Recyclinghof
Politstreit um Recyclingmöglichkeiten

Öffnungszeiten beim Recyclinghof werden angepasst, Recyclinghof West wohl nicht mehr aktuell.
  • Öffnungszeiten beim Recyclinghof werden angepasst, Recyclinghof West wohl nicht mehr aktuell.
  • Foto: IKB
  • hochgeladen von Georg Herrmann

INNSBRUCK. Die Idee eines Recyclinghof im Westen schlägt politische Wellen, das Projekt scheint aber auf dem Abstellgleis zu sein.

Vorfreude

Noch vor zwei Wochen meldete sich der SPÖ-Gemeinderat Helmut Buchacher mit Freude zu Wort: "Der Bürgermeister hat die IKB dazu veranlasst, die Öffnungszeiten im Recyclinghof auszuweiten“ und meinte weiter: "Darüber hinaus werden nun mögliche Optionen für den Westen ausgelotet. Buchacher erklärt: Die Stadt kann entweder auf eigenem Grund eine zweite Entsorgungsstelle im Westen errichten oder ein Bundesgrundstück dafür erwerben oder man verhandelt mit den im Westen angrenzenden Nachbargemeinden über eine Versorgung der westlichen Stadtteile.“

Nachhaltigkeit

Buchacher will den Optionen im Moment nicht vorgreifen oder eine voreilige Bewertung abgeben. Er schließt mit folgenden Worten: „Die für Innsbruck beste und nachhaltigste Lösung werde ich unterstützen. Auf jeden Fall ist es gut, dass der Stein endlich ins Rollen gebracht wurde.“ Die SPÖ fordert, wie auch die ÖVP und die FPÖ, seit langen einen zweiten Recyclinghof. Dem erteilt Bürgermeister Georg Willi nun eine Absage. "Die Option wäre zwar noch nicht vom Tisch, geplant ist aber nichts", wird Willi zitiert. Dementsprechend gibt es entsprechende Politreaktionen. 

Unterstützung

Für Innsbruck Klubbobmann GR Lucas Krackl unterstützt die Optimierungen in der Rossau. Sowohl die Ausdehnung der Öffnungszeiten als auch die Erweiterung der Zufahrtsmöglichkeit seien dringlich und stellten stets eine Forderung von Für Innsbruck dar. Eine Ergänzung des bisherigen Recyclingkonzeptes um einen mobilen Recyclinghof würde viele Verbesserungen für die Menschen in den Stadtteilen und auch die Umwelt bringen. „Wir sind in der glücklichen Lage über einen hervorragenden Recyclinghof in der Rossau zu verfügen. Damit das Kundenaufkommen noch besser bewältigt werden kann, haben wir schon vor einiger Zeit vorgeschlagen, die Öffnungszeiten massiv auszudehnen und im zweiten Schritt die Zufahrten baulich zu verbessern. Wie es scheint, sind wir hier nun auf einem gemeinsamen und richtigen Weg“, so Krackl anlässlich der aktuellen Diskussion um Innsbrucks Recyclingwesen. 

Mobiler Recyclinghof

Vielen Innsbruckerinnen und Innsbruckern ist die Möglichkeit, Sperrmüll zwei Mal pro Jahr von der eigenen Liegenschaft/Wohnanlage abholen zu lassen, nicht bekannt. Oft passen diese Termine auch nicht mit den Anforderungen der Bürger zusammen. Für Innsbruck schlägt daher einen mobilen Recyclinghof für die Landeshauptstadt vor. Bei der Problemstoffsammlung funktioniert ein ähnliches Modell bereits seit einigen Jahren. „Es ist an der Zeit über Verbesserungen sowie neue und kundenfreundliche Ansätze nachzudenken. Hier sind sowohl die Politik aber vor allem auch die Experten der IKB gefordert", so Krackl. "Ich schlage daher vor, dass eine mobiler Recyclinghof in den Stadtteilen Sperrmüll und andere Müllsorten, die nicht in den Haushaltsmüll gehören, entgegennimmt. Weniger Verkehr durch reduzierte private Mülltransporte, weniger Zeitverbrauch durch Müllabgabe im eigenen Stadtteil und insgesamt mehr Service für die Innsbrucker – das sind wesentliche Argumente für ein derartiges Angebot. Vor allem Menschen ohne Auto hätten dann eine leichtere Möglichkeit Sperrmüll öfter als zwei Mal im Jahr zu entsorgen. Das wäre wohl eine nachhaltige, ökologische und vor allem bürgerfreundliche Lösung“, schließt Krackl.

Koalitionsbruch

GR Gerald Depaoli sieht die ablehnende Haltung als Bewährungsprobe der Stadtkoalition: „Die Absage von Georg Willi für den Neubau eines Recyclinghofes im Westen der Stadt ist nichts anderes als ein Koalitionsbruch!“ Depaoli zitiert dabei das Arbeitsübereinkommen 2018-2024 der Innsbrucker Stadtkoalition, Seite 29: „´Wir suchen mit Nachdruck gemeinsam mit den Umlandgemeinden nach einem Standort und wollen die Umsetzung eines zweiten Recyclinghofes im Westen der Stadt", und meint weiter: "Wenn Georg Willi jetzt im Alleingang einem Neubau eines Recyclinghofes im Westen der Stadt eine Abfuhr erteilt, und ebenso im Alleingang irgendwelche Pläne zur Optimierung des Standortes in der Rossau präsentiert, so handelt es sich dabei schlichtweg um einen Koalitionsbruch, und man darf gespannt sein, ob die Koalitionspartner FÜR INNSBRUCK, ÖVP und SPÖ selbigen tatenlos hinnehmen werden , oder ob sie endlich den Mut haben die dauernden Alleingänge des Bürgermeisters mit der Aufkündigung der zerstrittenen Stadtregierung zu beenden.“ Der Gemeinderat vom Gerechten Innsbruck abschließend: "Der Neubau eines Recyclinghofes im Westen der Stadt, den auch das Gerechte Innsbruck mittlerweile seit Jahren gebetsmühlenartig einfordert, ist ein längst überfälliges Infrastrukturprojekt für die Bewohnerinnen und Bewohner im Westen der Stadt, welches auch dringend benötigte Arbeitsplätze schafft. Der Neubau eines Recyclinghofes im Westen der Stadt würde auch den Verkehr entlasten, und somit auch wesentlich zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen.“

