Immobilienmarkt Innsbruck
Aus städtischen Zimmern werden Wohnungen

Haydnplatz 5: Die ausgehöhlten Zimmer waren jahrelang in diesem Zustand. Endlich wird mit der Sanierung begonnen.
  • Haydnplatz 5: Die ausgehöhlten Zimmer waren jahrelang in diesem Zustand. Endlich wird mit der Sanierung begonnen.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Agnes Czingulszki (acz)

Nicht nur Wohnungen, auch Zimmer vergibt die Stadt über die Wohnungsliste. Nun gibt es eine Aufwertung.

INNSBRUCK. Am Haydnplatz 5 wird endlich gebaut. Nach jahrelangem Hin und Her und leerstehenden Zimmern im Gebäude wird im Oktober das IIG-Haus renoviert und saniert. Bisher lebten die Menschen hier unter Umständen, wie man sich das im 21. Jahrhundert in einer Stadt wie Innsbruck gar nicht vorstellen kann. Teils ohne fließendes Wasser im eigenen Zimmer und ohne Toilette oder Duschmöglichkeit. Das Bad am Flur, die Angst in den Köpfen. In der Nacht trauten sich die Bewohner – besonders die weiblichen – nicht aufs WC und verrichteten ihre Notdurft lieber in Säcken und Eimern.

Niederschwelligstes Wohnangebot Innsbrucks

Diese Zimmer werden von der Stadt vergeben und sprechen eine ganz bestimmte Klientel an: Menschen in großer Not. Sie können für umgerechnet zirka 240 Euro ein Zimmer bekommen – es ist der niederschwelligste Zugang zum Wohnen, die die Stadt anbietet. Um sich für ein solches Zimmer anzumelden, muss man nur ein Jahr Hauptwohnsitz in Innsbruck nachweisen, bei der "normalen" Wohnungsliste sind es fünf Jahre. Solche Zimmer – bzw. Mini-Garconnieren – gibt es nicht nur am Haydnplatz, sondern auch am Domanigweg (22 Einheiten) und in der Gutenbergstraße. In letzterer wurde 2011 saniert und je drei Zimmer – Größe 11 qm – wurden zu zwei Mini-Garconnieren mit Bad und WC zusammengeführt. So entstanden in der Gutenbergstraße 49 Einheiten mit 21 qm Größe je Einheit. Auf der Wohnungsliste für diese Wohnungen befinden sich aktuell 23 Personen, meist Menschen, die von Obdachlosigkeit betroffen sind, Suchtkrankheiten oder psychische Erkrankungen haben. Männer stellen den Großteil dar.
Am Haydnplatz ist die Geschichte kompliziert. Schon vor Jahren war der Beschluss da: Die Zimmer, die im Besitz der Innsbrucker Immobiliengesellschaft sind, werden saniert. Über die Hälfte der Bewohner wurde abgesiedelt. Von den 105 Wohnungen standen über zwei Jahre 53 Wohnungen leer. Wie sich später herausstellte: Seitens der Stadt gab es keine Finanzierungsfreigabe. Endlich liegt sie vor, im Oktober kann mit dem 5-Mio.-Projekt begonnen werden.

Sanierung am Haydnplatz gestoppt

Die Sache hat die Alternative Liste Innsbruck (ALI) gemeinsam mit der SPÖ wieder ins Rollen gebracht, nachdem die damalige Leiterin der örtlichen ISD-Anlaufstelle, Jasmin Haberl, auf den Missstand der leerstehenden Zimmer aufmerksam machte. Sie ist froh, dass sich endlich was tut. Obendrein ist das nicht nur in der Lebensqualität eine Verbesserung, sondern auch in der finanziellen Unterstützung: "Bisher waren die Bewohner auf Grund der Umstände, dass sie nicht in einer Wohnung gelebt haben, nicht mietzinsberechtigt. Das wird sich künftig auch ändern." Die Wohnungen, am Haydnplatz haben eine Größe von 20-24 qm und werden durch den Umbau kaum teurer – künftig werden sie um die 260 Euro kosten. Um eine Absiedelung der aktuellen Bewohner zu vermeiden, wird die Sanierung in zwei Abschnitten erfolgen. 33 Wohneinheiten werden bis April 2021 saniert, der Rest bis September 2022.

Akutwohnung: Eine falsche Beschreibung

In der bisherigen Berichterstattung wurden die Wohnungen immer als Akutwohnungen bezeichnet, was grundsätzlich nicht stimmt. Die Bewohner sind bunt gemischt: Es gibt Menschen, die berufstätig sind und seit Jahrzehnten hier leben, wie auch Menschen, die eine Übergangslösung brauchen und später in größere Wohnungen ziehen wollen. Für ein gutes und möglichst reibungsloses Miteinander sorgen die Innsbrucker Sozialen Dienste, die im Gebäude eine Anlaufstelle und einen Kaffeeraum haben.

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