Hötting (Videos)
Viele Geschichten aus dem "Dorf"

Hötting hat viel zu erzählen
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INNSBRUCK.  Die "BezirksBlätter vor Ort" bieten einen Blick auf Gchichtln auf die Höttinger NUDL, Interessantes rund um die Almen, die Geschichte von Wunder vom Galgenbühel (mit der Rüge für den Haller Scharfrichter), Eis-Challenge, Voglforcher oder das Jubiläum vom Turnierverein Friesen. Und ja, es gibt noch viel, viel, viel mehr zum Erzählen.

Geschichtliches

Hötting war schon in der jüngeren Bronzezeit besiedelt, wie Urnen aus der Zeit zwischen 1200 und 900 v. Chr. belegen. Da im Gebiet der Höttinger Gasse erstmals Funde aus dieser Epoche im Inntal gemacht wurden, wurde diese Kultur als „Höttinger Kultur" bezeichnet. 1128 wurde der Ort als Hetiningen erstmals urkundlich erwähnt. Als Dorf wurde Hötting 1150 bezeichnet. In dem folgenden Jahrhundert erweiterte das Dorf seine Ausdehnung, so dass im Jahre 1265 Hötting aus Ober-, Mittel und Unterdorf, aus Ried und Au bestand.

Vom Dorf zum Stadtteil

Im 19. Jahrhundert wurde Hötting zum Wohngebiet vieler Innsbrucker Familien, die diesen Bereich erschlossen. Auf der Höhenstrasse zum Ölberg, wurde nach der letzten verlorenen Bergiselschlacht am 1. November 1809 die letzten Schüsse der Tiroler Freiheitskämpfer abgegeben. 1938 wurde durch den Landeshauptmann per Dekret Hötting Innsbruck einverleibt.

Wer Hötting kennt, liest die NUDL.
  • Wer Hötting kennt, liest die NUDL.
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Die NUDL, Hötting hat eine eigene Zeitung

Bereits seit 1908 schmunzeln die Innsbrucker über die „Höttinger NUDL“, die jedes Jahr erscheint. Lacher sind garantiert. In der ältesten Faschingszeitung Österreichs wurden auch heuer wieder die lustigsten, skurrilsten, aber auch die ärgerlichsten (peinlichsten) Ereignisse des vergangenen Jahres gesammelt und humoristisch bearbeitet und in bekannt zynischer Art und Weise, Politik in Bund, Land und Stadt, verschiedene Stadtteile Innsbrucks, vor allem Hötting und nähere Umgebung betreffend, frech aber ehrlich aufs Korn genommen. Die ehrenamtlichen Redakteure rund um Chefredakteur Peter Kodera scheuen keine Mühen und Wege , um für ihre Leserinnen und Leser auch die heimlichsten und verzwicktesten G´schichteln aufzutreiben.

Inhalt
Landespolitik, Stadtpolitik, aber auch wieder Kommunalgeflüster und seitenweise Höttinger Untaten, Kuriositäten aus Nah und Fern, von der Koatlackn und Kranebitten bis Arzl, Pradl, Rum und noch weiter - und natürlich wieder zwei Seiten Sport mit Fußball, Wintersport und Eishockey, also „für alle eppas“ dabei. Die NUDL ist bei allen Innsbrucker Trafiken, SPAR-Filialen und M-Preis-Geschäften erhältlich!

So sah die Umbrüggler Alm einst aus: Ansicht der ehemaligen Umbrüggler Alm von Westen. Aquarell von A. Bergmann, 1953
  • So sah die Umbrüggler Alm einst aus: Ansicht der ehemaligen Umbrüggler Alm von Westen. Aquarell von A. Bergmann, 1953
  • Foto: Stadtarchiv/Stadtmuseum
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Almgeschichten

Urkundlich wird die Höttinger Alm erstmals 1441 erwähnt. Die Alm war einst eine wichtige Einrichtung für die Viehwirtschaft der Höttinger Bauern. Die Höttinger Alm wurde im Jahre 1880 als eine gemischte Alpe mit gutem Futter, aber steinigen und trockenem Boden beschrieben. Im Jahre 1940, bald nach der Eingemeindung Höttings, erwarb die Stadtgemeinde Innsbruck die Höttinger Alm. Die Umbrüggler Alm ist eng verbunden mit dem Kasermandl. Auf der Alm wurde vom Tiroler Lieddichter Josef Pöll (1874–1940) zusammen mit dem „Stamser Luis“, Pächter der Alm der Liedtext für „Das Kasermandl“ gedichtet. Bei der sagenumwobenen Gestalt des Kasermandls handelt es sich um einen kleinen Almgeist, der im Winter auf der Hütte sein Unwesen treibt. Es ist von Natur aus gutmütig, aber auch boshaft und rachgierig, wenn es gereizt wird. Ursprünglich soll das Kasermandl selbst ein Senner gewesen sein, der nach seinem Tod für seine Missetaten büßen muss.

Video, Voglforcher, 1931

Kleiner Sprachkurs: fochen (fangen). Halbe-Druija (Halb-Drei Uhr), Giggus (Schnaps), Brandl-Schrofen (Berg), Spiagelmoasen (Spiegelmeisen), Böschn (Böschung), ausser-plöschen (herausschlagen), Nötsch (vulg. für Geld)

BezirksBlätter Innsbruck Beitrag: So modern ist der Turnverein Friesen

Die erste Kirche in Hötting wurde 1286 erwähnt. 1687 wurde Hötting zur Kuratie und dann 1853 zur Pfarre erhoben.
  • Die erste Kirche in Hötting wurde 1286 erwähnt. 1687 wurde Hötting zur Kuratie und dann 1853 zur Pfarre erhoben.
  • Foto: IT/Webhofer
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Das Wunder vom Galgenbühel

"Das war ein Rennen und ein Laufen zum Galgenbühel oberhalb der Höttinger Kirche! Von allen Seiten kamen die Neugierigen herbei. Aus Hötting selbst, aber auch von drunten aus der Stadt; ja auch von den Dürfern rings um Innsbruck kamen sie in hellen Scharen. Manche waren vorher noch in irgendeinem der vielen Wirtshäuser eingekehrt, um eine heiße Suppe mit einem Paar Würstel drinnen herunterzulöffeln. Denn der Tag – es war am 8. Februar des Jahres 1719 – war kalt. Angesichts der zu erwartenden Ereignisse war es auch ratsam, sich mit einem Enzeler zu stärken. Denn, um es gerade herauszusagen: heute sollte einer auf Geheiß des Landesgerichtes Sonnenburg droben am Galgenbühel gehenkt werden. Dieses Schauspiel war es, das die Menschen in hellen Haufen anlockte. Der Scharfrichter von Solbad Hall war schon früh am Morgen mit seinen Knechten hinaufgezogen, um die letzten Vorbereitungen zu treffen, begafft von den vielen, welche die Angelegenheit mit allen ihren Einzelheiten auskosten wollten.

Der Pechvogel
Die Hauptperson, der Bauernsohn Jakob Sommerer aus Welschnofen in Südtirol, kam bald darauf in Begleitung eines Jesuitenpaters und eskortiert von Bewaffneten ebenfalls auf dem Galgenbühel an, wo ein hochaufragender Galgen sein Gerüst gegen den Himmel streckte. Jakob Sommerer war schon von Haus aus ein Pechvogel. Es passierte ihm schon in seiner Jugend so viel Unangenehmes, daß er sich entschloß, Südtirol den Rücken zu kehren und über dem Brenner irgendwo sein Glück zu versuchen. Zuerst wollte er es bei den Soldaten probieren. Und er war wirklich unvorsichtig genug, sich bereits in Bouen zum Trautsonschen Regiment anwerben zu lassen, um Kriegsdienste zu tun.

Aus dem Deserteur wird ein ‚Unbekannter‘
Aber in Rattenberg hatte er vom Soldatenspielen bereits mehr als genug. Eines Tages schob er heimlich ab und wollte sich (!) zeitweise, bis Gras über die Sache gewachsen war, irgendwo in den Bergen untertauchen. Aber der Bauernbursche aus Welschnofen hatte, wie gesagt, Pech: die nach ihm ausgeschickten Häscher erwischten ihn nach kurzer Zeit schon und das Militärgericht verurteilte ihn zu drei Jahren Galeerenstrafe. Die österreichsichen Gerichte verhängten gerne solche Strafen. Der Verurteilte wurde in seiner Strafzeit an die Ruderbank eines großen Schiffes geschmiedet und nach Ablauf seiner Strafe, sofern er nicht vorher schon elendiglich gestorben war, krank an Leib und Seele entlassen, ein menschliches Wrack, zu Teil Italiens transportierte, damit er seine Strafe abbüße, entwischen. Er betätigte sich nun als ‚Unbekannter‘ und stahl, was ihm in die Finger geriet.
Er wurde bald eingefangen und in Innsbruck zum Tode durch den Strang verurteilt.

Wenn der Scharfrichter aus Hall ist …
Am 8. Februar 1719 sollte nun am Galgen Sommerers Leben enden. Alles ging programmgemäß. Der Galgen stand da, der Henker war auch da, der Verurteilte war zur Stelle, und die vielen, vielen Neugierigen, die sich hier eine Bereicherung des Faschingsprogrammes anno 1719 erhofften, fehlten auch nicht. Sommerer wurde von dem Haller Scharfrichter ordnungsgemäß aufgeknüpft. Die Leute verliefen sich zufriedengestellt und die Wirte drunten in Hötting und Innsbruck warteten bereits auf die inzwischen sicher hungrig und durstig gewordenen Galgenbühelgäste. Sie waren insgeheim der Ansicht, so eine Veranstaltung da droben ober der Höttinger Kirche, öfters durchgeführt, würde nicht unwesentlich zur Hebung des Gastgewerbes beitragen.

Kein zweiter Strick
Aber nun geschah das Wunder! Plötzlich riß der Strick, an dem der Hingerichtete gebaumelt hatte, Sommerer fiel zu Boden, stand, zwar noch etwas taumelnd, wieder auf, und hatte nicht übel Lust, den ihm begreiflicherweise unsympathischen Ort schleunigst zu verlassen. Die Herren Richter aber luden den Henker ein, den Verurteilten sofort noch einmal aufzuhängen. Der jedoch lehnte die Einladung entschieden ab. Erstens habe er keinen zweiten Strick mit, zweitens müsse er erst heim nach Solbad Hall, um ein anderes Hanfseil zu holen, drittens käme er dann erst gegen Abend wieder zurück, und soviel er wisse, habe man dort noch nie einen armen Sünder abends, sondern immer vormittags vom Leben zum Tod befördert.
Der Jesuitenpater, der Sommerer zum Galgen geleitet hatte, war ein besonders treuer und schlauer Sohn seiner Kirche und wußte die Situation sofort für die Kirche zu nützen. Er verkündete mit lauter Stimme dem Volk, es habe hier mit eigenen Augen ein Wunder miterleben dürfen! Habe Sommerer nicht fest daran geglaubt, die liebe Himmelsmutter von Einsiedeln werde schon dafür sorgen, daß er nicht aufgehängt werde? Und siehe: der Strick riß just im rechten Augenblick. Habe der Verurteilte nicht erst kürzlich dreißig heilige Messen lesen lassen? Die Antwort des Himmels sei nicht ausgeblieben: der feste, starke Hängestrick sie wie Zunder zerfallen!

Video

Das Volk tobte
Das Volk der Neugierigen, das vor einer halben Stunde noch den Lumpen Sommerer nicht schnell genug zwischen Himmel und Erde baumeln sehen konnte, tobte: Natürlich dürfe Sommerer nicht gehenkt werden, nachdem es der Himmel selbst nicht wolle!
Die Richter waren in einiger Verlegenheit, ob Hängen oder Nichthängen. Aber das Richterkollegium selbst wich einer Antwort auf diese Frage aus, legte den Entscheid darüber in die Hand der Regierung, die nach manchem Wenn und Aber beschloß, den Kaiser entscheiden zu lassen. Vorläufig aber steckte man den Delinquenten in den Kräuterturm in Innsbruck, damit er hier abwarten könne, was mit ihm geschehen sollte. Wenn er nochmals hingerichtet werden müsse, so werde man das nicht mehr auf dem Höttinger Galgenbühel besorgen, sondern ihn im Innsbrucker Stadtgraben – sicher ist sicher! – enthaupten. Der Kaiser möge sich also entscheiden, was zu geschehen habe, denn die Regierung fühle sich zu schwach, von sich aus entscheiden zu können, 'ob dieser Strangbruch von sich selbst, durch Schuld des Scharfrichters oder aus einer verborgenen Kraft sich ergeben habe.' Die Regierung stützte ihr Schreiben an den Kaiser durch die beigegebene schriftliche Aussage des Haller Scharfrichters, welcher das Strickreißen am Galgenbühel 'entweder einer Zauberei oder einer Schickung Gottes' zuschreibt.

Der Amtsschimmel ließ sich auch damals Zeit

Am 8. Februar war droben in Hötting der Strick gerissen, der einen armen Sünder wieder dem Leben zurückgab. Es verging aber ein weiteres halbes Jahr, bis der Delinquent erfahren sollte, ob er weiter leben dürfe oder ob er noch einmal mit dem Henker in allernächste Berührung kommen werde. Im August kam dann der kaiserliche Entscheid: der Kaiser begnadigte den bereits einmal gehenkten Jakob Sommerer. Aber ganz ungestraft könne man ihn halt doch nicht davonkommen lassen. Und Sommerer wurde zu fünf Jahren Ruderdienst auf der Galeere verurteilt. Ob der Südtiroler Bauernsohn diese harte Sklavenarbeit überstand, davon schweigt die Geschichte. Der Haller Scharfrichter aber, dessen Höttinger Gastspiel negativ verlief, bekam meine (!) Verwarnung und dazu noch den strengen Auftrag, in Zukunft noch einen zweiten Strick mitzubringen!"
(Volkszeitung, 1949)

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