Stadtblatt-Serie
Der Blick auf den Alltag unserer Stadtpolitiker: Elli Mayr

INNSBRUCK. Die Stadtblatt-Redaktion hat die Innsbrucker Gemeinderäte eingeladen, ihre aktuelle Situation zu schildern. So wie alle anderen in Innsbruck sind auch die Gemeinderäte und Stadtsenatsmitglieder von den Schutz- und Vorbeugemaßnahmen betroffen. Wir präsentieren Ihnen in einer mehrteiligen Serie die Anworten der Gemeinderäte. Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi, Bürgermeisterstellvertreter Johannes Anzengruber und Stadträtin Elli Mayr sind aber nicht im Home-Office sondern maßgeblich in die Einsatzleitung der Stadt eingebunden. Daher werden diese in eigenen Beiträgen präsentiert. Der Stadtsenat trifft sich nach einer informellen Sitzung per Videokonferenz am 8. April zu einer geschäftsmäßigen Sitzungen in den Urulinensälen.

Elli Mayr

Elisabeth Mayr ist für die SPÖ Innsbruck im Stadtsenat vertreten. Sie ist Mitglied der Koalitionsregierung der Grünen, Für Innsbruck, ÖVP und SPÖ. Ihre Ressorts in der Stadtverwaltung umfassen Bildung, Kinderbetreuung, Schule, Frauen, Sport, Integration und Agenden des Behindertenbeirats. Ihr Zielsetzung als Politikerin beschreibt Mayr auf der Parteihomepage: „Die Stadt ist unser Zuhause. Genau hier wollen wir gut und sicher leben, wohnen, arbeiten, lernen, eine Familie gründen und alt werden. Dafür braucht es engagierte Menschen in der Politik, die zuhören können, die Leidenschaft mit Sachlichkeit und Verantwortung verbinden und sich für ein sozial gerechtes Zusammenleben ohne Armut, Hass und Ausgrenzung einsetzen. Als Literaturwissenschaftlerin, Deutsch-als-Fremdsprache-Lehrerin und Lektorin sind mir insbesondere die Bereiche Soziales, Bildung und Kultur ein Herzensanliegen.“

Das Interview

Stadtblatt: Gemeinderat im Zeitalter der Corona-Krise. Wie geht es Ihnen persönlich mit der aktuellen Situation?
Elli Mayr: Ich bin täglich voll im Einsatz. Es gibt keine Termine oder Veranstaltungen mehr außerhalb des Rathauses, umso mehr Zeit verbringe ich mit Arbeit im Büro, bei den Sitzungen und Besprechungen in den Ämtern und im Krisenstab bzw. im Lagezentrum. Vieles läuft über Mail und Telefon, bei Sitzungen halten wir Abstand. Gut 12 Stunden Arbeit sind es auch im Moment. Dass Abendveranstaltungen jetzt wegfallen, tut der Erholung im Ausnahmezustand sehr gut.

Stadtblatt: Seit 23.2. gibt es die Gemeindeeinsatzleitung, sind Sie in diesem Bereich eingebunden?
Elli Mayr: Ich bin als Bildungsstadträtin der „Zelle Bildung“ zugeordnet und gehöre zu den 3 Stadtsenatsmitgliedern neben Bürgermeister Georg Willi und Vizebürgermeister Johannes Anzengruber, die derzeit im Rathaus persönlich präsent sind, um die Stadt regierungsfähig zu halten.

