25. Nov. – Tag gegen Gewalt an Frauen
2020 wurden 20 Frauen ermordet

Jede 5. Frau wird in ihrem Leben Opfer von sexueller oder körperlicher Gewalt. Die meisten Fälle ereignen sich im eigenen Zuhause. Ein Ausbruch ist oft nicht möglich: Finanzielle und emotionale Abhängigkeiten erschweren den Ausstieg aus einer gewalttätigen Beziehung.
4Bilder
  • Jede 5. Frau wird in ihrem Leben Opfer von sexueller oder körperlicher Gewalt. Die meisten Fälle ereignen sich im eigenen Zuhause. Ein Ausbruch ist oft nicht möglich: Finanzielle und emotionale Abhängigkeiten erschweren den Ausstieg aus einer gewalttätigen Beziehung.
  • hochgeladen von Agnes Czingulszki (acz)

Morgen, den 25. November, ist der offizielle Tag gegen Gewalt an Frauen. Zahlreiche Initiativen weisen auf die dramatischen Zahlen – und darüber hinaus auch auf die Dunkelziffer – hin, in der Frauen und Mädchen sexueller, psychischer und körperlicher Gewalt ausgesetzt sind. 2020 wurden in Österreich 20 Frauen ermordet – zumeist von ihren Partnern oder männlichen Familienmitgliedern.

INNSBRUCK. Jedes Jahr werden Frauen in Österreich ermordet. Dahinter stecken oftmals Beziehungsprobleme, die die Männer mit Gewaltakten lösen. Im Oktober 2019 führte das zu einem Fünffachmord in Kitzbühel, in dem ein junger Mann nicht verkraften konnte, dass seine Expartnerin ihr Leben weiterlebt. Die ganze Familie wurde ausgelöscht. 

Daten und Fakten: Gewalt an Frauen

Die Fälle, die es in die Medien schaffen, sind aber nur die Spitze des Eisbergs. Frauen in Österreich werden nicht nur zuhause, aber auch im öffentlichen Raum oder am Arbeitsplatz Opfer von psychischer, sexueller oder physischer Gewalt. 20 Prozent der Frauen ist ab ihrem 15. Lebensjahr körperlicher und/oder sexueller Gewalt ausgesetzt zeigt eine Europäische Studie und jede 3. Frau musste seit ihrem 15. Lebensjahr eine Form von sexueller Belästigung erfahren. Aber auch Stalking ist ein großes Thema: Jede 7. Frau musste damit Erfahrung machen. Mehr dazu finden Sie hier.
Zahlreiche Inititiativen versuchen Frauen Hilfe zu leisten. Im äußersten Fall stehen die 15 Frauenhäuser des Bundeslandes für einen sicheren Rückzug zur Verfügung. Erst kürzlich wurde in Tirol das neue Frauenhaus eröffnet. Die Standorte sind geheim, um die Frauen schützen zu können.

Erste Schritte gegen Gewalt an Frauen passieren oft im Krankenhaus

Oft ist aber auch der erste Schritt der Schwierigste, um aus einer gewalttätigen Beziehung herauszufinden. Laut einer europäischen Studie suchen 60 % der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen Hilfe im Krankenhaus. Verdachtschöpfende PflegerInnen und ÄrztInnen sind oft der erste Kontakt. Nun wollen die tirol kliniken das Wissen ihrer 2012 gegründeten Opfeschutzgruppe (OSG) allgemein für andere Kliniken zur Verfügung stellen. Die Toolbox richtet sich speziell an Direktionen und MitarbeiterInnen in Krankenhäusern, die für den Aufbau und Betrieb von Opferschutzgruppen verantwortlich sind. "Wir wollen anderen Teams unsere langjährigeErfahrung weitergeben und somit die Implementierung einer Opferschutzgruppe erleichtern und auch beschleunigen“, erklärt Thomas Beck, Psychologe an der Univ.- Klinik Innsbruck für Medizinische Psychologie. Mehr Infos hier. Vom 25. Dezember bis zum 10. Dezember findet in diesem Rahmen auch wieder die "Orange the world"-Kampagne statt, die gegen Gewalt an Frauen aufmerksam machen möchte.

Die Opferschutzgruppe der tirol kliniken im Jahr 2019.

Die Coronakrise und die dadurch ausgelöste allgemeine existenzielle Krise machte familiäre Konflikte deutlicher. Das zeigen auch die Zahlen der Frauenhotline. Die kostenlose Frauenhotline (0800/222 555) hat am Anfang der Krise 73 Prozent mehr Anrufe als im Vorjahr erhalten – aktuell hat sich der Anstieg der Anrufe auf 43 Prozent eingependelt. Hier rufen nicht nur Frauen an, die auf Grund von finanziellen Schwierigkeiten keine Scheidung in Erwägung ziehen wollen, sondern auch Mütter, die von ihren minderjährigen Söhnen bedroht und gequält werden.

Marina Andreu Casadesus, Sprecherin der Jungen Linken Tirol
  • Marina Andreu Casadesus, Sprecherin der Jungen Linken Tirol
  • Foto: Junge Linke Tirol
  • hochgeladen von Agnes Czingulszki (acz)

Junge Linke fordert mehr Übergangswohnungen für Frauen

Frauen bekommen laut Statistik Austria im Schnitt ein Drittel weniger Lohn und nur halb so viel Pension wie Männer. Das macht es für Frauen schwieriger, Mieten, Kautionen, Möbel und Provisionsgebühren zu stemmen und sich damit aus einer toxischen Beziehung auszutreten.
“Jede Frau verdient ein Zuhause in dem sie ohne Angst leben kann. Dazu braucht es kostenlose Übergangswohnungen in jedem Bezirk, auch bei uns”, sagt Marina Andreu Casadesus, Sprecherin der Jungen Linken Tirol. "Eine Entlastung für Frauen, die Gewalt erfahren haben, kann auch ein öffentlicher Kautionsfonds schaffen. Städte wie Graz, Linz und Salzburg haben bereits Kautionsfonds eingeführt. Damit werden die hohen Kautionen, die schlagartig anfallen, teilweise übernommen. Dafür braucht es nur den guten Willen der Politik”, sagt Andreu Casadesus.

Karin Brennsteiner: Frauenvorsitzendes des ÖGB Tirol

Gewerkschaft gegen Gewalt an Frauen am Arbeitsplatz

Karin Brennsteiner ist Frauenvorsitzende des ÖGB Tirol (Österreichischer Gewerkschaftsbund). Sie appelliert an mehr Zivilcourage der Kollegschaft: „Wir sind alle gefordert hinzuschauen und einzuschreiten, wenn eine Frau am Arbeitsplatz belästigt, beleidigt oder gar bedroht wird. Gewalt hat viele Seiten: Auch sexuelle Belästigung, Beschimpfungen, Erpressung oder Einschüchterung ist Gewalt.“ Als Gewerkschaft oder in Form der Betriebsräte verspricht sie: „Wir schauen nicht weg – wir sind für Betroffene da!“

Du möchtest regelmäßig Infos über das, was in deiner Region passiert?

Dann melde dich für den meinbezirk.at-Newsletter an.

Gleich anmelden

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Aktuell

Informiert in den Tag starten!

Mit dem Bezirksblätter "Update am Morgen".

Jetzt lesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen