Horror-Prognose für Mieter

Vizebgm. Kaufmann: "Situation ist prekär. Da gibt es nichts zu beschönigen."
  • Vizebgm. Kaufmann: "Situation ist prekär. Da gibt es nichts zu beschönigen."
  • hochgeladen von Stephan Gstraunthaler

Eines muss man der Neuen Heimat Tirol (NHT) lassen – sie reagierte prompt. NHT-Chef Klaus Lugger organisierte sofort nach Erscheinen des letztwöchigen STADTBLATT-Artikels über den "Preis-Horror am Lohbach" eine Mieterversammlung für das betroffene Objekt und informierte gemeinsam mit seinen Mitarbeitern über die Zusammensetzung der Mehrkosten, die sich in den vergangenen Jahren ergeben haben. So ausführlich und detailliert diese Auskunft auch war, so unbefriedigend muss sie für die betroffenen Mieter gewesen sein. Denn die Neue Heimat sieht keinerlei Spielraum, um die monatlichen Belastungen spürbar zu reduzieren – im Gegenteil. Auf die Frage, wie er die weitere Preisentwicklung einschätze, bestätigte Lugger, dass in den kommenden Jahren auch weiterhin mit Preissteigerungen zwischen acht und zehn Prozent zu rechnen ist – pro Jahr!

Knackpunkt: Förderung
"Hauptfaktor sind dabei die steigenden Kosten für die Rückzahlung der Wohnbauförderung. Allein im heurigen Jahr hätte dies 1,31 Euro pro Quadratmeter ausgemacht. Davon haben wir allerdings lediglich 0,71 Euro an unsere Mieter weiterverrechnet. Wir versuchen alles Mögliche, um die Kostenentwicklung im Rahmen zu halten", betont Lugger. Allerdings räumt auch der NHT-Chef ein, dass im angesprochnenen Objekt Franz-Baumann-Weg 13 die Kosten pro Quadratmeter seit dem Jahr 2000 um über 110 % gestiegen sind – von 4,14 Euro auf 8,73 Euro.

Tausende betroffen
Tatsache ist zudem, dass diese Entwicklung nicht nur auf die Objekte am Lohbach beschränkt ist. Dutzende Anrufer aus etlichen weiteren Wohnanlagen im Stadtgebiet meldeten sich vergangene Woche in der STADTBLATT-Redaktion und klagten über Wohnkostenexplosionen in ähnlichem Ausmaß – manche unter Tränen. "Wir wissen nicht mehr, wie wir das finanzieren sollen", war der einhellige Tenor.

Stadt sieht Land am Zug
Der zuständige Vizebürgermeister für Wohnungsfragen, Christoph Kaufmann, bestätigt im STADTBLATT-Gespräch die drastische Lage – Stadt und Land sind zu je 50 Prozent Eigentümer der NHT. "Da gibt es nichts zu beschönigen. Viele Menschen sind bereits jetzt am finanziellen Limit oder darüber. In erster Linie ist jetzt aber das Land Tirol gefordert, eine tiefgreifende Reform der Wohnbauförderung umzusetzen. Gerade für gemeinnützige Bauträger muss es ein neues Modell geben", ist Kaufmann überzeugt. Zugleich verspricht er aber auch, in seinem Einflussbereich alle kostensenkenden Maßnahmen eruieren zu wollen. Maßnahmen, die AK-Präsident Erwin Zangerl für überfällig hält. "Wir haben ein Zehn-Punkte-Programm erarbeitet, mit dessen Umsetzung wir eine Wende schaffen könnten. Die Neugestaltung der Wohnbauförderung sowie eine Neudefinition der Aufgaben der Gemeinnützigen gehören aber sofort angegangen. Wenn die Verantwortlichen nicht sofort handeln, droht eine Katastrophe", ist Zangerl überzeugt. Zudem verweist der AK-Chef darauf, dass die Gehaltssteigerungen bei den Arbeitern und Angestellten in den vergangenen Jahren nicht einmal annähernd so hoch waren wie die Entwicklung der Miet- und Betriebskosten.

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