Pradl
Sitzbänke, Blumentröge und Quick Wins

Zahlreiche Interessierte versammelten sich in der Stadtbibliothek zur Schlussveranstaltung des Beteiligungsprozesses in Pradl.
  • Zahlreiche Interessierte versammelten sich in der Stadtbibliothek zur Schlussveranstaltung des Beteiligungsprozesses in Pradl.
  • Foto: IKM
  • hochgeladen von Georg Herrmann

INNSBRUCK. Zur Schlussveranstaltung des Partizipationsprozesses im Stadtteil Pradl fanden sich kürzlich in der Stadtbibliothek knapp 80 interessierte AnrainerInnen und Wirtschaftstreibende aus Pradl, VertreterInnen der Stadtverwaltung sowie der Innsbrucker Stadtpolitik ein. Nach einem halben Jahr mit intensiven Workshops, Vor-Ort-Begehungen und konstruktiven Abendveranstaltungen liegen viele Ideen zur Gestaltung rund um die Pradler Straße vor: Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Präsentation sogenannter erster „Quick-Wins“ – also schnelle Resultate, die mit wenig Aufwand erzielt werden können.

Quick-Wins

So besteht die Idee zur Neuanordnung der Sitzbänke und der Blumentröge sowie der Versuch des „Urban Gardening“ auf der Grünfläche rund um die Pradler Kirche. Auch im Bereich Verkehr und Infrastruktur gibt es Überlegungen: Etwa wird das Aufstellen einer temporären Geschwindigkeitsanzeige zur Sensibilisierung der Kfz-LenkerInnen, Ergänzung der 30 km/h-Zone oder die Bedarfserhebung zur Errichtung von zusätzlichen Abstellplätzen für Fahrräder angedacht. In der Pradler Straße möchte die Stadt darüber hinaus für die örtliche Wirtschaft mit raschen Maßnahmen neue Impulse setzen. Eine mögliche Erweiterung der gelben Innenstadtkarte steht zur Diskussion wie auch eine neue künstlerische Beleuchtung der Pradler Straße außerhalb der Weihnachtszeit.

Koordinationsstelle

Ein wesentlicher Wunsch seitens der Bevölkerung ist die Bereitstellung einer Koordinationsstelle, die für die Belange des Stadtteils zuständig sein soll. „Es erscheint uns wichtig, eine sogenannte Vernetzungsperson zu betrauen, die zum einen als Anlaufstelle der Bevölkerung dienen soll und sich zum anderen für die Umsetzung zukünftiger Maßnahmen wie auch der aktuellen Quick-Wins kümmert“, fasst Vizebürgermeisterin Mag.a Uschi Schwarzl die Zielvorstellung zusammen. Stadträtin Mag.a Christine Oppitz-Plörer ergänzt: „Diese Person soll auch als Ansprechperson für die Wirtschaft und Bindeglied zum Stadtmagistrat fungieren, damit wir schnell und effizient den Pradler Entwicklungsprozess vorantreiben können.“

Weitere Maßnahmen

Langfristige Maßnahmen zielen auf eine Neugestaltung des Pradler Platzes ab. Ebenso soll die Aufenthaltsqualität in der Pradler Straße durch Verbesserung der Verkehrsorganisation erhöht und somit die Belebung der Pradler Straße als Einkaufsstraße erreicht werden. Dafür ist die gute Erreichbarkeit mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln bereits gegeben. Für die Attraktivierung sollen die nicht mehr benötigten Straßenbahngleise entfernt werden.

