St. Nikolaus
Historischem Kern droht der Abriss

Fallbachgasse 8 wurde das erste Mal 1615 schriftlich erwähnt.
  • Fallbachgasse 8 wurde das erste Mal 1615 schriftlich erwähnt.
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Koatlackler fürchten den Abriss des historischen Kerns von St. Nikolaus – zugunsten von Betonklötzen.

In St. Nikolaus – die Koatlackn – verschwindet derzeit ein jahrhundertealtes Haus nach dem anderen. Ein solches bedrohtes Haus steht in der Fallbachgasse 8: „Das Haus in der Fallbachgasse 8 ist eines der letzten einst für St. Nikolaus so typischen kleinen, bäuerlichen Häuser des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit. Zudem bereichert es das Straßenbild mit seinem 300 Jahre alten barocken Fresko 'Anbetung der Könige'. Alles andere als die Unterschutzstellung als 'charakteristisches Gebäude' wäre ein Witz", sagt Michael Guggenberger, Historiker und Archäologe. Das Haus selbst wurde erstmals 1615 schriftlich erwähnt, das Fresko wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts angebracht. Jetzt soll es abgerissen werden.

"Rettet die Koatlackn"

Die Initiative „Stoppt den Abriss von St. Nikolaus“ will das verhindern: „Wenn wir über die jahrhundertealten Häuser in St. Nikolaus reden, reden wir nicht nur von Gebäuden, sondern über das Erbe unserer Eltern. Wir reden hier von der Historie eines Stadtteils und somit auch über die Historie der Stadt. Wir wollen nicht, dass diese Häuser einfach abgerissen werden, um Platz für gleichaussehende, fensterlose Blöcke zu machen“, so Wolfgang Burtscher, Koatlackler mit Leib und Seele. „Seit der Reform des Stadt- und Ortsbildschutz-Gesetzes (SOG) im Jahr 2003 wird dieses Gesetz seinem Namen nicht mehr gerecht, weil ihm bewusst die Zähne gezogen wurden“, erklärt Guggenberger, „denn ein Gebäude abzureißen ist nicht mehr bewilligungs-, sondern nur anzeigepflichtig. Theoretisch könnten daher binnen weniger Wochen ganze mittelalterliche und frühneuzeitliche Hauszeilen, beinahe die gesamte Koatlackn, dem Erdboden gleichgemacht werden.“ Je leichter Häuser abgerissen werden können, desto besser kann „nachverdichtet“ werden – wie es derzeit in der Riedgasse passiert. Innerhalb kürzester Zeit wurde ein riesiger Wohnblock hochgezogen, der nach Süden hin keine Fenster hat, da weitere Verdichtung vorgesehen ist. Diese Art zu bauen wirkt sich auch negativ auf die gegenüberliegenden Wohnhäuser aus: kein Ausblick mehr, nur noch Betonwände.

Vielschichtige Kritik

Kritik erntet neben der Bedienung des Bau-Spekulantentums auch die lieblose Bauweise der neuen Wohnblöcke: „Während alte Gebäude verschwinden und mit ihnen Menschengeschichten verloren gehen, lässt kaum ein Neubau die Handschrift eines guten Architekten erkennen, selbst der Wohnkomfort lässt – trotz der völlig überzogenen Preise – häufig zu wünschen übrig, da die Qualität des Neubaus dem Rechenstift und der Gewinnmaximierung zum Opfer fallen“, weiß Guggenberger. Das Ziel der Initiative: kein Baustopp, sondern behutsame Renovierung, Revitalisierung und ins Ortsbild integrierte Bauweise.

Gassenfest geplant

Am Samstag, 21.9., findet in der St. Nikolaus-Gasse Ecke Bäckerbühelgasse von 14 bis 22 Uhr das erste Gassenfest statt, das auf das Schwinden des historischen Kerns aufmerksam machen will. Es werden auch kostenlose Stadtteilführungen angeboten.

Autor:

Nilüfer Dag aus Innsbruck

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