Altstadtzukunft
Eine neue Bepflasterung, Begrünung, Verweilflächen, Cooling als Ziele.

Der ehemalige Altstadtvereins-Obmann (und neue 1. Obmann-Stellvertreter) Peter Paul Bloder übergab im Juli seinem Nachfolger im Altstadtverein (Interessengemeinschaft Altstadt Innsbruck) Michael Perger symbolisch die goldene Schindel.
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  • Der ehemalige Altstadtvereins-Obmann (und neue 1. Obmann-Stellvertreter) Peter Paul Bloder übergab im Juli seinem Nachfolger im Altstadtverein (Interessengemeinschaft Altstadt Innsbruck) Michael Perger symbolisch die goldene Schindel.
  • Foto: Schenach
  • hochgeladen von Georg Herrmann

INNSBRUCK. Michael Perger wohnt seit mehr als 23 Jahren in der Daxburg (Die Daxburg ist ein denkmalgeschütztes Haus in der Innsbrucker Altstadt aus dem 15. Jahrhundert benannt nach Christoph Dax, dem Hofmaler unter Maximilian dem Deutschmeister. 1983 wurde die Daxburg von Karl Perger, Metzger und Hotelier in Innsbruck/Pradl erworben und 1997 komplett saniert) und ein überzeugter "Altstadtler". Perger hat im Juli die Obmannschaft der Interessengemeinschaft Altstadt Innsbruck von Peter-Paul Bloder übernommen. Im Stadtblatt- Interview blickt Perger auf die Zukunft der historischen Straßen und Gassen.

Generationenauftrag

Stadtblatt: Herr Perger, Coronavirus und Altstadtbaustelle, zwei große Herausforderungen zu Beginn Ihrer Obmannschaft?
Michael Perger: Natürlich sind die COVID-19-Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen zu aller Sicherheit sowie die damit verursachten wirtschaftlichen Auswirkungen durch eine Rezession mit Abstand die größte Herausforderungen für die Wirtschaftstreibenden. Dies wird uns auch noch länger begleiten und wir müssen uns innovativ und mit Zuversicht und Zusammenhalt diesen Anforderungen stellen. Die Altstadtbaustelle ist ein Generationenauftrag. Unsere Generation muss diesen für die nächsten 100 Jahre bewerkstelligen. Dem haben wir uns für die Zukunft zu stellen, das können wir nicht weg delegieren. Die baulichen Maßnahmen in einem knappen Jahr durchzuziehen, beurteile ich im gegenwärtigen Umfeld als das Richtige, wie übrigens auch die Mehrheit der Wirtschaftstreibenden, Hausbesitzer und Anwohner unserer Altstadt. Die ausführenden Firmen machen einen sehr guten und kooperativen Job. Die Altstadtbaustelle wird absehbar beendet sein und dann können wir uns auf die Oberflächengestaltung, Begrünung und Verweilplätze gemeinsam im Dialog konzentrieren. Die Altstadt hat die Chance sich hier neu im Sinne „Altstadt Neu“ auszurichten. Nichts ist so beständig wie die Veränderung.

Von den Altstadtunternehmen werden die IKB und die bauausführenden Unternehmen für ihre Bemühungen einer friktionsfreien Abwicklung sehr gelobt?
Das ist zu 100 % von meiner Seite zu bestätigen. Wir haben einen wertschätzenden Umgang untereinander und freuen uns bei aller Belastung, die in solchen Projekten nicht zu vermeiden ist, über die Geschwindigkeit und die Qualität. Die Bauherren und die ausführenden Firmen haben ein sehr gutes Zeitfenster gefunden. Vergelt’s Gott von meiner Seite an alle Beteiligten der Baustelle (Bauherren wie auch Ausführende).

Zur Vorverlegung, eigentlich gab es einen Beschluss des Altstadtvereins, wo sich der Verein gegen eine Vorverlegung ausgesprochen hat?
Das ist richtig. Der Vereinsvorstand – bei dessen Beschlüssen ich persönlich noch nicht aktiv dabei war – hatte sich für einen längeren Zeitplan akkordiert. Die Entscheidung letztlich traf die Politik und die IKB es aufgrund des Umfelds der Gesundheitskrise schneller durch zu ziehen. In der Reflektion dieser Entscheidung sage ich, es war absolut die Richtige und eine sehr mutige Entscheidung.

