Eine andere Perspektive
"Sie nennen mich hier Vogelhexe"

Das sind die größeren Steine, mit denen man versucht hat, die 72-jährige Anrainerin abzuschießen.
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  • Das sind die größeren Steine, mit denen man versucht hat, die 72-jährige Anrainerin abzuschießen.
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"Man dichtet mir Zwangsneurosen und Wahn an", erzählt die Anrainerin der An-der-Lan-Straße (Anm.: Name der Redaktion bekannt), "oder man wirft Steine nach mir."

Der Grund dafür war die Fütterung der Vögel vor dem Fütterungsverbot. "Jetzt habe ich mir ein Taubennetz an den Balkon montiert", räumt sie ein, "trotzdem fliegen Steine zu mir rein."

Fütterungsverbot für Tauben

Das Verbot gilt eigentlich nur für Tauben, aber in der Praxis für alle Vogelarten, da man nicht mit Bestimmtheit sagen kann, welcher Vogel welches Korn pickt. "Soll ich der Taube sagen: 'nein, Taube, das ist nicht für dich?'", fragt sich die Anrainerin. "So leiden alle unter dem Fütterungsverbot."

Akutes Insektensterben

"Früher hat man sie nicht füttern müssen, die Vögel, aber mittlerweile haben sie ja kein natürliches Futter oder viel weniger als früher." Die Zahlen betreffend Insektensterben sind erschreckend: Erst 2018 gab das Biologiezentrum Linz bekannt, dass es 80 % weniger Insekten in Mitteleuropa gibt als noch vor 30 Jahren. In Österreich gibt es rund 14.000 im Bestand abnehmende Insektenarten, deren Reduktion und Absterben verheerende Folgen für verschiedene Öko-Systeme haben. Eine dieser Auswirkungen ist das Absterben von Fledermäusen, Reptilien, Amphibien – und der Vögel.

Tauben als Hassobjekte

"Der Mensch hat immer jemanden oder etwas gebraucht, das er zum Hassobjekt ernennen kann. Oft sind das eben Schwächere oder Minderheiten. Hier sind es die Tauben, weil sie sich nicht wehren können", erklärt die Anrainerin. In Folge dessen wurde sie auch oft genug angefeindet. Sogar Unterschriften hat man gegen sie gesammelt.

Leidtragende sind auch Tiere

"Das Tierleid ist überwältigend", erzählt sie weiter. "In bestimmten Bereichen der Stadt sterben die Tiere sogar an Herzinfarkten, weil sie so viel Stress ausgesetzt sind. Wenn sie gefüttert werden, dann mit nicht artgerechtem Futter, was sie krank machen kann. Am schlimmsten sind die Taubenspikes – wegen der Stachel verlieren viele Tauben ihre Füße."

"Ich habe ein paar Vorschläge"

"Ich habe bereits bei der Stadt angerufen, um einen Lösungsvorschlag zu machen, doch habe ich keinen Rückruf erhalten", erzählt die Anrainerin. "In vielen Städten werden Taubenhäuser aufgestellt. So kann man sie an einem Ort sammeln", erklärt sie. "Oder man könnte einen Fütterungsplatz einführen, den man vom Fütterungsverbot ausnimmt. Dort könnten sich die Vögel dann sammeln und artgerecht gefüttert werden." Die Dame ist Bezieherin von Mindestpension. Obwohl ihre Ressourcen sehr knapp bemessen sind, hat sie das Futter für die Vögel gern gezahlt.

Die vorangegangenen Artikel über Tauben im O-Dorf finden Sie hier und hier.

Das sind die größeren Steine, mit denen man versucht hat, die 72-jährige Anrainerin abzuschießen.
Immer wieder landen Kieselsteine auf ihrem Fensterbrett, weil sich dort Tauben aufhalten. Manchmal aber auch, wenn keine da sind.

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