Feministische Bewegung „Ni Una Menos“
„Benennt“ Platz vor dem Landestheater um

Die Bewegung „Ni Una Menos“ will mit der Kunstaktion ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzen.
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  • Die Bewegung „Ni Una Menos“ will mit der Kunstaktion ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzen.
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INNSBRUCK. Der Platz vor dem Landestheater und der Hofburg in Innsbruck trägt seit kurzem einen neuen Namen. Die Umbenennung in „Ni-Una-Menos-Platz“ erfolgte aber nicht von der Stadt Innsbruck, sondern ist Teil einer Kunstaktion von Aktivistinnen aus Lateinamerika. 

Feministische Bewegung

Die lateinamerikanische Bewegung „Ni Una Menos“ gründete sich im Jahr 2015 als Antwort auf die brutalen Femizide und die steigende sexualisierte Gewalt in Argentinien. Seither ist die feministische Bewegung im Land regelrecht explodiert – mehrmals im Jahr mobilisiert sie zu Demonstrationen. Mittlerweile sind die Aktivistinnen in ganz Europa aktiv, um gegen strukturelle Gewalt gegen Frauen, insbesondere gegen Femizide (Tötung von Frauen und Mädchen aufgrund ihren Geschlechts) aufmerksam zu machen.

Symbolische Akte

In Innsbruck kam es im Laufe der Geschichte übrigens immer wieder zu Umbenennungen in ähnlicher Form.

„Änderungen von Straßennamen nach bestimmten Persönlichkeiten spiegeln immer eine gewisse politische Haltung wieder. Es handelt sich um sehr symbolische Akte, die besonders vielsagend über den jeweiligen Zeitgeist sind. Die Erinnerungskultur und der Umgang mit dem öffentlichen Raum werden dabei ständig neu ausgehandelt und mit historischer Bedeutung aufgeladen“

, erklärt Benedikt Kapferer, Historiker am Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck. Auch die Benennung des Innsbrucker Rennweges nach Engelbert Dollfuß ("Dollfuß-Platz") im Jahr 1934 hätte eine besondere Würdigung im damaligen Regime dargestellt. „Als Opfer eines nationalsozialistischen Putsches galt Dollfuß im Sinne der österreichischen Kanzler-Diktatur als "Märtyrer". Die Platzbenennung war Ausdruck dieser Würdigung und Verehrung“, sagt Kapferer.

Im Zusammenhang mit den Vorbereitungen des Festzuges aus Anlass des Tiroler Gedenkjahres 1809 – 1934 am 2. September 1934 wurde am Rennweg auf dem Platz vor dem Stadttheater eine große tempelartige Kulissenarchitektur errichtet, die wenig später wieder entfernt wurde.
  • Im Zusammenhang mit den Vorbereitungen des Festzuges aus Anlass des Tiroler Gedenkjahres 1809 – 1934 am 2. September 1934 wurde am Rennweg auf dem Platz vor dem Stadttheater eine große tempelartige Kulissenarchitektur errichtet, die wenig später wieder entfernt wurde.
  • Foto: Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
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Erinnerungskultur

„Durch die Umbenennung des Dollfuß-Platz in  ,Adolf-Hitler-Platz‘ unmittelbar nach dem ,Anschluss‘ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde aber klar, wie schnell sich das sprichwörtliche Fähnlein nach dem Wind richten lässt: Mit dem Regime-Wechsel gab es auch einen schlagartigen Wechsel in der Erinnerungskultur. Dollfuß und der Austrofaschismus waren Gegner Hitlers und mussten damit auch im öffentlichen Raum entfernt werden“, so der Historiker. Die Benennung zentraler Plätze nach Hitler gab es übrigens in zahlreichen deutschen Städten. Sie war in der Fokussierung auf Hitler Ausdruck des faschistischen Führer-Kultes und damit der nationalsozialistischen Propaganda. Die politische Ideologie zeige sich somit auch in der scheinbar banalen Benennung von Straßen und öffentlichen Orten. Für weitere Informationen zur Geschichte hier klicken!

Namensgebungen im öffentlichen Raum

„Entscheidend ist, dass es in demokratischen Gesellschaften einen Prozess der gemeinsamen Aushandlung darüber gibt, wie öffentlicher Raum und somit auch Namensgebungen gestaltet werden sollen und welche Botschaften und Haltungen damit einhergehen. Das zeigt sich nicht zuletzt bei aktuellen Debatten über ,Cancel Culture‘ und kontroverse Personen aus der Vergangenheit. Zum Beispiel seien historische Figuren aufgrund ihrer Nähe zur nationalsozialistischen Ideologie oder einer eigenen Täterschaft als Namensgeber besonders umstritten. Eines werde dabe aber immer deutlich: „Der Umgang mit der Vergangenheit muss in demokratischen Gesellschaften mit Geschichtsbewusstsein aktiv ausgehandelt werden“, betont Kapferer. 

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