Stadtblatt: Welche Möglichkeiten nutzen Sie, um über die aktuelle Entwicklung auf dem Laufenden zu sein?
Elli Mayr: Wir erhalten zum Beispiel im Bereich Bildung laufend Infos von jenen Stellen, die Vorgaben für die Stadt Innsbruck machen (Land, Landesbildungsdirektion, Bund). Wir fragen auch nach und versuchen allfällige Unklarheiten vorab zu beseitigen. Klarheit in der Information und Unterstützung bei Problemen sind jetzt ganz wichtig. Da Eltern auch großteils ArbeitnehmerInnen sind, ist mir wichtig, dass wir uns regelmäßig mit dem ÖGB austauschen. Wenn der Nationalrat Gesetze beschließt, die eine Auswirkung auf Kinder, Familien und berufstätige Eltern in Innsbruck haben, schaue ich, dass wir das so schnell wie möglich auf die lokale Ebene herunterbrechen, und kümmere mich darum, wie wir unterstützend auch dazu informieren können. Ich erhalte täglich Infos aus den Schulen, alle aktuellen Zahlen. Noch direkter, weil es unsere unmittelbare Zuständigkeit ist, läuft der Kontakt in die städtischen Kindergärten und Horte. Auch mit den ISD-Kinderkrippen (also den Krippen, die die Stadttochter ISD führt) stehen wir laufend im Austausch. Ich schaue aber auch darauf, dass wir auch mit den privaten Kinderbetreuungseinrichtungen gut vernetzt sind. In normalen Zeiten werden in privaten Krippen und Kindergärten allein in Innsbruck fast 2.000 Kinder betreut. Für diese Privaten sind wir als Stadt zwar nicht direkt zuständig, aber ihre Themen und Probleme sind auch meine. Für Lösungen im Bereich der Privaten braucht es immer auch das Land Tirol – aktuell sind Elternbeiträge ein wichtiges Thema. Eltern, die weder alleinerziehend sind, noch zu den sogenannten systemerhaltenden Berufsgruppen gehören, dürfen ihre Kinder laut derzeit geltender Verordnung nicht in Betreuung geben. Wer die Kinder nicht bringen darf, soll aber auch nicht zahlen müssen. In meinem Zuständigkeitsbereich, also in den städtischen Kindergärten, Horten und in der schulischen Nachmittagsbetreuung, verrechnen wir daher vorerst keine Gebühren. Für Eltern, die ihre Kinder in private Betreuung haben, steht eine Lösung noch aus. Daran arbeite ich aktuell und bin mit Landesrätin Palfrader in Kontakt.
Ich möchte mich bei allen, die im Bildungsbereich arbeiten, auf der Verwaltungsebene genauso wie vor Ort in den Einrichtungen, ob Kinderkippe, Kindergarten, Hort oder Schule, ganz herzlich bedanken! In allen diesen Bereichen arbeiten wirklich Top-Leute. Man sieht jetzt in der Krise umso mehr, dass sie im „Normalfall Alltag“ einen sehr herausfordernden Job haben, den sie glänzend meistern und in dem sie – salopp formuliert – „von Haus aus krisenfit“ agieren müssen. Sie haben die Empathie, mit Menschen gut umzugehen, und die Kompetenz, um auf Rahmenbedingungen, die man selbst nicht steuern kann und die sich immer wieder ändern können, flexibel und pragmatisch zu reagieren. Also mit sehr viel Einsatz, Herzblut, Flexibilität, gesundem Menschen- und Hausverstand. Als Politikerin wird mir gegenwärtig noch klarer, was diese Frauen – und es sind überwiegend Frauen – für unsere Gesellschaft leisten und dass diese Tätigkeiten völlig neu bewertet gehören.

Stadtblatt: Wie funktioniert die Kommunikation zwischen Ihnen und den anderen Stadtsenatsmitgliedern?

Elli Mayr: Mit den beiden präsenten Stadtsenatsmitgliedern, Bürgermeister Georg Willi und Vizebürgermeister Hannes Anzengruber, treffe ich täglich zusammen. Außerhalb der gemeinsamen Lagebesprechung bleibt aber wenig Möglichkeit für Besprechungen oder einen persönlichen Austausch. Gemütlichkeit kommt nicht auf, weil wir alle sehr befasst sind mit unseren Aufgaben. Für die Koalition gibt es einen Telegram-Chat. Der dient im Wesentlichen dazu, die Mitglieder der Koalition in allgemein relevanten Bereichen auf dem Laufenden zu halten.

Stadtblatt: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der jeweiligen städtischen Abteilung hinsichtlich Ihrer Ressortverantwortung?
Elli Mayr: Der momentan forderndste Bereich ist in meinem Ressort die Bildung, hier sind wir, wie oben bereits dargestellt, ein sehr eng abgestimmtes Team. Für die anderen Bereiche: Sport, Frauen, Integration war wichtig, dass wir die in diesen Bereichen aktiven Vereine und Institutionen bestmöglich unterstützen und manche bürokratische Hürde aus dem Weg räumen, damit das Geld schnell dort ankommt, wo es dringend gebraucht wird. Besonders toll finde ich, dass viele Sportvereine – ganz auf Eigeninitiative – für ihre Schützlinge auf ein Online-Training für Zuhause umgestellt haben. Die im Bereich Integration Engagierten lassen sich nicht entmutigen, beraten und unterstützen auch weiterhin, zum Beispiel auch online, und setzen sich für Menschenrechte ein, auch wenn diese wichtigen Themen aktuell aus dem Blick der Öffentlichkeit geraten sind.
Wichtig ist die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit, also über die eigene Zuständigkeit hinaus. Zusammen mit dem Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Rammer, habe ich in den ersten Tagen zum Beispiel einen einfachen Leitfaden für Kindergärten und Schulen entwickelt, mit 7 allgemeinverständlichen Fragen, damit das Gesundheitsamt möglichst rasch die Grundlage erhält, ob eine Einrichtung kontaminiert ist und geschlossen werden muss oder nicht. Gerade wird – ebenfalls in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Stellen der Stadt – ein Plakat erarbeitet mit den wichtigsten Infos zu sozialen Anlaufstellen. Es wird auch in unterschiedliche Sprachen übersetzt. Zentral ist, dass alle Zugang zu diesen wichtigen Infos haben, auch wenn sie zum Beispiel kein Internet haben. Beim Sport war wichtig, dass wir alles, was in Innsbruck allgemein mit einer „Sportstätte“ verbunden wird, gleichzeitig schließen und die Schließung auch gleichzeitig kommuniziert wird – auch wenn die Zuständigkeiten (Olympiaworld, IKB, Alpenverein, Stadt Innsbruck) ganz unterschiedlich sind. Ich bin sehr froh, dass das gelungen ist und wir damit verhindern konnten, dass es zu Ballungen von Menschen an vereinzelt geöffneten Sportstätten kommt.

