Bergsilvester
INNS'zenierung wird Politthema

Feuerwerk auf der Seegrube, Lichtshow am Inn, Jahreswechsel in Innsbruck
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INNSBRUCK. Die Organisatoren zeigen sich zufrieden, die Politik will eine Nachbesprechung und in den sozialen Medien wird scharfe Kritik geübt. Die INNS'zenierung beschäftigt auch nach dem Jahreswechsel die Gemüter.

Organisatoren zufrieden

Bernhard Vettorazzi vom Innsbruck Marketing: "Noch nie wurde eine solche Show auf einem Wildwasserfluss wie dem Inn umgesetzt. Auch die Kälte stellte eine besondere Herausforderung dar. Die Technik-Teams waren mit 300 Personen und insgesamt 2.000 Arbeitsstunden im Vorfeld und am Silvesterabend mit dem reibungslosen Ablauf des Bergsilvesters und der INNS'zenierung beschäftigt.“ Die Idee und Konzeption der spektakulären Show stammen aus der Feder der Firma Bartenbach aus Aldrans. Bürgermeister Georg Willi ist vom neuen Konzept überzeugt: "Die Begeisterung, die man während der Show im Publikum spürte, ist eine eindrucksvolle Bestätigung für den eingeschlagenen Weg von Stadt und Tourismusverband, das Innsbrucker Bergsilvester zu etwas weltweit Einzigartigem zu machen. Es freut mich, dass der Schritt, nach 25 Jahren auf das Feuerwerk in der Stadt zu verzichten und dafür neue, innovative Wege zu beschreiten, erfolgreich war. Für mich war es ein wirklich gelungener Start ins neue Jahr.“ "Innsbruck hat zu Silvester de facto eine Vollauslastung. Mit der INNS'zenierung, aber auch mit dem abwechslungsreichen Programm, das die Stadt rund um den Jahreswechsel bietet, machen wir Innsbruck so für Gäste zum beliebten Ziel für alpin-urbane Silvestertage“, so Karin Seiler-Lall, Geschäftsführerin von Innsbruck Tourismus, über die touristische Relevanz des Innsbrucker Bergsilvesters. Auch Vizebgm Franz X. Gruber, für Sicherheit, Veranstaltungen und Tourismus zuständig, zeigte sich zufrieden: "Es war schön zu sehen, wie gut die neue INNS'zenierung angenommen wurde, die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Die Kombination aus dem traditionellen Feuerwerk auf der Seegrube und dem neuen Programm am und mit dem Inn hat für jeden etwas dabei gehabt.“

Die INNS'zenierung in Zahlen

Rund 1.200 schwimmende Pontons bildeten den schwimmenden Steg mit einer Länge von ca. 200 Metern. 80 Pumpen wurden auf dem im Inn schwimmenden Steg aus Pontons installiert, die Fontänenhöhe betrug bis zu 70 Meter. Ca. 300 Personen waren im Vorfeld und am Silvesterabend für das Bergsilvester Innsbruck im Einsatz und leisteten insgesamt etwa 2.000 Arbeitsstunden.

Enttäuschende INNS'zenierung

Gemeindepolitiker zeigen sich stattdessen von der INN`S'zenierung schwer enttäuscht. "Von einem großen, angekündigten Spektakel waren wir weit entfernt. Die INNS'zenierung blieb weit unter meinen Erwartungen. Es war sehr enttäuschend, was hier um eine halbe Mio. Euro geboten wurde“, zeigt sich die NEOS GRin Julia Seidl enttäuscht über die abgelieferte Leistung. Benjamin Plach von der SPÖ meinte in den sozialen Medien: "Also ich war von der Lasershow gestern nicht wirklich beeindruckt. Das Konzept mit einer Lichtshow statt dem Feuerwerk find ich super, aber die Inszenierung war einfach lieblos und in der 3. Reihe am Innufer hat man den Großteil der Show nicht mal mehr gesehen, auch der musikalische Rahmen ließ nicht wirklich Stimmung aufkommen. Fazit: Das geht viel besser, vor allem um das Geld." Gerald Depaoli vom Gerechten Innsbruck hat bereits vor der Veranstaltung eine Anfrage im Innsbrucker Gemeinderat eingebracht. Der Vater des Bergsilvesters, FPÖ Stadtrat Rudi Federspiel zeigt, sich enttäuscht und erzürnt. "Nach einer großartigen Ankündigung folgt eine bittere Enttäuschung. Das 500.000-Euro-Projekt war weder für Touristen noch für Einheimische ein Höhepunkt und einmal mehr ein städtisches Desaster." Auch in den sozialen Medien sind zahlreiche Berichte zur INNS'zenierung zu finden. Während Besucher in den ersten Reihen noch durchaus zufrieden waren, gab es vor allem Kritik an der mangelnden Sicht auf das Geschehen sowie dem dichten Gedränge.