Michael Perger

Durch die Vorverlegung scheint die Diskussion über die Oberflächengestaltung und die Nutzungsmöglichkeiten in der Altstadt in den Hintergrund getreten zu sein?
Das ist ein ganz wichtiger Punkt, danke für die Frage. Hier wird die Baustelle am Ende für alle sichtbar, obwohl die Sanierungen zur Gänze im Untergrund stattfinden. Die Oberfläche wird jetzt 1-2 Jahre provisorisch so bleiben, um das Erdreich absacken zu lassen. Diesen Zeitraum werden wir aktiv mit der Stadt, dem TVB, der Wirtschaftskammer, dem Innsbruck Marketing und dem Altstadtverein nutzen, um gemeinsam im Erscheinungsbild etwas bewegen zu können. Eine neue Bepflasterung, Begrünung, Verweilflächen sowie Cooling werden wir dabei vorantreiben und eines möglich machen: Die Altstadt Neu hat hier die einmalige Chance, blühend aus dieser herausfordernden Zeit hervorzugehen. Ich habe hier auch die Vision, unser so wertvolles Trinkwasser mit einer neuen Inszenierung des Brunnens am Domplatz zu realisieren. Da bin ich schon in guten Gesprächen.

Wie konkret spürt man die wirtschaftlichen Belastungen in der Altstadt?
Wirtschaft lebt von Konsum, Frequenz, Verweildauer der Gäste und Kundinnen sowie Kunden. Auch sind das Erscheinungsbild, die Qualität der Leistung ein wesentlicher Treiber. Daher haben wir über die Sommermonate mit vielen Projekten (soziale Medien: Instagram und Facebook, Homepage: www.altstadt-innsbruck.com, Baustellenzäune, Newsletter, SMS Service, regelmäßige kleine Konzerte, Yoga, Weinwoche, Radiospots) versucht, unsere einheimischen Gäste zum Besuch der Altstadt zu motivieren. Das ist uns Gott sei Dank durch viele mithelfende Hände im Team auch gelungen. Die Sommermonate waren besser als von allen Wirtschaftstreibenden erwartet – trotz Altstadtbaustelle.

Wie sehr treffen Reisewarnungen die Altstadt und den Städtetourismus?
Leider richtig weh tun uns die aktuellen Reisewarnungen. Diese sind für den Städtetourismus im Speziellen ein richtig negativer Einschnitt. Stornierungen von Gästen in der Beherbergung, großflächige Absagen von Familien- und Weihnachtsfeiern schlagen massiv zur Zeit in die Bücher der Hotellerie und Gastronomie. Der Einzelhandel stellt sich den Herausforderungen von fehlenden internationalen Gästen, geringerer Frequenz und einer generell rückläufigen Konsumbereitschaft. Alle Unternehmerinnen und Unternehmer sind zur Zeit extrem gefordert und müssen auch mit neuen Ideen und Geschäftsmodellen die Zukunft bestmöglich bewältigen. Solche Herausforderungen hat in den letzten 70 Jahren die Unternehmerschaft in dieser Dimension noch nie zu bewältigen gehabt.

Man ist geneigt, die Altstadt gerne als Gastrozentrum oder Souvenirstraßen zu betrachten. Der Anteil der Gastro liegt bei rund 10 Prozent der Altstadtwirtschaft, der Anteil der Souvenirläden weit darunter. Wie will man dieses öffentliche Bild korrigieren?
Wir haben in der Innen- und Altstadt ein vielfältiges gastronomisches Angebot. Die Gäste entscheiden immer, welche Konzepte und Ideen nachhaltig Bestand haben. Unser strategische Leitplanke im Altstadtverein ist: „Wir sind mit Abstand die besten Gastgeber im ältesten Einkaufszentrum von Innsbruck“, das bringt es sehr gut auf den Punkt: Gastgeber und Einkaufszentrum. Ein ausgewogener Branchenmix und ein qualitativer Einzelhandel sind dabei essentiell. Hier sind wir bereits aktiv und versuchen gemeinsam mit der Stadt Innsbruck, Standortagentur, WK Tirol, Innsbruck Marketing einen Altstadtstrukturprozess mit externer Begleitung zu initiieren. Innsbruck ist eine alpin urbane Stadt mit vielen Alleinstellungen um die uns auch viele beneiden. Tirol und Innsbruck sind Marken die eine enorme touristische Bedeutung haben. Diese gilt es weiter zu entwickeln und inhaltlich aufzuladen. Kultur wird dabei meiner Meinung nach in Innsbruck ein ganz wichtiger Faktor sein. Alpin sind wir schon sehr gut, Urban müssen wir uns noch weiter entwickeln.

