Interview
Rudi Federspiel: "Eine vertane Chance."

Rudi Federspiel ist der Erfinder des Innsbrucker Bergsilvesters.
  • Rudi Federspiel ist der Erfinder des Innsbrucker Bergsilvesters.
  • Foto: Linde
  • hochgeladen von Georg Herrmann

INNSBRUCK. Der Innsbrucker Stadtrat Rudi Federspiel zu seiner Enttäuschung über die INNS'zenierung, der Kritik am TVB und ein wenig Hoffnung.

Die Geburt des Bergsilvesters

Die Idee wurde Ende 1993 beim Spaziergang mit italienischen Freunden durch den Rapoldipark geboren. Auf die Frage "Was kann man Silvester unternehmen?", konnte der damalige Touristiker Rudi Federspiel keine passende Antwort geben. Ein Jahr später war Rudi Federspiel nach der Gemeinderatswahl Tourismus-Stadtrat und hat den Bergsilvester ins Leben gerufen. Das Innsbrucker Spektakel zum Jahreswechsel wurde zum Erfolgsprojekt. Mit rund 10.000 Besuchern und einem schmalen Budget begann die Feier für Einheimische und Touristen und konnte durch eine breites Angebot an Unterhaltung auf verschiedenen Bühnen, gastronomische Vielfalt und den Feuerwerken beim Waltherpark und auf der Seegrube bis zu 60.000 begeisterte Besucher anlocken. Bei der Frage nach seiner persönlichen Bilanz der INNS'zenierung 2019 ist Rudi Federspiel die Enttäuschung anzusehen.

Charakter verloren

Für Federspiel hat der Bergsilvester mit der INNS'zenierung seinen ursprünglichen Charakter verloren. "Das Ziel war immer eine gemeinsame Veranstaltung für die Innsbrucker Bevölkerung und Touristen", erinnert Federspiel an die gemeinsamen Überlegungen mit dem damaligen Bürgermeister Herwig van Staa. "Daher wurde auch das Stadtmarketing als zentrales Organ der Positionierung der Marke Innsbruck installiert." Statt den kontinuierlichen Ausbau des Stadtmarketings gab es aber in den letzten Jahren eine laufende Verschlechterung der Marketingeinrichtung. Die Kernaufgaben des Stadtmarketings können somit nicht mehr erfüllt werden, analysiert der Tourismusexperte den Ist-Zustand. "Das Ergebnis sind dann Veranstaltungen, in denen eine Vielzahl an Mitverantwortlichen wie externe Firmen oder der Tourismusverband an Bord sind, die lieblos umgesetzt werden."

TVB nur Verwalter

Der TVB ist in den vergangenen Jahren geografisch immer mehr gewachsen, inhaltlich hat sich der TVB aber vom Gestalter zum reinen Verwalter entwickelt. Weder TVB-Obmann Karl Gostner noch TVB-Geschäftsführerin Karin Seiler-Lall sind den Aufgaben gewachsen und heillos überfordert. "Es fehlt an Kreativität, an Innovation, an der Liebe zum Tourismus", kritisiert Federspiel die TVB-Verantwortlichen. "Tourismus muss gelebt werden und sich durch die Bereitschaft, auf den Gast zuzugehen, auszeichnen. Davon ist beim TVB aber nichts zu sehen." Eine Entwicklung, die laut Federspiel auch innerhalb der Touristikszene in Innsbruck für große Unruhe sorgt. "Wenn eine optimale Vermarktung einer zweifachen Olympiastadt, die ein einzigartiges Ambiente bietet, nicht gelingt, sollen sich die Verantwortlichen die Sinnfrage stellen."

Konzept neu

Beim Thema Bergsilvester setzt Rudi Federspiel auf den Hausverstand. "Wenn Bernhard Vettorazzi verlauten lässt, 'Man wird aus den Fehlern lernen', ist das ein erstes gutes Zeichen", verfolgt Federspiel aufmerksam die öffentlichen Diskussion. "Dazu bedarf es aber auch der offenen, transparenten und tiefgreifenden Fehleranalyse und der Bereitschaft, das Event auf eine breite Basis zu stellen", erwartet Federspiel einen erfolgreichen Diskussionsprozess. "Das darf aber nicht wie gewohnt im Hinterzimmer als Arbeitskreis des Bürgermeisters geschehen, hier gehören die Bevölkerung, die Künstlerschaft, die Gastronomie und alle Interessierten eingebunden", fordert Rudi Federspiel.

Aufarbeitung im Gemeinderat

In der Sitzung vom 29. Jänner erwartet Rudi Federspiel nicht nur die Beantwortung der dringenden Anfrage der FPÖ-Liste Rudi Federspiel, sondern auch eine breite Diskussion der Gemeinderatsmitglieder über die INNS'zenierung. "Man darf nach so einer Enttäuschung nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, das Image der Stadt ist nicht nur bei den Touristen, sondern auch bei der Bevölkerung mehr als schlecht und darüber müssen sich die bezahlten Abgeordneten auch bewusst sein", hofft Federspiel auf eine konstruktive Debatte. "Leider zeigt sich immer wieder, dass ideologische Überlegungen und nicht die Interessen der Stadt im Mittelpunkt stehen", bringt Federspiel die schwierige Diskussionskultur ins Spiel. "Die FPÖ-Liste Federspiel ist und wird jedoch massiv von der Koalition ausgegrenzt, eine nachvollziehbare Erklärung bleiben die Verantwortlichen aber nicht nur der FPÖ, sondern auch der Bevölkerung schuldig."

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