Bilanz der Gemeinderatsklubs

Julia Seidl, NEOS: "Die Bürger_innen zeigten großes Interesse am Prozess in Pradl. Das ist sehr erfreulich. Wir sehen es als dringend notwendig, dass wir ernsthaft eine langfristige Projektumsetzung anstreben und in der Kommunikation aktiv über Fortschritte und Pläne berichten. Jeder Bürgerbeteiligungsprozess hat schlussendlich lediglich nur dann eine positive Wirkung, wenn Maßnahmen umgesetzt werden! Hier erwarten wir uns von der Stadtregierung einen sensiblen und ehrlichen Umgang mit den Interessen der Bürger_inenn, die im Prozess geäußert wurden!"
Irene Heizs, SPÖ: "Es war höchst erfreulich zu erleben, wie vielen Pradlerinnen und Pradlern die künftige Entwicklung der Pradler Straße ein Herzensanliegen ist. Die Beteiligung an sämtlichen Workshops und Veranstaltungen war gut bis sehr gut, es wurde immer hoch engagiert diskutiert und gearbeitet. Dass die Meinungen und Prioritäten — Stichwort: mehr oder weniger Parkplätze für Autos?! — zum Teil diametral auseinander gehen, liegt in der Natur der Sache. Alle Widersprüche in den Anliegen der BürgerInnen aufzulösen, kann und wird uns als verantwortlichen PolitikerInnen nicht gelingen. Ich denke aber, dass wir in den kommenden Monaten zunächst mit einigen rasch umsetzbaren Maßnahmen wie einer vorläufigen Neugestaltung des Pradler Platzes vor der Kirche vielen Bewohnerinnen und Bewohnern des Stadtteils eine sicht- und spürbare Freude machen können. Speziell wichtig wird die schnelle Installierung eines „Kümmerers“ als Ansprechpartner und Mittelsperson zu den Behörden und zur Politik in einem provisorischen Stadtteilzentrum sein. Mein Eindruck ist auch, dass viele PradlerInnen ihrerseits aus dem Prozess mitgenommen haben, dass eine Belebung der Straße nicht zuletzt an ihnen selbst liegt. Ich halte es für gut möglich, dass zumindest einige aus diesem Prozess mit einem neuen Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Verantwortung für ihren Stadtteil gegangen sind. Auch das wäre, so mein Eindruck stimmt, ein schönes Detailergebnis, das hoch zu schätzen wäre. Die Gemnova als Prozessbegleiterin hat die jeweiligen Workshop-Ergebnisse sehr gut und transparent aufgearbeitet; während der Veranstaltungen hätte ich mir mitunter mehr Stringenz und Klarheit gewünscht — wiewohl wissend, dass so etwas immer eine Gratwanderung ist und die BürgerInnen nicht den Eindruck gewinnen dürfen, man lasse sie zu wenig zu Wort kommen oder unterdrücke gar mutwillig die eine oder andere Meinung."
Mariella Lutz, ÖVP: „Nach dem Fehlstart durch die Parklett-Polit-Show hat der Bürgerbeteiligungsprozess für die Pradlerstraße gerade noch die Kurve gekratzt.
Die fehlenden Anrainer- und Kundenparkplätze in der Pradlerstraße war das größte Anliegen der Anwohner. „Wenn wir die Pradlerstraße wiederbeleben und Geschäfte ansiedeln wollen, müssen aktiv Anreize geschaffen werden. Daher brauchen wir ausreichend Kundenparkplätze um potentielle Geschäftsflächen zu attraktiveren und ausreichend Parkplätze für die Anwohner. Es kann nicht sein, dass dieser Wunsch kein Gehör bei den Zuständigen in der Stadt findet“, so die Obfrau des Innsbrucker Verkehrsausschusses GR Mariella Lutz. Leider war aber der Start des Beteiligungsprozesses von der Parklett-Polit-Show überschattet. Lutz hält dazu fest: „Diese Installation stieß bei vielen Anwohnern und Wirtschaftstreibenden auf Ablehnung. So etwas darf sich im Vorfeld eines Bürgerbeteiligungsprozesses in Zukunft nicht mehr passieren!“ Gemeinderätin Lutz weiter, „als durchaus positiv können die „Quick Wins“ hervorgehoben werden, deren Umsetzung so schnell wie möglich erfolgen soll. Auch die längerfristigen Maßnahmen dürfen nicht auf die lange Bank geschoben werden, sondern sollen so rasch wie möglich budgetiert werden. Die Menschen sollen merken, dass ihre Forderungen und ihre Mitarbeit ernst genommen werden, meint die ÖVP-Gemeinderätin. „Ich möchte mich ausdrücklich bei den Bürgern und Wirtschaftstreibenden in Pradl bedanken, die sich am Beteiligungsprozess „Pradlerstraße“ engagiert haben. Durch die Mitarbeit der lokalen Bevölkerung und den Wirtschaftstreibenden konnten wir viel Input für eine Adaptierung der Pradlerstraße mitnehmen. Nach dem Fehlstart durch das Parklett hat der Bürgerbeteiligungsprozess für die Pradlerstraße gerade noch die Kurve gekratzt“, zieht ÖVP-Verkehrssprecherin Mariella Lutz ein durchaus durchmischtes Resümee.

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Georg Herrmann aus Innsbruck

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