Alpinunfallstatistik
Sommer 2019: 61 Alpintote in Tirol

Der Tiroler Sommer zeigt eine traurige Bilanz: 1.014 verunfallte Personen, davon 61 tödliche Unfälle.
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  • Der Tiroler Sommer zeigt eine traurige Bilanz: 1.014 verunfallte Personen, davon 61 tödliche Unfälle.
  • Foto: Regina Sterr
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TIROL. Jährlich werten Alpinpolizei, das Kuratorium für Alpine Sicherheit und die Bergrettung die Statistiken des österreichischen Alpinsommers aus. Heuer gab es für den Zeitraum zwischen 1. Mai 2019 und 29. September 2019 keine positive Bilanz.

"Jedes Jahr können wir darüber berichten, dass die Unfallzahlen zurückgehen. Heuer leider nicht" – Karl Gabl, Präsident des Kuratoriums für Alpine Sicherheit

61 Menschen wurde der Berg in Tirol zum Verhängnis und damit ist Tirol im österreichweiten Statistikranking an der Spitze. Fast die Hälfte der Verunfallten und Toten (österreichweit insgesamt 2.230 Personen) – insgesamt 46 Prozent – sind in den Tiroler Alpen unterwegs. Gefolgt wird Tirol mit großem Abstand von Oberösterreich, wo sich 12 Prozent der Alpinunfälle ereignen.

Leichtsinn und wenig Erfahrung

Zu den häufigsten Unfallursachen gehört die Trittunsicherheit der Personen, die im alpinen Gelände unterwegs sind. In Tirol sind 35 Personen beim Wandern ums Leben gekommen, 390 Personen Verunfallten in dieser Sportart. "Es gibt einen Sommertrend zum Wandern. Der Sport ist modern und salonfähig geworden. Mehr Leute sind unterwegs, die keine Ahnung haben, nicht Karten lesen können und die Wetterprognosen ignorieren. Ich nenne das nicht Leichtsinn, sondern alpine Dummheit", findet Gabl klare Worte. Daher ist sein Vorschlag vor allem die deutschen Gäste, die nach Tirol kommen und 38 Prozent der österreichweit verunfallten Personen ausmachen, in Kufstein bei der Einreise an der Hand zu nehmen und zu sensibilisieren. Unerfahrene Bergsteiger sollten sich demnach einen Bergführer nehmen, erfahrenere Wanderer bei den alpinen Vereinen um Auskunft über die örtliche Lage bitten, bzw. Kurse belegen. Übrigens kommen die Deutschen erst nach den Einheimischen: 46 Prozent der Verunfallten sind Österreicher. Außerdem wird die Unfallstatistik auch auf Geschlechter aufgeteilt: Ein ganz klares Bild zeigt, dass österreichweit 61 Prozent Männer sind. 

Auch Wetterumschwünge werden von zahlreichen Bergsteigern unterschätzt und können zum Verhängnis werden.
  • Auch Wetterumschwünge werden von zahlreichen Bergsteigern unterschätzt und können zum Verhängnis werden.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Agnes Czingulszki (acz)

Ortungsmöglichkeiten für Wanderer

Für die Alpinpolizei ist besonders die Suche nach den verunfallten Personen oft eine große Herausforderung. Trotz Smartphone und Ortungsmöglichkeiten machen ungenaue Daten die Suche schwierig. "Einige hundert Meter können im alpinen Raum mehrere Täler umfassen. Es ist, wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen", erklärt Leiter der Alpinpolizei Viktor Horvath. Deswegen appelliert er, gemeinsam mit Gabl, an die Bevölkerung die modernen Möglichkeiten auszunutzen: "Besonders jene, die alleine am Berg unterwegs sind, sollten an ihrem Handy vor der Bergtour die Ortungsfunktion freischalten, bzw. Zugangsdaten bei Vertrauenspersonen hinterlegen, damit im Fall des Falles die Suche nach der verunglückten Person erleichtert werden kann."

Hotspots bereiten Bergrettung Kopfzerbrechen

Auch Hermann Spiegl vom Österreichischen Bergrettungsdienst bestätigt: Die Suche nach dem Unfallort und die Lokalisierung der zu rettenden Person ist eine der Hauptaufgaben. Aber auch die steigende Anzahl an Rettungseinsätzen verursacht ihm Kopfzerbrechen. "Wir haben Hotspots, wie Innsbruck oder Sölden, wo wir teils täglich viermal ausrücken müssen. Es bereitet uns immer mehr Probleme, diese mit freiwilligen Bergrettern zu besetzen", erklärt er. Dabei gäbe es schon eine App – SOS EU ALP –, die auch funktioniert, wenn es wenig Empfang gibt. Sie schickt die GPS-Koordinaten direkt an die Leitstelle. Genutzt wird sie aber viel zu selten: "Wir haben pro Woche höchstens zwei Einsätze, die durch die App abgewickelt werden", so Spiegl. Die App ist Gabls Herzensangelegenheit, der meint: "Ich wünsche mir, dass es eine App für Millionen gibt und nicht tausende Apps für Wenige." Er würde es mit viel Freude sehen, wenn die SOS EU ALP-App zumindest österreichweit zum Einsatz kommt. Derzeit wird die von Tirolern entwickelte App in Bayern, Tirol und Südtirol genutzt. Warum die anderen Bundesländer nicht drauf aufspringen? "Die Datenerfassung kostet einige tausend Euro und ist sehr aufwendig", wie Gabl weiß.

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Der Tiroler Sommer zeigt eine traurige Bilanz: 1.014 verunfallte Personen, davon 61 tödliche Unfälle.
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Autor:

Agnes Czingulszki (acz) aus Innsbruck

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