Machtlos gegen die gefährliche Knallerei

Laut, gefährlich, sinnlos: Jedes Jahr sorgen die Silvesterböller für Ärger und Schwerverletzte – dennoch werden sie nicht verboten.
  • Laut, gefährlich, sinnlos: Jedes Jahr sorgen die Silvesterböller für Ärger und Schwerverletzte – dennoch werden sie nicht verboten.
  • hochgeladen von Stephan Gstraunthaler

Eine Mehrheit im Gemeinderat würde den Verkauf von Böllern gern verbieten. Aber der Bund ist zuständig.

Häufig äußert sich Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler nicht zu politischen Fragen. In Sachen Verkaufsverbot von Feuerwerkskörpern an Private lässt er seine persönliche Meinung aber zumindest durchklingen: "Man muss sich schon die Frage stellen, ob das Vergnügen, ein paar Böller abzufeuern, so groß ist, dass die negativen Folgen – also Lärmbelästigung und Verletzungen – dadurch zu rechtfertigen sind." Seine Beamten sind es, die alljährlich rund um Silvester die Einhaltung des Pyrotechnikgesetzes überwachen müssen. Und dieses ist – was Innsbruck betrifft – klar und unmissverständlich: Innerhalb des Stadtgebietes ist das Abfeuern verboten. Das gilt für Raketen ebenso wie für Böller. Der Verkauf und der Besitz von solchen Sprengkörpern ist aber legal – zum Leidwesen vieler.

Mehrere Schwerverletzte

In der Silvesternacht 2013/14 war es in Innsbruck wieder zu zahlreichen Unfällen mit derartigen Krachern gekommen. Mehrere Menschen verloren durch den Gebrauch solcher Sprengmittel Teile ihrer Gliedmaßen. In den Wochen danach befasste sich der Gemeinderat intensiv mit der Frage, ob die Stadt dem Verkauf von Pyrotechnik an Private einen Riegel vorschieben kann und musste kapitulieren. Denn ein Verkaufsverbot kann nur durch die Bundesregierung per Gesetz verordnet werden. "Das ist eine politische Entscheidung. Die Exekutive kann nur die bestehenden Gesetze durchsetzen", betont auch Stadtpolizeichef Kirchler.

Thema im Gemeinderat

Nach Rückfrage des STADTBLATTes betonten mehrere Fraktionen, dieses Thema noch vor Silvester erneut auf die Tagesordnung des Gemeinderates bringen zu wollen. Einerseits soll geprüft werden, welche Möglichkeiten die Stadt hat, noch schärfere Kontrollen zu veranlassen. Andererseits wird auch überlegt, einen Appell an das zuständige Ministerium zu richten, den Verkauf an Privatpersonen gänzlich zu verbieten.

Eine Million Euro

Für den Handel sind die Feuerwerkskörper jedenfalls kein großes Geschäft. Schätzungsweise eine Million Euro werden laut WKO in Tirol jährlich durch den Verkauf von Pyrotechnik umgesetzt. Wie hoch der daraus erzielte Gewinn daraus ist, bleibt fraglich.

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