INNS'zenierung zum Jahreswechsel sorgt für Diskussionen
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Ohne Ausschreibung

"Es braucht eine schonungslos ehrliche Nachbearbeitung des ganzen Projekts. Zuerst wird nicht ausgeschrieben, obwohl man hätte müssen, und dann bekommen wir auch noch eine derart schlechte Leistung! Das kann nicht ohne Konsequenzen bleiben,“ fordert Seidl eine Nachbearbeitung des ganzen Projekts. Ins gleiche Horn stößt auch Gerald Depaoli: "Offensichtlich hat Bürgermeister Georg Willi aus den Lehren der Sondersitzung zur neuen Patscherkofelbahn, welche laut dem externen Kontrollbericht (Dr. Schöpf) nicht EU-konform ausgeschrieben wurde, nichts dazugelernt und den Auftrag für die Lichtshow ohne dementsprechende Ausschreibung vergeben!“, kritisiert Depaoli, welcher gespannt ist, wie der Bürgermeister seine diesbezügliche Handlungsweise im Rahmen der Anfragebeantwortung rechtlich begründen will. Rudi Federspiel sieht in der misslungenen INNS'zenierung eine Fortsetzung der Innsbrucker Fehlschläge. "Gut gemeint ist in der Stadtpolitik zu wenig, nach dem Patscherkofeldesaster setzen Willi und Co gleich zum Jahresanfang einfach mal eine halbe Million in den Sand bzw. ins Wasser." Der ehemalige Tourismusstadtrat fordert ebenfalls eine lückenlose Aufklärung über den Projektablauf.

Kritik im Vorfeld

1994 wurde das Bergsilvester ins Leben gerufen und hat sich zu einem der größten winterlichen Highlights entwickelt. Karin Seiler-Lall, Chefin des Tourismusverbandes, über das Projekt INNS'zenierung: "Wir sind seit einem Jahr in Planung für das neue Programm und haben uns gedacht, warum nicht aus dem Nachteil – der Nebel vereitelt öfters die Sicht auf das Feuerwerk – einen Vorteil machen? Die Show bindet den Inn als große Bühne ein und es wird ein Spektakel aus Wasser, Licht, Nebel und Klängen geboten." Dafür nimmt der TVB nun viermal so viel Geld in die Hand wie noch letztes Jahr und zahlt heuer 200.000 Euro für das neue Spektakel. Die Stadt Innsbruck steuert diesmal 100.000 Euro mehr bei und kommt so auf insgesamt 500.000 Euro. Für das Kostenvolumen wäre eine Ausschreibung nötig gewesen. Aus zeitlichen Gründen sei diese aber nicht gemacht worden. Als Generalunternehmer vertraut das Innsbrucker Stadtmarketing der Firma Bartenbach, diese sicherte sich wiederum die Dienste des Hamburger Unternehmens Bocatec.

Unmut über Abwicklung

Bereits 1998 sorgte der Tiroler Künstler Gebi Schatz mit seinem Projekt "Feuerberge Tirol" mit einer Wasser- und Feuershow im Inn in Zusammenarbeit mit der Innsbrucker Feuerwehr für Aufsehen. Jetzt zeigt sich der Künstler hinsichtlich der Vorgangsweise für das neue Projekt unzufrieden. "Die jahrelange Diskussion hätte durchaus genutzt werden können, um neue Ideen gemeinsam mit ortsansässigen Künstlern und Eventagenturen zu entwickeln", meint Schatz: "Jetzt entsteht wieder einmal der Eindruck eines unzureichend kommunizierten und vorbereiteten Projekts." Schatz wünscht sich die rasche Einberufung einer Arbeitsgruppe, die das Silvesterprojekt 2020 transparent und mit regionalen Akzenten vorbereitet. Statt des Hamburger Unternehmens wäre auch ein österreichisches Unternehmen eine Alternative gewesen. So hat beispielsweise das Wiener Unternehmen Consortium Eventtechnik, ein weltweit agierender Wassershowspezialist, bereits 2018 Kontakt mit der Stadt Innsbruck aufgenommen und am 23. März 2019 ein umfangreiches Konzept für eine Wassershow übermittelt. Die Wiener durften sich im Übrigen über eine Auszeichnung für ihre letztjährige Wasser- und Lasershow in Graz freuen.

Fragen beim Zeitplan

Bereits im Dezember 2016 hat die Stadtregierung entschieden, auf ein Feuerwerk im Rahmen des Jahreswechsels zu verzichten. Die TVB-Chefin spricht bei der INNS'zenierung 2019 von einem Jahr Planungszeit. Im März 2019 gab es einen Ideenfindungsworkshop, bei dem die Zusammenarbeit zwischen Stadtmarketing und der Firma Bartenbach fixiert wurde. Im Juli gab es Kostenschätzungen und Angebote heimischer Unternehmer. Ebenso gab es Ende Juli ein Angebot der deutschen Firma Bocatec. Im August wurden die Angebote nachgebessert und der TVB über Budgetüberschreitungen informiert. Ende September wurde die Firma Bocatec beauftragt. Dazwischen lagen Variantenangebote, Pauschalangebote sowie Angebote ohne Audio, um im Budgetrahmen zu bleiben. Ideen und Konzepte wurden auch von heimischen Unternehmen vorgelegt. Der Ablauf wird von allen gleich geschildert: Konzeptvorlage, Zusage und dann die Absage aus wirtschaftlichen Gründen. Der Innsbrucker Gemeinderat wird sich aufgrund der Anfragen noch ausführlich mit dem Thema INNS'zenierung befassen.

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Autor:

Georg Herrmann aus Innsbruck

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