IVB-Bremssand
Handgeführte Blasgeräte sollen nur für die Weichenreinigung verwendet werden

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INNSBRUCK. Anfang Feber berichtete das Stadtblatt unter der Überschrift "Aufregung um Quarzsand bei den IVB" über dessen Einsatz und daraus resultierende Fragen. Gemeinderat Gerald Depaoli (Gerechtes Innsbruck) hat die Diskussion ins Rollen gebracht und eine entsprechende Anfrage im Gemeinderat eingebracht. Jetzt liegt die Antwort vor. Der Quarzsandverbrauch hat sich in zwei Jahren auf über 50 Tonnen verdoppelt, die Straßenbahnzüge der IVB verfügen über keine spezielle Saugeinrichtungen. Die handgeführten Blasgeräte dürfen lediglich für die Weichenreinigung verwendet werden.

Anfrage

GR Depaoli hat am 27.02.2020 folgende Anfrage eingebracht, zu deren einzelnen Punkten die Antworten eingefügt wurden: In einer Stellungnahme zur Kritik des Gerechten Innsbruck in den Bezirksblättern vom 03.02.2020 in Bezug auf die Feinstaubbelastung der Tram durch zerriebenen Quarzsand bezieht die IVB in den Bezirksblättern, wie folgt Stellung: "Der Quarzsand kommt in Innsbruck seit ca. 40 Jahren zum Einsatz. Durch den Einsatz von modernster Technik konnte der Sandverbrauch zwischenzeitlich halbiert werden. Der Jahresverbrauch liegt aktuell bei ca. 30 Tonnen pro Jahr. Der in Innsbruck zum Einsatz kommende Quarzsand enthält weniger als 1 % Quarz (Feinfraktion). Nach der Definition der Chemikalien-Verordnung EG 1272/2008 fällt dieses Produkt nicht unter die Einstufung als gefährlicher Stoff. 'Mit Hilfe spezieller Saugeinrichtungen wird der in den Schienen liegen gebliebene Bremssand aus den Rillen gesaugt und fachgerecht entsorgt. Die Aussage, dass der Sand mittels Blasgeräten verblasen wird, entspricht nicht den Tatsachen. Hier handelt es sich um Blasgeräte, mit welchen nur die Weichenkästen von Laub und diversem Abfall befreit werden.'" Faktum ist, dass laut Recherchen des Gerechten Innsbruck es derartige spezielle Saugeinrichtungen, wie auch in anderen Städten, für die Tram (noch) nicht gibt, und die Reinigung der Schienen in deutschen Städten mittels eigener Fahrzeuge erfolgt. Es ist auch logischerweise nicht möglich, den Quarzstaub auch nur annähernd zu 100 % abzusaugen, sodass eine manuelle Reinigung der Schienen notwendig ist, speziell im Bereich von Weichen etc. Eine Reduzierung des Quarzfeinstaubes etc. ist nur durch dementsprechendes Fahrverhalten der Fahrer zu erzielen.

Antworten

Frage 1: Ist sich die IVB dessen bewusst, dass Quarzfeinstaub, welcher durch die Tram verursacht wird, krebserregend ist?
Antwort: Nein, das Sicherheitsdatenblatt lässt diesen Rückschluss nicht zu.

Frage 2: Wenn ja, inwieweit sind die MitarbeiterInnen geschützt, um den Quarzfeinstaub nicht direkt einatmen zu müssen?

Antwort: entfällt

Frage 3: Wenn ja, inwieweit sind die PassantInnen vor dem Quarzfeinstaub gerade in Bereich von Weichen und Haltestellen, Kreuzungen etc. geschützt?

Antwort: entfällt

Frage 4: Wie viel Quarzsand hat die IVB in den Jahren 2012 bis 2019 eingekauft?

Antwort: 2012 19,9 Tonnen / 2013 26,9 Tonnen / 2014 26,8 Tonnen / 2015 52,0 Tonnen / 2016 24,8 Tonnen / 2017 25,1 Tonnen / 2018 26,8 Tonnen / 2019 51,4 Tonnen

Frage 5: Wie hoch sind die jeweiligen Kosten für die Anschaffung des Quarzsandes zwischen 2012 und 2019?

Antwort: 2012 € 1.569,-- / 2013 € 2.059,-- / 2014 € 2.045,-- / 2015 € 4.145,-- / 2016 € 1.983,-- / 2017 € 2.004,-- / 2018 € 2.212,-- / 2019 € 4.306,--

Frage 6: Wo in den technischen Daten der Straßenbahnzüge der IVB finden sich die technischen Details über die laut IVB eingebauten speziellen Saugeinrichtungen?
Antwort: Von Seiten der IVB gibt es keine Aussage, dass die Straßenbahnzüge der IVB über spezielle Saugeinrichtungen verfügen.

