Gutachten wegen Kostensteigerung
Mehrkosten bei Trinkwasserstollen Mühlau
- Die Kosten für den Ausbau und die Sanierung der Mühlauer Quelle betragen 43 Millionen Euro.
- Foto: IKB
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Der Ausbau und die Sanierung der Mühlauer Quelle sind ein Jahrhundertprojekt der Innsbrucker Kommunalbetriebe. Beim Projektstart im Jahr 2022 waren die Projektkosten mit 25,9 Millionen Euro prognostiziert, jetzt liegen sie bei 43 Millionen Euro. Ein externes Gutachten hat sich mit der Kostensteigerung beschäftigt.
INNSBRUCK. Mit Ende dieses Jahres werden die dringend nötige Sanierung der mehr als 70 Jahre alten Bestandsanlage und der Bau des neuen Quellstollens abgeschlossen sein. Die durchgeführten Arbeiten sollen die verlässliche Trinkwasserversorgung Innsbrucks sichern. "Das ist ein technisch höchst komplexes Verfahren, für das viel Spezialwissen nötig ist. Die Quellen und das Gestein werden seit langem beobachtet, damit wir nun behutsam einen neuen Wasserweg bahnen können“, erklärte IKB-Vorstandsmitglied Thomas Pühringer bei der Projektpräsentation im März 2022. Zeitgleich wird die bestehende Anlage saniert.
- Die Hauptarbeiten sollen mit Ende 2024 abgeschlossen sein.
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Trinkwasserversorgung
Mehr als 90 Prozent aller Innsbrucker Haushalte werden mit Trinkwasser aus der Mühlauer Quelle versorgt. Bevor das Quellwasser völlig naturbelassen in die Haushalte transportiert wird, sickert es mehr als zehn Jahre durch das Gestein der Nordkette und wird mit Mineralien angereichert. "Unsere Quellen sind ein wirklich kostbares Gut. Sie ermöglichen uns, ganz Innsbruck zu hundert Prozent mit naturbelassenem Trinkwasser zu versorgen. Das können nicht viele Städte von sich behaupten. Daher ist es uns besonders wichtig, die Quellen zu schützen und die Anlagen laufend zu kontrollieren, instand zu halten und bei Bedarf zu erweitern", betonte IKB-Vorstandsvorsitzender Helmuth Müller im März 2022. Für die Arbeiten wurden Projektkosten von 25,9 Millionen Euro prognostiziert. Inzwischen betragen die Kosten für das Projekt rund 43 Millionen Euro. Ein von der IKB beauftragtes externes Gutachten bestätigt nun die Vorgehensweise und die Kostenentwicklung.
Wichtige Investition
Die Investition von 43 Millionen Euro war dringend nötig, um die Trinkwasserversorgung der gesamten Stadt langfristig sicherzustellen. Die prognostizierten Projektkosten betrugen beim Baustart 25,9 Millionen Euro und stiegen im Laufe der Bauzeit aufgrund folgender Faktoren auf 43 Millionen Euro an:
Veränderte geologische Bedingungen: Das Projekt wurde von Beginn an von externen Geologinnen und Geologen begleitet. Im Laufe der Hauptarbeiten erkannten diese, dass das angetroffene Gestein massiv von der prognostizierten Geologie abwich. Das verdeutlichte, wie komplex die Arbeiten in einem vielschichtigen Berg wie der Nordkette sind und wie wenig sich die Bedingungen auch von den Expertinnen und Experten im Detail prognostizieren lassen.
Der neue Sach- und Wissensstand erforderte einen deutlich höheren Materialeinsatz, um die Standsicherheit des Stollenvortriebes zu gewährleisten, und deutlich mehr Bauzeit. Zudem wurden mehr Erkundungsbohrungen nötig. Außerdem führte der anfangs unerwartet hohe Wasserzutritt dazu, dass die Bewilligungsbehörde den Vortrieb zwischenzeitlich einstellte und Projektergänzungen forderte, was sich zusätzlich auf die Kosten auswirkte.
- Dadurch bedingte längere Bauzeit: Auch die durch die natürlichen geologischen Bedingungen verlängerte Bauzeit erhöhte die Kosten.
- Inflation: steigende Kosten für Arbeit und Material: Die generelle starke Teuerung genau in der Bauphase wirkte sich ebenso auf die Kosten der Bauarbeiten aus.
