstation.
  • Foto: TirolKliniken
  • hochgeladen von Georg Herrmann

INNSBRUCK. Kaum eine andere medizinische Abteilung steht derzeit so im Rampenlicht wie die Intensivstation. Das Stadtblatt hat zum Thema nachgefragt und Antworten von Johannes Schwamberger, Sprecher der Tirol Kliniken, bekommen.

Faktor Personal

"Die Beantwortung der Fragen ist deshalb diesmal nicht so leicht wie in der ersten Welle, da wir nicht mehr eine gewisse Anzahl von Betten leer stehen lassen für COVID-Patienten. Wir stocken bedarfsgerecht immer dann weitere Betten auf, wenn wir wieder mehr brauchen. Hintergrund ist, dass wir jetzt nicht mehr in dem Ausmaß den Betrieb herunterfahren wollen wie im März/April. Wenn die Zahlen weiter steigen, wird es aber wieder notwendig sein, wieder nicht dringende Operationen zu verschieben um Kapazitäten für COVID-Patienten frei zu bekommen. Das wir diesmal aber abgestuft und nur im erforderlichen Ausmaß erfolgen. Grundsätzlich ist natürlich die Infektiologie erster Ansprechpartner und dort kommen die COVID-Patienten auch in erster Linie hin. Für die Intensivpatienten ist die internistische Intensivstation zuständig. Wenn die Zahlen aber steigen, dann ist es nötig auch auf weitere Stationen der Krankenhäuser auszuweichen. Das gilt für Normalbetten und Intensivbetten. Limitierender Faktor wird aber nie die Zahl der Betten oder der Beatmungsgeräte sein, sondern das Personal", stellt Johannes Schwamberger einleitend fest.

Stadtblatt: Welche Besonderheiten weißt ein Intensivbett auf?
Johannes Schwamberger: Ein Intensivbett ist technisch höherwertiger als ein normales Bett. So verfügen viele Modelle zum Beispiel über die Möglichkeit gezielt verschiedene Bereiche der Liegefläche aufzupumpen um das Wundliegen zu verhindern. Außerdem bietet es mehr Einstellmöglichkeiten und ist grundsätzlicher technisch ziemlich hochgerüstet. Das alles muss aber nicht sein. Es wird vor allem deshalb als Intensivbett gezählt, weil es auf einer Intensivstation steht. Das Bett an sich ist aber nur ein Teil. Am aufwendigsten sind die Geräte um das Bett herum. Beatmungsgeräte, Dialysemaschinen (Blutwäsche), ECMO (ersetzt die Lunge des Patienten), Spritzenautomaten (geben automatisch Medikamente ab) usw. Die Kosten sind schwer anzugeben, da das teure die Geräteausstattung der Station ist und nicht so sehr das Bett.

Wieviele Beatmungsgerät gibt es dazu auf der Station?
Beatmungsgeräte gibt es in unseren Krankenhäusern sehr viele. Das können mobile Geräte sein, fix montierte im OP, auf der Intensivstation, usw. Als relevanten Wert nehmen wir deshalb Beatmungsplätze, also Betten mit Beatmungsmöglichkeit. Hier verfügen wir zum Beispiel an der Innsbrucker Klinik über mehr als 110 (für Erwachsene). Aber auch diese Zahl ist nicht sonderlich aussagekräftig. Zum einen kann sie im Notfall erhöht werden und zum anderen ist wie schon erwähnt der limitierende Faktor immer das Personal. Neben den MedizinerInnen sind das vor allem die Pflegekräfte, die für die Arbeit auf Intensivstationen speziell ausgebildet sind. Ein Beispiel ist die Beatmung. Die Bedienung von Beatmungsgeräten ist hochkomplex und braucht einiges an Fachwissen.

Wieviele Ärzte und Pfleger betreuen einen Patienten auf der Intensivstation?

Je nach Art der Intensivstation (es gibt verschiedene Stufen), gibt es unterschiedliche „Schlüssel“. Die gehen von 1:1,5 bis 1:3. Der Zeitaufwand für die Pflege ist um ein vielfaches höher als auf einer Normalstation. Patienten müssen zum Beispiel regelmäßig gewendet werden, was die Zusammenarbeit mehrerer Pflegekräfte benötigt und körperlich anstrengend ist. Dazu kommt die engmaschigere Überwachung, die ständige Kontrolle der Medikamente und deren Anpassung, laufende Laborkontrollen und natürlich eine sehr aufwendige Dokumentation.