Frage 7: Gibt es unabhängig der technischen Daten der Straßenbahnzüge der IVB separate technische Daten(blätter) der laut Medienbericht speziellen Saugeinrichtungen?
Antwort: nein

Frage 8: Wenn ja, ist es möglich, die technischen Daten der Saugeinrichtungen bzw. der Straßenbahnzüge der Anfragebeantwortung zu dieser Anfrage anzuhängen?
Antwort: entfällt

Frage 9: Wenn nein, warum nicht?

Antwort: Für die Saugeinrichtung wurde kein Datenblatt erstellt.

Frage 10: Wie und durch wen erfolgt die Wartung der Saugeinrichtungen der Straßenbahnzüge der IVB?
Antwort: Siehe Antwort zu Frage 6.

Frage 11: Wo wird der angelieferte Quarzsand (Bremssand) bei der IVB gelagert?
Antwort: Der Quarzsand wird in einem Stand-Silo auf dem Gelände der IVB gelagert. In diesen Silo wird der Quarzsand über einen Füllschlauch mittels Druckluft direkt aus dem LKW eingepumpt. Von dort erfolgt die Befüllung der Bahnen über eine Sandbefüllanlage mit vier Zapfstellen (ähnlich einer Zapfsäule).

Frage 12: Wo wird der von den speziellen Saugeinrichtungen abgesaugte verschmutzte Quarzsand (Bremssand) bzw. Quarzfeinstaub gelagert und fachgerecht entsorgt?
Antwort: Der von den Saugeinrichtungen aufgesaugte Straßenkehricht (Summe aller Verschmutzungen im Straßenbereich einschließlich Bremssand) wird in gleicher Weise wie der Abfall der Straßenkehrmaschinen des städtischen Bauhofs einer fachgerechten Entsorgung zugeführt.

Frage 13: Wie viel Tonnen an Quarzsand bzw. Quarzfeinstaub werden bzw. wurden laut Abrechnung in den Jahren 2012 bis 2019 entsorgt, und wie hoch waren die jeweiligen Kosten für die Entsorgung?
Antwort: Eine Mengenangabe ist nur über den gesamten aufgesammelten Straßenkehricht möglich. Aufzeichnungen über die Zusammensetzung des aufgesammelten Straßenkehrichts gibt es nicht.

Frage 14: Wie erklären Sie sich die Fotos bei welchen man eindeutig erkennt, dass die Schienen nicht lediglich von Abfall und Laub gereinigt wurden?
Antwort: Grundsätzlich ist der Einsatz von handgeführten Blasgeräten für die Reinigung der Weichenanlagen vorgesehen und nicht wie am Bild dargestellt für die Strecken- oder Haltestellenreinigung. Auch wenn dies den Mitarbeitern bekannt ist, kann seitens der IVB nicht ausgeschlossen werden, dass diese Geräte vereinzelt zweckentfremdet werden. Bei entsprechender Wettersituation – Stichwort Föhn – sieht der Einsatz der Blasgeräte spektakulär aus – was es in der Regel jedoch nicht ist. Diese Geräte haben keine derartige Leistung, dass Staubpartikel und Verschmutzungen so weit verstreut werden. Die Mitarbeiter der IVB wurden aus gegebenem Anlass nochmals dahingehend unterwiesen, dass die handgeführten Blasgeräte lediglich für die Weichenreinigung verwendet werden sollen. Was das Reinigungsfahrzeug anlangt, handelt es sich hierbei um einen handelsüblichen Kommunaltrak mit einem entsprechenden Kehr- und Saugaufsatz (ebenso handelsüblich wie bei jeder Kehrmaschine). Da jedoch mit einer
normalen Kehrmaschine eine Reinigung der Rille nicht möglich ist, wurde seitens der IVB ein zusätzlicher Aufbau für diesen angefertigt, der sicherstellt, dass die Schienenrille exakt gereinigt wird. Dieser Aufsatz besteht aus zwei Absaugungen, die unmittelbar über der Rille liegen, sowie einem federgedämpften Stahldorn, der hartnäckige Verschmutzungen entfernen soll. Zusätzlich wird die Rille zur Minimierung der Staubentwicklung im Vorlauf bewässert. In Kombination dieser Arbeitsabläufe kann sichergestellt werden, dass die Rille laufend und ohne wesentliche Umgebungsbelastungen entsprechend gereinigt wird und somit der sichere Fahrbetrieb gewährleistet werden kann. Ein Spezialfahrzeug ist es deswegen, da es einen derartigen Aufbau nur bei der IVB gibt. Andere Verkehrsunternehmen reinigen die Rillen oftmals durch Aneinanderreihung mehrerer Fahrzeuge (dadurch entsteht aber mehr Staub). Dieses Fahrzeug ist das ganze Jahr über laufend und nach Bedarf im Streckennetz von Innsbruck im Einsatz. Der anfallende Abfall (siehe Bilder) wird dann entsprechend nach dem Abfallwirtschaftsgesetz entsorgt.

