Corona und Schulen
Die Schließungen haben nicht zwangsläufig positive Auswirkungen

ÖGJK: "Individualmeinungen, Modellrechnungen ohne Bezug zur aktuellen Situation und Spekulationen über mögliche „Sekundäreffekte“ dürfen in Anbetracht der durch Schulschließungen gesicherten Kollateralschäden keine Grundlage für weitere Schulschließungen bilden."
  • ÖGJK: "Individualmeinungen, Modellrechnungen ohne Bezug zur aktuellen Situation und Spekulationen über mögliche „Sekundäreffekte“ dürfen in Anbetracht der durch Schulschließungen gesicherten Kollateralschäden keine Grundlage für weitere Schulschließungen bilden."

  • Foto: pixabay
  • hochgeladen von Georg Herrmann

INNSBRUCK. "Individualmeinungen, Modellrechnungen ohne Bezug zur aktuellen Situation und Spekulationen über mögliche „Sekundäreffekte“ dürfen in Anbetracht der durch Schulschließungen gesicherten Kollateralschäden keine Grundlage für weitere Schulschließungen bilden", hält die ÖGJK fest. Aktuell sind in der Kinderklinik Innsbruck 2 Kinder stationär sowie 2 Fälle von Hyperinflammationssyndrom seit Beginn der 4. Welle (September 2021) in Behandlung.

Impfung ohne Zwang

"Die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde ÖGKJ spricht sich nach Sichtung der bisher vorliegenden Unterlagen für die COVID-19-Impfung auch in der Altersgruppe 5 bis 11 Jahre aus." Diese Empfehlung gilt insbesondere bei entsprechender Risikokonstellation. Nach aktueller Datenlage liegt ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis für die COVID-19-Impfung in dieser Altersgruppe vor. Erste praktische Umsetzungen z.B. in den USA und Israel unterstützen diese Einschätzung. Eine weitere laufende Aktualisierung der Daten und Erfahrungen ist verbindlich vorgesehen, sodass bei einer Änderung dieser Einschätzung unverzüglich reagiert und informiert wird. Im Übrigen gilt auch für 5- bis 11-Jährige die gleiche Einschätzung wie für die Altersgruppe der 12- bis 16-Jährigen. (Link zum BezirksBlätter Innsbruck Artikel).

Datenmaterial

Im Zusammenhang mit der Diskussion über Schulschließungen veröffentlicht die ÖGJK entsprechende Daten zu SARS-CoV-2 Infektionen und -Erkrankungen bei Kindern im Schulalter.

  • Zu Beginn des jetzigen Lockdowns am 22.11.2021 wurden über 2.600 Kinder zwischen 5 und 14 Jahren pro Tag positiv getestet. Dies ist zweifelsfrei eine (unerwünscht) hohe Zahl, entspricht 3 Promille der ca. 850.000 Kinder diesen Alters.
  • Aus einer Studie (in Kooperation zwischen AGES, MUG und ÖGKJ) wissen wir (Anmerk. die ÖGJK), dass 60% der in den ersten beiden Wellen als infiziert detektierten Kinder in Österreich erkrankt sind (i.e. Symptome entwickelt haben). Durch das derzeit durchgeführte regelmäßige Screening bei asymptomatischen Schüler*innen muss davon ausgegangen werden, dass noch wesentlich mehr Infektionen detektiert werden, die nicht zu symptomatischen Erkrankungen führen. Dies entspricht auch den Beobachtungen in den österreichischen Kinder- und Jugendabteilungen.
  • Laut Entlassungsstatistik der GÖG sind bis 30.9.2021 (aktuellere Daten stehen noch nicht zur Verfügung) 380 Kinder von 5 bis 14 Jahren mit einer SARS-CoV-2 Infektion stationär aufgenommen worden, 218 davon mit der Hauptdiagnose SARS-CoV-2 Infektion. Im gleichen Zeitraum wurde bei 66.285 Kindern dieses Alters eine SARS-CoV-2 Infektion bestätigt. Daraus ergibt sich in dem analysierten Zeitraum eine Hospitalisierungsrate von 0,6% (bzw. 0,3% für Kinder mit der Hauptdiagnose SARS-CoV-2 Infektion). Derzeit scheint die Hospitalisierungsrate jedoch noch geringer zu sein.

Faktenbasierende Darstellung

Die ÖGJK hält fest: "Es liegt uns fern, SARS-CoV-2 Infektionen und deren Komplikationen bei Kindern und Jugendlichen zu verharmlosen. Wir treten dafür ein, dass Infektionen auch in dieser Altersgruppe durch vertretbare nicht-pharmazeutische Maßnahmen und v.a. durch die jetzt zur Verfügung stehenden Impfungen verhindert werden. Gleichzeitig fordern wir aber eine Fakten-basierte Darstellung der Situation infizierter und erkrankter Kinder, wie sie sich in den epidemiologischen Daten, v.a. aber auch an den Kinder- und Jugendabteilungen und -Ordinationen zeigt. Modellrechnungen können eine derartige Realbeobachtung nicht ersetzen."

Nicht zwangsläufig positiv

""Wir sind auch davon überzeugt, dass die neuerliche Unterbrechung eines geordneten Schulbetriebs mit entsprechenden Maßnahmen und dem etablierten Schul-Test-Programm nicht zwangsläufig positive Auswirkungen auf das epidemiologische Gesamtgeschehen hätte. Der epidemiologische Nutzen von Schulschließungen wird auch international in Frage gestellt, weshalb mittlerweile auch die meisten Länder (auch solche ohne Routine-Screeningprogramme) von weiteren Schulschließungen - insbesondere auch in Hinblick auf negative Effekte - Abstand nehmen", erklären die Kinder- und Jugendärzte weiter: "Auch ist es ethisch nicht vertretbar, Schülern den Schulbesuch zu verbieten, um „Bewegungen“ und Kontakte Erwachsener einzuschränken."

Weiteres Vorgehen

Die ÖGKJ fordert ein faktenbasiertes und evidenzgestütztes Vorgehen insbesondere auch in der Frage „Schulschließungen“: "Individualmeinungen, Modellrechnungen ohne Bezug zur aktuellen Situation und Spekulationen über mögliche „Sekundäreffekte“ dürfen in Anbetracht der durch Schulschließungen gesicherten Kollateralschäden keine Grundlage für weitere Schulschließungen bilden."

ÖGJK

Die Öster­reich­ische Ge­sell­schaft für Kinder- und Jugend­heil­kunde ist ein Verein mit über 2.000 Ärztinnen und Ärzte für Kinder- und Jugendheilkunde, sowohl aus dem nieder­gelassenen als auch dem Spitals­bereich. Präsidentin ist A.Univ.-Prof. Dr. Daniela Karall, IBCLC, Medizinische Universität Innsbruck, Department für Kinder- und Jugendheilkunde, Universitätsklinik für Pädiatrie.

Weitere Nachrichten aus Innsbruck finden Sie hier

Du möchtest regelmäßig Infos über das, was in deiner Region passiert?

Dann melde dich für den meinbezirk.at-Newsletter an

Gleich anmelden

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Folge uns auf:
Die Bezirksblätter immer mit dabei! Mit der praktischen ePaper-App.


Gleich downloaden!

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen