Gesundheits- und Sicherheitspolitik
Verbote und Verdrängung

Blut und Spritzen fand man in den Toiletten des Institutes für Erziehungswissenschaften in Wilten.

Drei Monate ging das so, nun gibt es Ausweiskontrollen und das Problem wurde kurzfristig gelöst. Denn es sind nicht die StudentInnen, die sich in den Toiletten die Nadel setzen, sondern suchtkranke Menschen, sehr wahrscheinlich aus Richtung Mentlvilla. Für Gemeinderat Lukovic (Grüne) ist das das Ergebnis der Verdrängungspolitik, also der Alkohol-Verbotszone in Wilten (Mentlgasse, Adamgasse, Karmelitergasse, Südbahnstraße, Lois-Welzenbacher-Platz, Edith-Stein-Weg, Wiltener Platzl und Kaiserschützenplatz): „Anstatt einen Gesundheitsraum in Innsbruck einzurichten, der einen für alle sicheren und vor allem geschützten Konsum von Drogen ermöglicht und somit an Sucht erkrankte Menschen von der Straße holt, wurde von einer Mehrheit im Gemeinderat die Verantwortung an die Universität abgeschoben“, findet Lukovic harte Worte.

Bund blockiert

Ein Konsumraum bzw. Gesundheitsraum, in dem geschützter Drogenkonsum möglich ist, hätte die Vorteile, dass die Situation für Menschen mit einer oft mit viel Leid verbundenen Suchterkrankung zumindest in Hinblick auf hygienische Standards und medizinische sowie sozialarbeiterische Begleitung erträglicher wird. Außerdem würden die KonsumentInnen der harten Drogen von der Straße geholt werden. Auch Vizebürgermeister Franz X. Gruber meint mit besorgtem Blick auf immer mehr Drogenkranke, dass eine zusätzliche Einrichtung dringend notwendig wäre und ist mit dem Land im Gespräch. Einen Zusammenhang mit der Verbotszone will er jedoch nicht sehen, auch hätte man der Universität Hilfe angeboten. Die Forderung eines Konsumraums ist aus rechtlicher Sicht nicht möglich, so Gruber, "das ist Sache des Bundes".

Safer-Use

Helmut Schöpf, der die Dienststellenleitung der Mentlvilla (Caritas) innehat, sieht die Lage ähnlich: Mehrere Einrichtungen neben der Mentlvilla sind „ein Muss“, ebenfalls steht er hinter Gesundheitsräumen, allerdings nur mit einem „Gesamtgesundheitskonzept“, also nicht einfach Kabinen, in denen man sich Drogen spritzt, sondern „Safer Use“, also kontrolliertes Spritzen mit Begleitung/Beratung.

Verlagerung statt Lösung

An der Uni ist das Problem mittlerweile durch eine Security-Firma gelöst. Anscheinend wird nun in der Nachbarschaft überlegt, sich ebenfalls an die Security-Firma zu wenden, da nun umliegende Stiegenhäuser betroffen sind. Das macht nun einmal mehr deutlich, dass es mit Verboten alleine noch nicht getan ist.

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