Frage 15: Ist Ihnen bzw. der IVB jene Studie aus dem Jahr 2007 bekannt, in welcher festgestellt wurde, dass die Wiener Straßenbahnen durch die Benützung von Bremssand (Quarzsand) faktisch "Feinstaubschleudern" sind?

Antwort: nein

Frage 16: Von welchem Unternehmen wird der angesaugte verschmutzte Bremssand bzw. Quarzfeinstaub entsorgt, und seit welchem Jahr?
Antwort: Die Entsorgung des Straßenkehrichts erfolgt seit vielen Jahren über das Recycling-
Unternehmen Huter.

Frage 17: Können Sie als Bürgermeister der Stadt Innsbruck nach bestem Wissen und Gewissen nach Rücksprache bei den Verantwortlichen der IVB garantieren, dass der Bremssand bzw. Quarzfeinstaub von speziellen Saugeinrichtungen zu 100 % abgesaugt wird?
Antwort: nein

Frage 18: Wenn ja, warum?

Antwort: entfällt

Frage 19: Wenn nein, warum nicht?

Antwort: Siehe Antworten zu Fragen 12 und 13.

Frage 20: Sollte es tatsächlich zu einer vermehrten Feinstaubbelastung, wie vom Anfragesteller vermutet, aufgrund des Bremssandes bei der Tram kommen, seit wann weiß man darüber seitens der Innsbrucker Stadtregierung tatsächlich Bescheid, und warum hat man trotzdem die Tram errichtet?
Antwort: Die Beschlussfassungen durch den Gemeinderat für die Errichtung der Straßen- und Regionalbahn erstrecken sich über mehrere Regierungsperioden. Die Verwendung von Quarzsand ist technisch Interessierten seit langem bekannt.

Frage 21: Ist es richtig, dass die Feinstaubbelastung durch den Bremssand bzw. durch den Quarzfeinstaub krebserregender als jener von Dieselbussen produzierte Feinstaub ist?
Antwort: Darüber ist nichts bekannt. Diese Frage kann auch durch die IVB selbst nicht beantwortet werden. Fakt ist, dass der Einsatz von Quarzsand als Bremssand seit Jahrzehnten europaweit eine gängige Praxis in Bahnbetrieben darstellt – angefangen bei der Vollbahn bis hin zur Straßenbahn.

Frage 22: Wenn ja, welche Schritte werden seitens der Stadt gesetzt, um einer möglichen gesundheitsgefährdenden Quarzfeinstaubbelastung etc. – verursacht durch die Tram – effizient entgegenzuwirken?
Antwort: entfällt

Frage 23: Wie viele spezielle Saugeinrichtungen sind pro Tram eingebaut bzw. um welche speziellen Saugeinrichtungen handelt es sich laut Bombardier?
Antwort: Siehe Antwort zu Frage 6.

Frage 24: Um welche Art von Bremssand handelt es sich genau?

Antwort: Der Quarzsand wird unter dem Markennamen "Quarzsand H33" vertrieben.

Frage 25: Hat das Arbeitsinspektorat die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter der IVB, welche unmittelbar fast täglich mit dem Quarzsand bzw. Quarzfeinstaub in Berührung kommen,  beanstandet?
Antwort: nein

Frage 26: Wenn ja, wann, mit welchem Ergebnis und mit welchen Konsequenzen?
Antwort: entfällt

Frage 27: Ist es möglich, sich persönlich die speziellen Saugeinrichtungen bei den Straßenbahnen als Gemeinderat der Stadt Innsbruck anzusehen und sich die Funktionsweise von den Fachleuten der IVB erklären zu lassen?
Antwort: nein

Frage 28: Wenn nein, warum nicht?
Antwort: Die Straßenbahnen verfügen über keine Saugeinrichtung.

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Autor:

Georg Herrmann aus Innsbruck

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