Schließung Bürglkopf
Hungern für die Menschenwürde

Tina Bielowski letzten Donnerstag, dem 13. Juni
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Tina Bielowski – Geschäftsführerin der Innsbrucker Sozialdemokraten – ist seit dem 9. Juni im Hungerstreik (Anm.: bei Redaktionsschluss, Montag, 17. Juni).

Grund dafür ist Solidariät mit den hungerstreikenden Asylwerbern im sogenannten Rückkehrberatungszentrum am Bürglkopf in Fieberbrunn. „Die dort herrschenden Zustände sind ganz klar menschenunwürdig“, so Bielowski. „Die Hungerstreikenden im Rückkehrzentrum fordern einerseits die Schließung dieser Einrichtung und andererseits die nochmalige Überprüfung des Asylstatus. Wir, hier in Innsbruck, die vor dem Landesmuseum demonstrieren, fordern allein die Schließung des Rückkehrberatungszentrums und die anderweitige, menschenwürdige Unterbringung der Asylwerber“, stellt Bielowski richtig. „So wird hoffentlich klar, dass wir die Regierung nicht wegen des Asylstatus erpressen wollen, sondern für menschengerechte Unterbringung plädieren.“

Trauriger Lokalaugenschein

Die Alternative Liste Innsbruck hatte sich mit Landtagsabgeordneter Elisabeth Fleischanderl (SPÖ) und Georg Kaltschmid (Grüne) gemeinsam die „Rückkehrberatungseinrichtung“ angesehen und „präkere Zustände“ vorgefunden. Diese wurdenin einem offenen Brief im Namen von Onay, Fleischanderl und Kaltschmid näher erläutert. Die Rede ist von einer „erdrückenden Gesamtschau“, von unzureichender medizinischer wie psychologischer Versorgung und einem insgesamt „moralisch verwerflichen“ Umgang mit Menschenleben. Die Diagnosen würden von Depression über Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bis zu Asthma und ähnlichen Erkrankungen reichen. „Das Fatale an der Bundeseinrichtung: Sie befindet sich auf 1.250 Meter Seehöhe und ist in etwa 10 km vom Ortskern in Fieberbrunn entfernt. Um zu einem Arzt zu kommen oder überhaupt in die Zivilisation, ist ein Fußmarsch von ca. zweieinhalb Stunden nötig“, heißt es weiter. In der Einrichtung sind AsylwerberInnen mit negativem Bescheid, die laut dem Bundesministerium für Inneres „unschlüssig über eine freiwillige Rückkehr“ sind, Menschen ohne offizielle Dokumente und Staatenlose untergebracht, die auf ihre Abschiebung warten. Besonders bei den zwei Letzteren ist eine Abschiebung sehr schwierig. Betreiber des Rückkehrberatungszentrums ist eine Schweizer Sicherheitsfirma, die jährlich 1,4 Mio. Euro an der Einrichtung verdient – und schweigt. Die Bewohner der Einrichtung berichten von Spott und Zynismus der Betreiber gegenüber ihrer Situation. „Die meisten dieser Menschen können aus bestimmten Gründen eben schwer abgeschoben werden. Wenn sie irgendwo ein Zuhause hätten, würden sie nicht dort bleiben wollen. Niemand will dort oben bleiben“, so Bielowski.

Mehrere für Schließung

Für eine Schließung haben sich auf Landesebene bislang Grüne, Neos und SPÖ ausgesprochen. „Jetzt wären die christlich-sozialen Werte der ÖVP angebracht, doch von ihnen haben wir leider noch nichts gehört“, sagt Bielowski und schließt mit einem Appell an die Kommunalpolitik: „Ich lade die Kommunalpolitiker Innsbrucks dazu ein, vor das Landesmuseum zu kommen und sich über die Sache zu informieren.“ Vizebürgermeister Franz X. Gruber kann die Kritik nicht verstehen: "Das Bundesministerium ist hierfür zuständig, das ist keine kommunalpolitische Angelegenheit", erklärt er.

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