Kunst und Kultur in schwierigen Zeiten
Die Zukunft des Leokinos

Dietmar Zingl hat das Leokino mit dem Cinematograph ins Leben gerufen, Tanja Helm folgt ihm nach
  • Dietmar Zingl hat das Leokino mit dem Cinematograph ins Leben gerufen, Tanja Helm folgt ihm nach
  • Foto: Isser
  • hochgeladen von Nadine Isser

Das Leokino ist zusammen mit dem Cinematograph einer der wichtigsten Kultureinrichtungen Innsbrucks. Statt Hollywood-Blockbuster gibt es Filme abseits des Mainstreams, statt deutscher Synchronisation die Originalsprache samt Untertitel und statt Popcorn und Nachos gibt es Sportgummis und Rumkugeln. Das Leokino ist ein Ort für Cineasten, für Filmliebhaber. Doch wie alle Kinos und überhaupt sämtliche Kultureinrichtungen hat die Coronakrise auch hier zugeschlagen. Das Stadtblatt hat sich mit Dietmar Zingl und Tanja Helm von Leokino getroffen:

Stadtblatt: Die Zeiten sind hart. Habt ihr Einbrüche bei den Besucherzahlen?
Tanja Helm: "Insgesamt zeichnet sich ein Besuchereinbruch von mindestens der Hälfte ab. Wir dürfen ja aufgrund der Auflagen die Säle auch nicht mehr voll machen."

Stadtblatt: Sitzen die Zuschauer wie im Theater im Schachbrettmuster?

Tanja Helm: Nein noch nicht, wir sind aber darauf vorbereitet. Bei uns dürfen gemeinsame Haushalte bzw. Besuchergruppen beieinander sitzen, zur nächsten Gruppe muss aber ein Platz frei gelassen werden. Nach vorn und hinten ist der Abstandsmeter immer gewahrt. Wir haben auch einen erhöhten Personalaufwand, denn wir haben einen Platzanweiser der im Saal darauf schaut, dass alles passt.

Stadtblatt: Im Leokino und im Cinematograph gab es bisher immer freie Platzwahl – hört das nun auf?
Tanja Helm: Ja, mit blutendem Herzen haben wir uns davon verabschiedet. Nicht lustig.
Dietmar Zingl: Aber es nützt nichts. Kürzlich hatten wir einen Herren, der nicht einsehen wollte, warum er sich in die dritte Reihe setzen muss, wenn zwischen den Gruppen noch Plätze frei sind. Aber das muss sein, das ist jetzt Vorschrift. Es hat ja auch Vorteile, wenn man die Karten rechtzeitig kauft oder reserviert, dann hat man auch wirklich den Sitzplatz, den man will und kein Gedrängel.

Stadtblatt: Bleibt ihr dann bei diesem System?
Tanja Helm:
Ja, wahrscheinlich schon. Wir arbeiten gerade daran, dass man dann auch die Karten online kaufen und reservieren kann. Mir tut es aber Leid um die freie Sitzplatzwahl.

Stadtblatt: Vor einigen Jahren war ein Umzug des Cinematographen im Gespräch. Hat sich hier etwas ergeben?
Dietmar Zingl: Das ist alles gescheitert. Wir haben dreieinhalb Jahre lang herumverhandelt und auch der Bürgermeister sowie Christine Oppitz-Plörer haben uns, angefangen vom Pema-Turm, einiges in Aussicht gestellt. Viele Orte davon waren aber ungeeignet. Wir kamen unter Druck, denn es sah so aus, als würden wir unseren Standort in der Museumstraße verlassen müssen, im Moment schaut es aber so aus, als ob wir dort bleiben können. Das mit der Stadtpolitik war aber vergebene Liebesmüh, die haben sich nicht wirklich eingesetzt. Es ist schon eine gewisse Wertschätzung da seitens der Politik, man kann nicht sagen, dass sie das Kino gar nicht wollen. Aber es ist zu wenig. Die Stadt müsste eigentlich eine gescheite Immobilie zur Verfügung stellen.

Stadtblatt: Wie ist das Resümee eurerseits bzgl. des Sommerkinos im Zeughaus?
Dietmar Zingl: "Es ist super gelaufen, durch den Italienschwerpunkt konnten wir auch Filme aussuchen, bei denen wir nicht darauf schauen mussten, dass wir sehr viele Besucher zusammenbringen, weil ja alles finanziert war. Die Geschichte mit der Musik, die der Norbert (Pleifer, Anm.d.R.) eingefädelt hat, ist sehr gut angekommen, genauso wie die entspannte Sitzplatz-Gestaltung mit den Vierergruppen um den Tisch. Viele Leute sind richtig begeistert gewesen. Stadt und Land haben das zu je 15.000 Euro finanziert, eine Bank hat 30.000 Euro gezahlt, Innsbruck und seine Feriendörfer 20.000 und dann noch diverse andere Sponsoren… und der Norbert mit seinem "Schnorr-Fonds" (schmunzelt)."

