Xund bleiben
Essverhalten in der Quarantäne

Oft wird auch gegessen, um emotionale Stabilität herzustellen.
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  • Oft wird auch gegessen, um emotionale Stabilität herzustellen.
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“Daheim bleiben” lautet die Devise und “Gesund bleiben”. Gesund bleiben kann aber mehr bedeuten, als sich nicht mit dem Coronavirus anzustecken. Gesund bleiben kann auch bedeuten, seinen Körper gut zu behandeln und auf seine Ernährung zu achten. Auch die psychische Gesundheit gilt es in Zeiten einer Krise und Unsicherheit zu bewahren. Wie das alles zusammenhängt kann die Klinische Psychologin Eva Hauser erklären. Als Psychologin in einem Adipositaszentrum weiß sie, wie wichtig Ernährungsgewohnheiten sind.

STADTBLATT: Einige Menschen machen sich Sorgen darüber, dass sie während ihrer Zeit in der Isolation zunehmen werden. Im Internet liest man z.B. das humorvolle Meme "Meine Bikinfigur muss leider auf 2021 verschoben werden". Wie real ist diese Befürchtung?
Eva Hauser: Bei der Ernährung spielen vor allem die Essgewohnheiten eine große Rolle. Bei vielen ist ihr Essrhythmus durch den Arbeitsalltag geprägt. Durch das Home-Office und die Isolation kann es jetzt gut sein, dass man vor der Herausforderung steht, nicht in ein ungesundes Essverhalten zu verfallen.

Inwiefern könnte sich das Essverhalten verändern?
Einerseits kann der Essrhythmus stark durcheinander kommen, andererseits geht es auch darum, emotionales Essverhalten (wie zum Beispiel Essen aus Langeweile) zu vermeiden. Besonders gefährdet sind diejenigen, bei denen der Essrhythmus durch die Arbeit strukturiert wird, denn diese Struktur fällt nun weg.

Heißt das, dass man Zuhause eher öfter zum Kühlschrank rennt, als in der Arbeit?
Bei den meisten ist das der Fall. Dieses Verhalten nennt man auch "Grazing", das bedeutet, dass man anfängt sich etwas zum Essen zu suchen, obwohl man eigentlich keinen physiologischen Hunger hat. Besonders oft ist das der Fall, wenn durch das Essen versucht wird gewisse emotionale Bedürfnisse zu befriedigen.

Welche Bedürfnisse können das sein?
Im Allgemeinen betrifft das vor allem die Klassiker, wie aus Stress oder Frust essen. Manche essen auch um sich zu belohnen oder zu entspannen. In der derzeitigen Ausnahmesituation, die wir durch die Corona-Pandemie erleben, kann das auch ein Bedürfnis nach Sicherheit sein.

Wenn essen gegen Frust oder Unsicherheit hilft, ist es dann nicht etwas Positives?
Kurzfristig gesehen ist es für das psychische Wohlbefinden tatsächlich ein positives Erlebnis, insbesondere wenn man besonders fetthaltige oder zuckerhaltige Nahrung zu sich nimmt. Wenn man aber die Gesundheit und das Wohl des Körpers auch längerfristig bedenken möchte, kommt es hierbei auf das richtige Maß an und darum, sich in erster Linie überhaupt bewusst zu machen, dass man eigentlich gar keinen wirklichen Hunger hat, sondern einen emotionalen Ausgleich sucht.

Was kann man gegen das Essen aus Frust oder Langeweile tun?

Der Impuls etwas ohne physiologischen Hunger zu essen dauert meistens ungefähr 20 Minuten. Wenn man es schafft, in dieser Zeit dem Drang zu widerstehen und sich zum Beispiel ablenkt, vergeht die Lust auf Essen meistens von ganz alleine. Gut funktioniert hier – was gerade jetzt gut möglich ist – mit jemanden zu telefonieren, da dadurch der Kopf abgelenkt und der Mund trotzdem (wie beim Essen, nur gesünder) verwendet wird.
Wichtig ist auch, sich Alternativen zur emotionalen Regulierung, wie zum Beispiel zur Stressbewältigung, zu überlegen.

Welche Alternativen gibt es?
Das ist natürlich bei jedem etwas unterschiedlich. Vielen hilft die Natur oder Bewegung. Im Moment sind auch diese Möglichkeiten stark eingeschränkt, wobei hier eine Möglichkeit wäre, mit Hilfe von beispielsweise YouTube-Videos für Bewegung im eigenen Wohnzimmer sich sportlich zu betätigen. Wichtig ist auch regelmäßiges Lüften oder auf den Balkon gehen, wenn einer vorhanden ist. Andere Alternativen können zum Beispiel sein, ein Bad nehmen, alte Hobbys wieder aktivieren (häkeln, puzzeln oder ein Instrument spielen) oder eben über Videotelefonie mit seinen Freund*innen zu reden.
Wer sich auf eine besonders ambitionierte Art etwas Gutes tun will, kann diese Zeit auch ideal nutzen, um auszumisten oder einen Frühjahrsputz zu machen. Das reinigt die Seele und die Wohnung (lacht).

Kann man diese Zeit auch nutzen, um seine Ernährung positiv zu verändern?

Auf jeden Fall. Für viele Leute bedeutet der Arbeitsalltag, dass sie stressbedingt sehr unregelmäßig essen und keine Zeit haben selbst und gesund zu kochen. Nun kann man auch die Zeit dafür nutzen, Rezepte auszuprobieren – vielleicht sogar für Gerichte, die sich im Arbeitsalltag zum Vorkochen verwenden lassen können. Wer allgemein immer wieder mit seinem Gewicht zu kämpfen hat, kann diese Zeit auch nutzen und sich individuell beraten lassen – derzeit natürlich nur über online Video-Telefonie.

Eva Hauser, Klinische Psychologin
  • Eva Hauser, Klinische Psychologin
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Hier geht es zu einem Bewegungsvideo für Anfänger.

Autor:

Nadine Isser aus Innsbruck

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