Lokalaugenschein in Innsbruck
Der Höhepunkt des Tages

Wer kann, stellt um: "Onlinehandel" auch beim Innsbrucker Bauernmarkt.

Es ist schon außergewöhnlich, wenn das Einkaufen zum abenteurlichsten Höhepunkt des Tages wird.

INNSBRUCK. Feuer. In der Markthalle hat sich was entzündet. Rasch wurde das kleine Feuer gelöscht, der Geruch von verbranntem Holz und Papier ist aber geblieben. Nicht so die Kundschaft. Was am Freitag und Samstag an Mehrkunden in die Markthalle kam, davon ist heute nichts mehr zu spüren. Schlange stehen muss man auch nicht, außerdem bleibt jede Menge Zeit miteinander zu reden. Zu erklären, wie der Kren einzufrieren ist oder darauf hinzuweisen, dass jene, die nicht einkaufen kommen möchten auch online bestellen können. Zumindest beim Biostand von Loni Appler. Trotz Tritschtratsch ist die Stimmung irgendwie unfein. Einerseits zeigt sich das Wetter von seiner schönsten Seite, die Sonne scheint, die Blumen öffnen sich, andererseits hört sieht man nur noch vorbeieilende Menschen und jede Menge Polizeiwägen. In zwanzig Minuten fünf Stück.

Nur mehr in Plastiktüten abfüllen

Beim Olivenstand in der Markthalle wird jetzt nicht mehr das eigene Behältnis angenommen. Die losen Oliven werden in Plastiktüten gefüllt – die kleinen Gläser wurden also umsonst von daheim mitgeschleppt. Hier schlägt Virus die Nachhaltigkeit. Einen Stand weiter holen wir Tee von der Gewürzmanufaktur. Nach dem Abfüllen, kommt sofort ein Schuss von Desinfektionsmittel in die Handflächen der Verkäuferin. "Es gibt kaum Kunden", erzählt sie. Dazu ist nicht besonders viel hinzuzufügen. Meine Mitbewohnerin und ich nicken und gehen wieder zu den Fahrrädern, die hinter der Halle stehen.
Zwei Männer lassen sich den Spaß nicht verderben. Sie stehen neben einem Porsche in der Sonne und trinken aus Prosecco-Gläsern vielleicht sogar tatsächlich Prosecco während sie miteinander reden. Beim Heimweg fahren wir an einer Polizeistation vorbei, wo sich ein Polizist aus dem Fenster lehnt und uns nachruft: "Hände an die Stange". Die haben Probleme – denkt man sich und schüttelt den Kopf.

Einen Meter Abstand halten

Auch im Supermarkt – endlich mal alle Flaschen zurückgebracht – gibt es Anweisungen aus den Lautsprechern. "Bitte halten sie einen Meter Abstand zueinander. Das ist ungefähr die Länge eines Einkaufwagens" – die Erklärung ist in einem Supermarkt nachvollziehbar, aber irgendwie auch total komisch. Der Warnung zum Trotz schubst mich von hinten tatsächlich jemand zur Seite. Er will vorbei, zum Regal mit den Konservendosen, holt sich eine Gulaschsuppe aus dem Regal – mit einem Einweghandschuh an der Hand – die Mitarbeiterin des Supermarktes, die soeben das Regal auffüllt, geht zwei Schritte zurück. In ihrem Gesicht entsetzen: Warum kommt mir der Mann so nah? Ich komme mit ihr kurz ins Gespräch und frage sie, ob Dosenessen jetzt besonders angesagt ist. "Eher Reis und Nudeln", meint sie, "aber ein paar leere Regale gibt es auch bei den Konserven." Als ich in der Reihe an der Kassa stehe hält sich keiner an den vorgeschriebenen Abstand. Auch, weil ich nicht schnell genug bin und die neuen Kunden schon nachrücken. Nichts wie raus und zurück in die Wohnung. Wie unheimlich Einkaufen gehen sein kann, war mir bisher gar nicht bewusst.

Autor:

Agnes Czingulszki (acz) aus Innsbruck

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