Stadtblatt: Wie gestalten Sie ihre "Freizeit", was liegt Ihnen derzeit besonders am Herzen?
Elli Mayr: Ich wohne im 5. Stockwerk, ohne Balkon, aber dafür haben wir ein Treppenhaus mit 140 Stufen. Jetzt bringe ich den Müll gern ein bisschen öfter runter. Mein Freund arbeitet von zu Hause und kocht ganz ausgezeichnet, im Alltag und auch jetzt. Seine Rindsuppe hält Leib und Seele zusammen! Was mich jeden Tag in der Früh aufbaut, ist ein Duschgel, das nach Sonnencreme riecht. Und zwischendurch, wenn es hart auf hart kommt, höre ich mir Sigi Marons „Ballade von ana hoatn Wochn“ an. Was mir noch besonders im Privaten am Herzen liegt: Meine Eltern. Sie gehören beide zur Risikogruppe, aber mein Vater muss leider immer was tun und wir drei Kinder müssen ihm immer wieder zureden, dass er jetzt auf sich schaut und gut auf sein frisches künstliches Knie aufpasst.

Stadtblatt: Nutzen Sie persönlich einen Blog, youtube-Kanal oder ähnliches, um zu kommunizieren?
Elli Mayr: Ich poste, wenn ich dazu komme, etwas auf Facebook oder auch auf Instagram. Aber dafür fehlt mir im Moment die Zeit.

Stadtblatt: Wenn Sie möchten, können Sie gerne auch mit einer persönlichen Botschaft  das Interview beenden.
Elli Mayr: Mich erreichen zur Zeit sehr viele Fragen zu ganz unterschiedlichen Themen: Eine ältere Dame möchte gerne wissen, wie das mit der Verlängerung der Mietzinsbeihilfe funktioniert, sie kann gerade das Haus nicht verlassen und Mail ist schwierig. Ein älterer Herr bräuchte jemanden, der mit dem Hund rausgeht. Eine Frau weiß nicht mehr, wie sie sich und ihre beiden Kinder über Wasser halten soll, weil sie halbtags beschäftigt ist und bisher am Wochenende in der Gastro mit Trinkgeld ordentlich dazuverdienen konnte. Und jetzt fällt das weg, alles wackelt, und das, was übrig bleibt, reicht mit der Familienbeihilfe für die beiden Kinder gerade für die Miete mit Betriebskosten, dazu liegt eine Kündigung am Tisch. Ein Mann sagt, sie wohnen zu viert auf 52 m2 ohne Balkon, er möchte wissen, wo er jetzt noch spazieren gehen darf und sich auf eine Zigarette hinsetzen darf – vor dem Haus auf dem Rasen zwischen den Häusern in der Reichenau zumindest, ohne dass der Nachbar gleich die Polizei ruft? ? Einer hat eine Idee für einen Kreativwettbewerb für Kinder – etwas basteln aus Klopapierrollen – und dann gibt es einen Preis. Eine ausgebildete Krankenschwester sucht einen Job, erhält aber nur Absagen, ausgerechnet jetzt … bei allen diesen Dingen wird man von mir nicht hören, da bin ich nicht zuständig. Ich kümmere mich darum, schaue um Antworten, um Hilfe, um Weiterleitung der Ideen und Anliegen an Stellen, die sie beantworten oder realisieren können. Wenn es Fragen sind, die auf ein Problem hindeuten, das im Sinne von vielen Betroffenen behoben oder verbessert werden sollte, setze ich mich auch dafür ein. Jeder Innsbrucker und jede Innsbruckerin kann mich erreichen per Mail elisabeth.mayr@magibk.at oder unter der Nummer 0660-7864492. Und noch ein GANZ wichtiges Anliegen habe ich als Frauenstadträtin: Viele haben es zur Zeit richtig schwer, beengte Wohnverhältnisse, viele Sorgen um die Zukunft. Häusliche Gewalt kann unter diesen Umständen gehäufter vorkommen oder sich verschärfen. Viele haben Angst, das bei der Polizei zu melden, weil sie sich fragen, wo der Täter (oder die Täterin) dann hinsoll. Diese Sorge müssen sich die Betroffenen nicht machen, darum kümmern sich die Behörden und die Polizei. Das Gewaltschutzgesetz gilt, auch und gerade in Zeiten von Corona! Man kann die Frauenhelpline rund um die Uhr unter 0800-222 555 erreichen und natürlich auch die Polizei rufen, ganz normal unter 133. Abschließend möchte ich mich bei allen ganz herzlich bedanken für das, was Sie gerade leisten – in Ihrer Familie, als Nachbar oder Nachbarin, im ehrenamtlichen Einsatz und natürlich auch im Job!

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