Ist die Marketingstrategie "Alstadt Neu"auf längere Zeit geplant?
Ja, wir werden diese Strategie bis zum Finale der Oberflächengestaltung und dem blühenden neuen Auftritt weiterverfolgen. Das erinnert uns auch immer wieder an den eigentlichen Auftrag: „Die Geschichte der Altstadt zukunftsfähig zu machen.“

Von Altstadt-Unternehmen wird die mangelnden Unterstützung der Stadt in der aktuellen Situation urgiert, gibt es hier Handlungsbedarf?
Wir haben verschiedene Handlungsfelder, bei denen wir die Exekutive und die Politik mehr in die Verantwortung nehmen müssen. Dies versuchen wir in bilateralen Gesprächen und Hinweisen zu erwirken, nicht über die Medien. Die vielfältigen Interessen unter einen Hut zu bringen ist herausfordernd. Am Ende benötigt es aber konsequente Entscheidungen. Den Willen und die Unterstützungen der öffentlichen Träger spüren wir sehr, bei den Entscheidungen dauert es noch zu lange. Es wird an uns liegen, hier Entscheidungen voranzutreiben.

Die Altstadtbaustelle tritt bald in die Winterpause, dann steht vor allem die Herzog-Friedrich-Straße im Mittelpunkt, also das Eintrittstor in die Altstadt, hat man schon Idee, wie man Einheimische und Touristen trotzdem in die Altstadt einladen kann?
Wir hoffen – sofern per Verordnung möglich – eine weihnachtliche Inszenierung veranstalten zu können. Seitens der Stadtpolitik gibt es hier auch bestmögliche Unterstützung. Die Möglichkeit der offenen Gastgärten hilft uns hier sehr. Verbunden mit einem neuen Konzept für die Christkindlmärkte, bei denen die Sicherheit der Besucher und Mitarbeiter an oberster Stelle steht, können Gäste und Familien zum Besuch motiviert werden. Die Menschen suchen auch diesen weihnachtlichen, emotionalen Anker und einen bestimmten Grad an Normalität. Hier sind wir in ganz enger Abstimmung mit allen Behörden und Veranstaltern im Großraum Innsbruck. Eine definitive Entscheidung wird aber erst getroffen werden. Sicherheit und Gesundheit für alle Beteiligten sowie wirtschaftliche Vertretbarkeit sind hier die Entscheidungsgrundlagen.

Die Faszination Altstadt lebt auch von der Durchmischung aus Handel, Gastro, Handwerk und den Bewohnern der Altstadt, passt dieser wichtiger Mix noch?
Hier verweise ich auf meine Antwort zur Frage „Altstadt gerne als Gastrozentrum“. Für die Zukunftsfähigkeit unserer Altstadt ist diese Frage essentiell. In die aktive Gestaltung des Branchenmix und in die Attraktivität der Altstadt für Wirtschaftstreibende, sowie in die Erhöhung der Verweildauer der Besucher müssen wir sicher am meisten investieren. Nicht unwesentlich für einen funktionierenden kleinen Kosmos sind hier auch die Bewohnerinnen und Bewohner. Die Altstadt ist wie ein kleines Dorf.

Wünscht man sich bei Radfahrern, die sich nicht an das Fahrverbot halten, einen strengeren Strafenkatalog?
Ich wünsche mir hier wie in der aktuellen Pandemie einen hohen Anteil an Eigenverantwortung. Ich bin grundsätzlich kein Freund von Strafenkatalogen. Ich bin ein Verfechter von gesundem Hausverstand und einem wertschätzenden Umgang unter- sowie miteinander. Wenn ich das lebe, dann fahre ich mit dem Fahrrad nicht unter den Lauben oder in belebten Fußgängerzonen.

Muss die Kommunikation zwischen Altstadtvertretern und der Stadt bei Problemen ausgebaut werden?
Ja. Wir müssen mehr gehört werden. Je mehr Mitglieder die Wirtschaftsvereine haben, desto stärker werden sie gehört. Wir freuen uns sehr über 12 neue Mitglieder seit letztem Monat im Altstadtverein. Auch hier braucht es das Miteinander von Wirtschaft, Anwohnern und Politik. Wenn jeder seinen Teil beiträgt oder auch mal einen Schritt für das Gemeinwohl zurücksteckt dann entsteht gemeinsam etwas Großes. Das ist mein persönlicher Antrieb für unsere Altstadt.

Wie stellt sich Michael Perger die Altstadt in der Vorweihnachtszeit vor?
Ich wünsche mir Gewohntes und Besinnliches. Ich wünsche mir zufriedene Unternehmerinnen und Unternehmer, Anwohner und Besucher, die mit Zuversicht und positiven Ideen Gemeinschaft leben und Altstadt Neu möglich machen.

Danke für das Gespräch.

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