Kooperationen

„Tagtäglicher Mülltransit“, so beschreibt die Innsbrucker FPÖ-Stadträtin Andrea Dengg die Situation bzgl. den Anfahrten in den Innsbrucker Recyclinghof in der Innsbrucker Rossau. „Die Wartezeiten, trotz längerer Öffnungszeiten sind enorm, und die Fahrten von den westlichen Stadtteilen zum Recyclinghof in der Rossau sorgen für massives Verkehrsaufkommen in der Stadt“, beschreibt Dengg weiter. Sie verweist auf das Begehren des grünen Bürgermeister Georg Willi mit den Nachbargemeinden Gespräche zu führen. „Der Recyclinghof in Aldrans soll – laut Willi - für die Bewohner von Igls und Vill zur Verfügung stehen, und die Kooperation mit Völs soll für die Bewohner von Mentlberg, Sieglanger, Kranebitten, Allerheiligen und Höttinger Au garantieren, dass sie diesen nutzen dürfen“, beschreibt die FPÖ-Stadträtin „Falls die Gespräche mit den Nachbarbürgermeister scheitern sollten, dann bleibt nichts anderes übrig als, dass Willi endlich der Empfehlung der Innsbrucker Kommunalbetriebe AG (IKB) nachkommt, dass ein zweiter Recyclinghof im Westen der Stadt rasch errichtet wird.“

Unzureichend

„Für uns ist die Absage für den zweiten Recyclinghof im Westen der Stadt noch lange nicht durch. Nur den Standort in der Rossau zu optimieren bzw. auszubauen ist für uns definitiv zu wenig. Das bedeutet, dass noch mehr Leute quer durch die Stadt fahren werden um ihren Abfall zu entsorgen. Dass dieser Vorschlag von den Grünen kommt, die doch immer so gegen den Individualverkehr sind, verwundert sehr. Die Grünen unternehmen seit Jahren doch alles, damit die Leute ja nicht mit dem Auto in die Stadt Einkaufen fahren, aber den Müll quer durch die Stadt zu kutschieren ist für sie anscheinend absolut ok. Das ist doch absurd, das kann doch bitte nicht die endgültige Lösung sein“, zeigt sich heute VBM Johannes Anzengruber über die Aussagen von Bgm. Georg Willi stark verärgert. „Sowohl die IKB als auch die breite Bevölkerung befürworten einen zweiten westlich gelegenen Recyclinghof. Es gibt auch eine ganz klare politische Mehrheit für einen Neubau im Westen der Stadt. Dies müssen die Grünen zur Kenntnis nehmen und endlich ihre einzementierte Blockadehaltung zu diesem drängenden Umweltschutzprojekt aufgeben“, so VBM Anzengruber. „Der von mir ursprünglich angedachte Standort bei der Baumschule Pall in der Nähe des Flughafens wurde von der IKB-Studie nicht berücksichtigt, da diese Fläche laut dem Entwurf ÖROKO 25 rückgewidmet und als Freihaltefläche Sicherheit Flughafen ausgewiesen wird. Dies ist für mich absolut kein Hindernis, den Standort nochmals mit den Kriterien bewerten zu lassen, da die Politik es natürlich in der Hand hat, wie die Fläche gewidmet wird. Daher meine Forderung diesen Standort unverzüglich auf seine Tauglichkeit überprüfen zu lassen“, so VBM Anzengruber.

Verärgerung

„Während der Bürgermeister im Stadtsenat hoch und heilig versprochen hat, alle infrage kommenden Optionen für einen Recyclinghof im Westen genau auszuloten, richtet er der Koalition und Opposition über die Medien aus, dass er keinen zweiten Recyclinghof will.“ ist
SPÖ-Klubobmann Helmut Buchacher verärgert und ist sich einer Sache gewiss: „Führungspersonen werden daran gemessen, inwieweit das, was sie sagen, mit dem, was sie tun, übereinstimmt. Beim Bürgermeister der Stadt Innsbruck ist von Führungsqualität nicht viel zu sehen.“ Buchacher: „Der Recyclinghof steht im Arbeitsübereinkommen und es gibt dafür eine breite Mehrheit im Gemeinderat. Die IKB könnte sofort mit der Umsetzung beginnen. Und gerade von einem Grünen erwarte ich mir, dass er Umweltschutz nicht nur in der Errichtung von Radwegen sieht.“ Erweiterte Öffnungszeiten und eine zweite Spur beim bestehenden Recyclinghof führen zu mehr Verkehr quer durch die ganze Stadt, langen Wartezeiten und erhöhter Umweltbelastung. „Dadurch wird kein Problem gelöst! Wir werden nicht aufgeben, weiterhin auf die Realisierung eines Recyclinghofes im Westen der Stadt zu drängen“, so Buchacher abschließend.

Fakten

Ein paar Zahlen zum Recyclinghof: 17 000 000 kg Abfälle pro Jahr werden am Recyclinghof abgegeben. Den Recyclinghof nutzen 900 Personen durchschnittlich pro Tag. 68 Abfallarten werden getrennt sortiert und gesammelt.

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