Tod in Tirol – mit Umfrage
Naturbestattung in Tirol fast unmöglich

20 Gramm Asche (links) darf man behalten, 3-4 Kilo bleiben nach der Einäscherung von einem Menschen übrig. Bestatterin Christine Pernlochner-Kügler spricht sich dafür aus, dass Naturbestattungen auch in Tirol vereinfacht werden.
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  • 20 Gramm Asche (links) darf man behalten, 3-4 Kilo bleiben nach der Einäscherung von einem Menschen übrig. Bestatterin Christine Pernlochner-Kügler spricht sich dafür aus, dass Naturbestattungen auch in Tirol vereinfacht werden.
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Wer die Asche eines Verstorbenen auf eigene Faust verstreut, dem droht eine Strafe von 36.000 Euro.

TIROL. Tirol ist besonders streng. Was in anderen Bundesländern mittlerweile gang und gäbe ist – Naturbestattungen in Waldgebieten – wurde in Tirol erst kürzlich so gut wie unmöglich gemacht. Die gesetzliche Lage ist derart kompliziert, dass in Tirol lediglich die Gemeinde Kundl Naturbestattungen im "Wald der Ewigkeit" anbietet. Wer sich nicht an das Gesetz hält und die Asche eines Menschen in der Natur verstreut, begeht eine Verwaltungsübertretung, die mit einer Geldstrafe von bis zu 36.000 Euro geahndet wird. Wie das Land Tirol erklärt: Das Gemeindesanitätsdienstgesetz – welches auch Bestattungen reglementiert – stammt aus dem Jahr 1952, die Strafhöhen wurden lange nicht entsprechend angepasst. 2018 kam die Novelle und auch die neuen Strafsätze.

Für Bestatterin Christine Pernlochner-Kügler (I. Neumair Bestattung und mehr) ist diese Vorgangsweise ein echter Rückschritt. Sie ist seit 15 Jahren Bestatterin in Innsbruck und kämpft seit zirka 10 Jahren dafür, dass Naturbestattungen Einzug in die Bestattungskultur Tirols halten. "Die Nachfrage ist groß", erklärt sie, "aber wenn die KundInnen hören, wie die gesetzliche Regelung aussieht, geben sie sich mit 20 Gramm Asche zufrieden." Das ist die gesetzlich erlaubte Menge, die von der Asche eines Toten entnommen werden kann.

Bisher sind Naturbestattungen in Tirol kaum möglich – lediglich in Kundl gibt es einen Wald, in dem das möglich ist. Viele Trauernde weichen nach Salzburg ins "paxnatura" aus, um den letzten Willen ihrer Verstorbenen nachzukommen.
  • Bisher sind Naturbestattungen in Tirol kaum möglich – lediglich in Kundl gibt es einen Wald, in dem das möglich ist. Viele Trauernde weichen nach Salzburg ins "paxnatura" aus, um den letzten Willen ihrer Verstorbenen nachzukommen.
  • Foto: Paxnatura
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Pläne in Innsbruck

In Innsbruck gibt es schon Pläne, am Ostfriedhof die Naturbestattung möglich zu machen. Diese sind aber noch alles andere als fix. Wie Friedhofsleiter Alexander Legniti sagt: "Seit langem wollen wir etwas in dieser Richtung umsetzen. Zum Schluss ist es aber eine finanzielle Frage."
Jene KundInnen, die sich mit Friedhöfen, Gräbern und Urnenschächten als letzte Ruhestätte nicht zufrieden geben, werden indes immer mehr, wie Pernlochner-Kügler und Legniti auch bestätigen. Verwandte sind oft gezwungen, in die Schweiz – wo die Regelung sehr liberal ist – oder nach Salzburg – wo sich der Waldfriedhof "paxnatura" befindet – zu fahren, um die Asche nach dem Wunsch des Verstorbenen naturnah beizusetzen. Trotz ersten Öffnungen bei verschiedenen Konferenzen ist auch die Kirche gegen Naturbestattungen. Wie Bischof Hermann Glettler erklärt: "Die Form der Bestattung kann nicht beliebig sein – sie muss in jedem Fall Liebe und Wertschätzung vermitteln. Die Erdbestattung hat eine tiefe Symbolik: Der sterbliche Leichnam wird der Erde zurückgegeben. Die Seele jedoch geht heim zu Gott."
Für Pernlochner-Kügler wiederum ist die aktuelle Regelung rigide und bevormundend: "Es bräuchte zumindest eine Kompromisslösung", sagt sie abschließend.

Autor:

Agnes Czingulszki (acz) aus Innsbruck

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