Stadtblatt: Wie seht ihr die Zukunft des Kinos?
Tanja Helm: "
Ich glaube, dass wir mit unseren Segment eine gute Zukunft haben. Bei den großen Mehrsaal-Kinos wird es, glaube ich, schwieriger, wobei wir da natürlich mitleiden werden – wenn sich bei den Großen was tut, ziehen alle mit. Aber ich glaube das Kino, also sich einen Film in einem großen, dunklen Saal anschauen, wird auf jeden Fall eine Zukunft haben. Für das stehe ich auch und für das werde ich auch arbeiten. Als wir am 29. Mai das Kino wieder aufgesperrt haben ist der Vorhang zur ersten Vorstellung aufgegangen und die Leute haben geklatscht, es waren 40 Menschen in jeder Vorstellung – mit so vielen hatten wir gar nicht gerechnet. Das zeigt schon auch was. Ich höre es jetzt noch, wie die Leute an die Kassa kommen und sagen „Gott sei Dank habt ihr wieder offen!“

Stadtblatt: Wie läuft unter Corona generell die Filmproduktion? Kommen Filme verspätet oder gar nicht raus?
Tanja Helm: "Wir merken jetzt, dass vor allem die Verleiher total herumjonglieren. Wir haben keine Sicherheit. Es wird viel verschoben. Wir haben bis zum letzten Moment kein Okay, dass wir den Film tatsächlich spielen können. Wir bitten im Newsletter darum, die Zeiten genau zu beobachten, damit wir informieren können, falls sich was verschiebt. Das kann nämlich einfach sein…"
Dietmar Zingl: "Man weiß ja wirklich nicht was passiert. Man muss annehmen, dass die Situation rund um Corona noch länger so gehen wird. Man weiß auch nicht, wie die Politik darauf reagiert. Weltweit sieht man ja eher, dass große Panik provoziert wird, das sieht nicht gut aus. Wir müssen jederzeit damit rechnen, dass sie die Kinos zumachen, wobei die Kinos vergessen sie meistens eh. Beim Shutdown haben sie zum Beispiel die Kinos nicht geschlossen, nur den Leuten gesagt, dass sie nicht mehr hingehen dürfen…"

Stadtblatt: Ihr habt ja einige Vorsichtsmaßnahmen getroffen, z. B. stellt ihr auch sicher, dass die Luft ständig gewechselt wird und nicht nur zirkuliert.

Dietmar Zingl: "Ich glaube, da sind wir besser aufgestellt als die AUA, ich glaube nicht, dass die in 30.000 Meter Höhe die Luft austauscht. Wir verbrauchen etwas mehr Strom dadurch, aber dafür ist die Sicherheit gegeben."

Stadtblatt: Wie gleicht ihr die Unsicherheit im Verleih und in der Produktion aus? Habt ihr vermehrt die Leokino-„Zeitreisen“ (Film-Klassiker) gespielt?

Tanja Helm: "Zu Anfang schon, wir haben Repertoire gespielt, mit dem wir uns ja sehr leicht tun – das ist auch ein Grund, warum ich glaube, dass wir weiter bestehen können. Jetzt haben wir aber schon geschaut, dass alles, was dahergekommen ist, mit aufs Programm kommt. Insgesamt wird es aber in diese Richtung gehen, dass wir auch mit Filmklassikern und der Filmgeschichte vermehrt arbeiten werden. Das im heutigen Kontext anzuschauen ist auch interessant, und sich den damaligen Kontext beispielsweise über die Einführung herzuholen. Das ist dann eine andere Auseinandersetzung, die dieser Kunstform auch gebührt."

Stadtblatt: Zum Abschluss, habt ihr noch etwas auf dem Herzen?

Tanja Helm: "Dass man nicht vergisst, dass sich das mit dem Corona noch ziehen wird… Wir werden voraussichtlich auch noch ein „Filmloch“ haben, alles was jetzt gestoppt worden ist…
Dietmar Zingl: Das dauert mindestens ein Jahr, bis man die Auswirkungen sieht."

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