Straßenwerbung
"Nein Danke" oder die Schwierigkeiten beim Umgang mit "Dialogern"

Face2Face-Fundraising und  Dialoger sind in Innsbruck wieder anzutreffen.
  • Face2Face-Fundraising und Dialoger sind in Innsbruck wieder anzutreffen.
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  • hochgeladen von Georg Herrmann

INNSBRUCK. Sie tragen Shirts oder Jacken in kräftigen Farben auf denen das Logo oder der Schriftzug von NGOs ("Non-governmental organisations", darunter versteht man unabhängige, nichtstaatliche Organisationen, die keine Gewinnziele verfolgen) groß zu sehen ist. Sie tragen durchsichtige MNS-Masken und sie stellen sich in den Weg. Die "Dialoger" sind wieder vermehrt in der Stadt.

Straßenwerbung

Face2Face-Fundraising und  Dialoger lautet die Bezeichnung in der unternehmerischen Marketingsprache, Straßenpromoter oder Straßenkeiler wird am Stammtisch gesagt. Unangebrachtes Verhalten und fehlender Respekt von manchen Promotern gegenüber den Passanten wird immer wieder als Problem geäußert. Die F2F-Fundraising-Methode steht vehement unter Kritik, ist aber seit Jahrzehnten in Österreich anzutreffen. Einige gemeinnützigen Vereine haben das Spendensammeln und die Unterschriftensammlung für Beitrittserklärungen mit monatlichen Abbuchern an professionelle Agenturen ausgelagert. Mit Prämiensystemen soll diese Arbeit dem Dialoger schmackhaft gemacht werden. Die Bonussysteme sind dabei meist sehr kompliziert. So richtet sich das Prämiensystem einer Agentur nach Alter der Spender, Häufigkeit und Spendenbetrag. Bei vier bis fünf Spendenverträge täglich würde sich ein monatlicher Verdienst von rund 2.000 Euro netto ergeben.

Glaubwürdigkeit

Viele Passanten zeigen sich von den "Dialogern" genervt und vor allem überrumpelt. Manche Straßen werden bewusst gemieden oder die Straßenseite wird gewechselt, wenn die Stände von Hilfsorganisationen oder anderen NGO-Organisationen sichtbar sind. Die Agenturen suchen vor allem junge Dialoger als Mitarbeiter: "Du bist Dynamisch und hast den Drang Etwas zu verändern? Dann passt du genau in unser Team! Boni in 30 Tage!!! Erhebe deine Stimme für Umweltschutz, Entwicklungshilfe und Menschenrechte!" ist beispielsweise auf einer Agenturseite zu lesen. Die "Straßenkeiler" versuchen die Passanten im Dialog davon zu überzeugen, einen Langzeitspendenvertrag mit einer Hilfsorganisation abzuschließen, also jeden Monat einen festen Betrag an die Organisation zu spenden. Was vielen Passanten nicht bewusst ist: Die "Dialoger" sind meistens nicht direkt bei der Hilfsorganisation angestellt, sondern bei einer Agentur. Diese vermittelt die Spendensammler an die verschiedenen Hilfsorganisationen. Die Unterstützung durch Agenturen ist im Face2Face-Fundraising eine gängige Praxis.

Image Problem

Bei Umgang mit dem Passanten wäre es eigentlich üblich: "Dass man sich nicht frontal Passanten in den Weg stellt, sondern die Passanten höflich von der Seite anspricht. Oder dass man die Passanten auch nicht über eine längere Strecke begleitet." Bei manchen Dialogern aber eher ein Wunschdenken. Die Reaktionen der Passanten sind dementsprechend, das Image der auf dem Shirt oder Jacke dargestellten NGO angeschlagen. Auch die Überlegung, dass die Teamleiter die Einhaltung der Regeln bei allen "Dialoger" kontrollieren, ist unter dem Druck der Geldbeschaffung eher selten anzutreffen. Wirtschaftliches Risiko tragen die NGOs aber keines, der Verein zahlt nur, wenn gespendet wird. Das macht die Sache für gemeinnützige Vereine lukrativ. Der Erfolgsdruck liegt auf den Agenturen, die den oft an ihre Arbeitnehmer weitergeben.

Rücktrittsrecht

Während die Dialoger ihre "Jagd nach der Unterschrift" fortsetzen, bleibt den Passanten nur die Möglichkeit dankend abzuwinken. Auch wenn die Dialoger in der Museumstraße, am Franziskanerplatz und vor der Annasäule warten und sich in den Weg stellen. Boshafte oder gehässige Kommentare sollten vermieden werden, auf eventuell hämische Bemerkungen eines enttäuschten Dialogers am besten nicht weiter eingehen. Entsprechend dem Konsumentenschutzgesetz besteht auch ein Rücktrittsrecht vom Vertrag. Eine weitere Möglichkeit für die Zukunft wäre die Festlegung einer Höchstzahl von Face2Face-Fundraising-Aktionen durch die Innsbrucker Politik.

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