Kulturkritik
Eine Nachreichung aus zwei Lockdowns

Aussichtslose Liebe: Rafał Bartmiński als Boris und Anna-Maria Kalesidis als Katja
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  • Aussichtslose Liebe: Rafał Bartmiński als Boris und Anna-Maria Kalesidis als Katja
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INNSBRUCK. Was Kulturschaffenden und deren Institutionen in diesem Pandemiejahr abverlangt wurde, ist zwar hinlänglich bekannt. Trotzdem wird es oft erst an konkreten Beispielen so richtig greifbar, wie etwa bei der Opernproduktion Katja Kabanowa, die ursprünglich schon im März 2020 Premiere gehabt hätte und im November wieder nicht vor Publikum gespielt werden konnte.
Das hochdramatische Werk um eine junge, glücklos verheiratete Frau, die sich in einen anderen Mann verliebt, daran moralisch zerbricht und mangels Alternativen nur noch den Freitod als Ausweg sieht, steht jetzt zumindest noch drei Mal – am 27., 28. und 30. Mai auf dem Spielplan. Die Produktion wurde dieser Tage filmisch aufgezeichnet und wird daher in Kürze auch als Stream verfügbar sein.

Fatale Abhängkeiten

Das Libretto von Katja Kabanowa basiert auf dem Schauspiel „Das Gewitter“ von Alexander N. Ostrowskij und wurde von Janáček selbst verfasst. Am TLT ist die Oper in der deutschen Übersetzung von Kafka Nachlassverwalter Max Brod zu hören. Die Handlung spielt eigentlich in den 60er-Jahren des 19. Jh., als gerade die Leibeigenschaft in Russland aufgehoben wurde. Regisseur Hermann Schneider, seit 2016 auch Intendant des Landestheaters Linz, verlegt das Ganze in die Zeit kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Also in eine gesellschaftlich wie wirtschaftlich ebenfalls äußerst instabile Zeit, in der sich Abhängigkeits- und damit Machtverhältnisse besonders fatal auswirken, weil sie die Betroffenen und insbesondere Frauen in ökonomische und moralische Geiselhaft hält.

Katja (Anna-Maria Kalesidis) gesteht verzweifelt ihren Ehebruch.
  • Katja (Anna-Maria Kalesidis) gesteht verzweifelt ihren Ehebruch.
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Emotionsschweres Werk

Die trostlose Enge, in der Katja (Anna-Maria Kalesidis) ebenso wie ihr Geliebter Boris (Rafał Bartmiński / Ric Furman) und auch ihr Ehemann Tichon (Roman Payer) gefangen sind, weil letztlich Schwiegermutter (Susanna von der Burg) und Boris Onkel Dikoj (Joachim Seipp) als machtbewusste Kaufleute ihr Leben dirigieren, spiegelt sich eindrücklich auch in Dieter Richters fast schon ikonischem Bühnenbild wieder. Das verwahrloste Wolga-Ufer lässt das tragische Ende bereits erahnen. An Meentje Nielsens Kostümen ist indes wunderbar ablesbar, dass nur Katjas Freundin Barbara (Camilla Lehmeier) und ihrem Geliebten Wanja (Edward Lee) der Sprung in die neue Zeit wirklich gelingen wird. Chefdirigent Lukas Beikircher führt akzentuiert durch das emotionsschwere Werk, in dem die wenigen lichten und sehnsuchtsvollen Momente von Lebensfreude und Liebe umso intensiver aufblitzen. Anna-Maria Kalesidis, die schon als Rusalka beeindruckte, ist als Katja geradezu herzzerreißend in ihrer Integrität und Einsamkeit. (CF)

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