Können Krankenbetten einfach auf Intensivbetten hochgerüstet werden?
Das ist natürlich theoretisch möglich, aber die Zahl der Betten wird nie unser Problem sein. Limitierender Faktor ist immer das Personal.

Wo liegt das Problem mit dem aktuellen laufenden Anstieg an erkrankten Personen die stationär behandelt werden müsse, würde eine Gefahr der Überbelastung der medizinischen Möglichkeiten bestehen?
Derzeit sehen wir diese Gefahr nicht. Wenn es irgendwann eng werden könnte, dann ist das beim Personal. Zum Beispiel sind zuletzt die Zahlen von MitarbeiterInnen, die als Kontaktpersonen in Quarantäne gehen mussten angestiegen (hier hilft die gesetzliche Regelung, dass versorgungskritische Personal mit gewissen Vorkehrungen weiterarbeiten darf. Natürlich nur, wenn selbst nicht positiv oder gar krank. Siehe unten meine Erklärungen für Michael Kendlbacher). Wenn die Zahlen weiter in diesem Ausmaß ansteigen, werden wir stufenweise wieder beginnen müssen planbare und nicht dringende Operationen zu verschieben.

Gibt es aus anderen europäischen Ländern Anfragen für die Aufnahme von Coronaerkrankten Personen in den Tirol Kliniken?
Meines Wissens derzeit noch nicht.

Personal und Quarantäne

Es gibt in ganz Österreich eine gesetzliche Regelung, die vor allem versorgungskritische Strukturen anspricht (Polizei, Feuerwehr, Krankenhäuser). Diese Regelung sieht vor, dass Personen, die als K1 (Kontakt zu einem positiv Getesteten) eingestuft wurden und als versorgungskritisch gelten von den Behörden einen Quarantänebescheid erhalten, der das Zuhause UND den Arbeitsplatz als Ort der Quarantäne vorsieht.

"Voraussetzung ist, dass diese Person nicht selbst positiv ist, nicht krank ist und keinerlei Symptome zeigt, täglich die Körpertemperatur kontrolliert, den eigenen Gesundheitszustand genau beobachtet und Schutzausrüstung trägt. Wenn all das gegeben ist, dann kann diese Person weiter arbeiten gehen."
Johannes Schwamberger

"Diese Regelung ist sinnvoll, da wir angesichts der extrem steigenden Zahlen von Menschen, die gesund sind, aber als K1 zehn Tage in Quarantäne müssen, bald ein Personalproblem bekommen würden. Wenn ein Mitarbeiter sich nicht in dieser Form gegenüber den Behörden deklarieren will, dann passiert nichts. Niemand wird dazu gezwungen. Es kann aber vorkommen, dass Mitarbeiter von den Gesundheitsbehörden wegen ihrer Tätigkeit im Krankenhaus automatisch als versorgungskritisch eingestuft werden und einen Bescheid erhalten, der sich auf Heim und Arbeitsplatz erstreckt", erklärt der Sprecher der Tirol Kliniken dazu.

Hintergrund

Auf der internistischen Intensivstation werden lebensbedrohliche internistischen Erkrankungen behandelt. Dazu zählen schwerste Infektionen (Sepsis), die zur Bewusstseinstrübung, zum Versagen des Kreislaufs und anderer Organsysteme führen können, erfolgreiche Wiederbelebung nach einem Herzkreislaufstillstand, schwere Vergiftungen, sowie akute Verschlechterungen im Rahmen einer chronischen Lungen-, Leber- oder Nierenkrankheit sowie bei Krebserkrankungen. Die internistische Intensivmedizin ermöglicht lebenserhaltende Maßnahmen wie künstliche Beatmung, Kreislaufunterstützung und Nierenersatztherapie. Andere protektive Maßnahmen wie künstliche Kühlung nach erfolgreicher Wiederbelebung gehören ebenfalls zu den Behandlungsstandards. Die Internistische Intensivstation ist eine Intensivstation der höchsten Versorgungsstufe (Stufe III).

Erster Patient

Ein 43-jährige aus der Gegend um St. Anton war der erste Patient, der in Tirol wegen einer
bestätigten COVID-19-Erkrankung auf einer Intensivstation behandelt werden musste. Dort
wurde ab dem 11. März beatmet und überwacht. Am 1. April konnte er von der Internistischen Intensivstation auf die Normalstation verlegt werden.

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