- Versorgungssicherheit, Umweltauflagen und Genehmigungsverfahren: Die sichere Versorgung der Innsbrucker Bevölkerung mit erstklassigem Trinkwasser rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, der Naturpark Karwendel und der Schutz des Naturraumes, der Quellen und Gewässer standen immer im Vordergrund. Aufgrund der veränderten geologischen Bedingungen waren neue Genehmigungen nötig und die Vortriebsarbeiten mussten pausieren. Auch die angewandte Technik änderte sich aufgrund der neuen Gegebenheiten und Auflagen stets entsprechend dem Stand der Technik.
Um diesen Kostenanstieg extern analysieren zu lassen, beauftragte die IKB die Firmen Geotechnik und Tunnelbau Ziviltechniker Gesellschaft m.b.H. (IGT) aus Salzburg und 3G Gruppe Geotechnik Graz ZT GmbH. Das Gutachten bestätigte, dass:
- das Projekt Mühlauer Quelle vor großen Herausforderungen stand und sich trotz aller Schwierigkeiten sehr dynamisch und positiv entwickelte.
- sich die Kosten in einem plausiblen Bereich bewegen, die Kostenhöhe nachvollziehbar ist und unter den gegebenen Umständen keine unnötigen Kosten produziert wurden.
- die vorhandene Bauzeit und die entstandene Bauzeitverlängerung aufgrund der geänderten Randbedingungen als plausibel zu betrachten ist und folglich auch die Höhe der daraus entstandenen Kosten.
- die Projektbearbeitung und Projektabwicklung mit großer Sorgfalt und auf einem hohen Detaillierungsgrad erfolgten und dass die Projektbeteiligten auf die permanenten Projektänderungen und Planänderungen rasch reagierten und somit erheblich zum Projektabschluss und -erfolg beitrugen. Demzufolge wurden keine weiteren Kosten und Bauzeiten generiert.
- sämtliche Projektziele erreicht wurden – wie etwa die Verhinderung der Trübungen, die Sicherung des zukünftigen Trinkwasserbedarfs und die Sicherung der Notwasser- und Ersatzwasserversorgung Innsbrucks.
Die bestellten Gutachter bestätigten, dass die Grundsätze der Sparsamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit in einer angemessenen und dynamischen Projektentwicklung eingehalten wurden. Letztendlich wurden alle Projektziele erreicht, sodass das Projekt innerhalb der neu gesetzten Rahmenbedingungen abgeschlossen werden kann.
- Präsentation des Projekts im März 2022: Bgm. Georg Willi, IKB-Vorstandsvorsitzender Helmuth Müller, Vizebgm. Johannes Anzengruber, IKB-Geschäftsbereichsleiter Wasser Robert Gschleiner, IKB-Vorstandsdirektor Thomas Pühringer und Projektleiter Reinhold Gruber
- Foto: MeinBezirk
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Warum wurde die Mühlauer Quelle saniert und erweitert?
Die bestehende Quellanlage war bereits mehr als 70 Jahre alt und sanierungsbedürftig. Durch einen neuen Umgehungsstollen fließt das Wasser nun nicht mehr durch Abschnitte, in denen es zu Trübungen kommen könnte. Weiters wurde die Versorgungssicherheit bei Notfällen erhöht. Um den Trinkwasserbedarf von Innsbruck langfristig zu sichern, war auch ein weiterer Stollen nötig: 350 Liter pro Sekunde zusätzliches Trinkwasser können ab Mitte Dezember an die Innsbrucker Haushalte und Betriebe fließen. Mit diesem Wasser kann zudem die Stromproduktion in zwei IKB-Wasserkraftwerken um insgesamt rund 11,7 Gigawattstunden pro Jahr gesteigert werden. 2025 werden Restarbeiten stattfinden. Damit wird die Trinkwasserversorgung der fünftgrößten Stadt Österreichs für die nächsten Generationen gesichert sein, betonen die IKB in einer Aussendung.
Zahlen und Fakten
· Hauptbauarbeiten: 2022 bis Ende 2024
· Projektkosten: 43 Millionen Euro
· Zusätzlich erschlossenes Wasser: 350 Liter pro Sekunde
· Gesamte Länge des erweiterten Stollensystems: mehr als 2.900 Meter
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