Geschichte
Quarantäne ist eigentlich nichts neues

Die Pest hat immer wieder hohe Todesraten verursacht. Im 14. Jahrhundert brachte die Pest 25 Mio. Menschen in Europa um – das war ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Im 17. Jahrhundert tötete die Pest in London 68.500 Menschen, bei einer Gesamtbevölkerung vom 460.000 Personen. Quarantäne war auch im Mittelalter die gängigste Art eine Pandemie zu stoppen.
  • Die Pest hat immer wieder hohe Todesraten verursacht. Im 14. Jahrhundert brachte die Pest 25 Mio. Menschen in Europa um – das war ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Im 17. Jahrhundert tötete die Pest in London 68.500 Menschen, bei einer Gesamtbevölkerung vom 460.000 Personen. Quarantäne war auch im Mittelalter die gängigste Art eine Pandemie zu stoppen.
  • Foto: ©Trustees of the British Museum
  • hochgeladen von Agnes Czingulszki (acz)

Quarantäne war vor ein paar Jahrhunderten nichts Außergewöhnliches. Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts gab es mehrere Pestepidemien in Europa, die ihre Todesopfer forderten. Eine gängige Maßnahme dagegen war auch damals schon: Quarantäne. Eine Habsburger Königin musste das am eigenen Leib miterleben. Mit dieser Thematik beschäftigt sich Jonathan Singerton vom Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie an der Uni Innsbruck. – Ein Blick zurück in die Geschichte.

INNSBRUCK. Egal ob Kaufmann, Flüchtling oder Adelige: Im 19. Jahrhundert mussten sie in Odessa (in der heutigen Ukraine) alle in Quarantäne. Erzherzogin Maria Karolina (1752 -1814) , Königin von Neapel-Sizilien, Schwester des Kaisers Leopold den II. und Marie Antoinettes, bzw. die Tochter Maria-Theresias – hat ihre fürstliche Herkunft bei ihrer Einreise in die belebte Hafenstadt am Schwarzen Meer nichts geholfen. Fünf Wochen lang musste sie und ihre Begleitung in Quarantäne.

Maria Karolina flüchtete ins Exil

Sie hatte bereits eine lange Reise hinter sich, denn sie wählte das Exil nachdem sie in Neapel dem britischen Kommandanten – der Sizilien vor den neapolitanischen Soldaten schützen sollte – in die Quere kam. Da ein Großteil Italiens zu dieser Zeit unter fremder Besatzung (Napoleon) war, musste die Erzherzogin den langen Weg über Konstantinopel (heute: Istanbul) und Odessa nach Wien auf sich nehmen.

Unerwartete Quarantäne

Als sie im Jahr 1813 in Odessa ankam, wütete die Pest schon seit Monaten in der Stadt. Jeder war in Quarantäne. Auch die Erzherzogin musste sich – gemeinsam mit ihrer großen Belegschaft – fügen. Aus der Quarantäne schrieb sie zahlreiche Briefe an ihren Neffen Kaiser Franz I. nach Wien.
Diese Schriften wurden von Jonathan Singerton (Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie an der Uni Innsbruck) wissenschaftlich ausgewertet: "Wir haben uns erwartet, dass Maria Karolina mehr über das Leben in der Quarantäne schreibt, aber sie hat vor allem über die Langeweile und der Ungewissheit, wann sie endlich weiterreisen darf, berichtet." Ohne Internet und anderen modernen Annehmlichkeiten, wurde – höchstwahrscheinlich – vor allem mit einer Beschäftigung die Zeit vertrieben: Mit Kartenspielen.

Geschichtlicher Hintergrund

In Odessa ist im Jahr 1812 die Beuelenpest ausgebrochen. In der florierenden Hafenstadt starben daran 2.600 Personen von insgesamt 36.000 Bewohnern. Sechs Monate lang war der Ort unter Allgemeinquarantäne, Flüchtlinge aus anderen Orten wurden nicht reingelassen und die Maßnahmen, die die Pest begleiteten, dauerten um die zwei Jahre an.
Reisende mussten für Wochen in Quarantäne, Kaufmänner sogar für drei Monate. Man glaubte, die Pest würde sich in der Luft übertragen, deshalb legte man an Hauptverkehrsachsen große Feuer, Geld wurde in Essigfläschchen übergeben und Briefe las man nur aus der Entfernung – am Ende eines Stockes.
Zweimal die Woche wurden die Häuser kontrolliert, von Personen mit Symptomen eine Liste geführt, bei Nichteinhaltung der Quarantäne drohte eine Gefängnisstrafe.
Trotz allem konnte Maria Karolina nach fünf Wochen wieder Richtung Wien weiterreisen. "Für sie war die Quarantäne eine unerwartete Mühsal", erklärt Singerton. Etwas, das auch die Menschen von heute sehr gut nachvollziehen können. Schlussendlich hat Maria Karolina es nach Schloss Hetzendorf geschafft, wo sie die letzten Monate ihres Lebens verbrachte.

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