Corona-Virus
Was bleibt, sind viele Fragen

Positiv getestete Personen haben viele Fragen, so auch ein Mitarbeiter in der Innsbrucker Gastronomie.
  • Positiv getestete Personen haben viele Fragen, so auch ein Mitarbeiter in der Innsbrucker Gastronomie.
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  • hochgeladen von Georg Herrmann

INNSBRUCK. Das Bangen auf das Testergebnis, der Schockmomente bei der positiven Beurteilung, die Gewissheit, wenn der Bescheid vor einem liegt. Der Leidensweg der infizierten Coronakranken ist schwer zu beschreiben. Auch bei einem leichten Verlauf der Krankheit, ist die Angst allgegenwärtig und vor allem die vielen Gedanken und Überlegungen führen laufend zu neuen Fragen, deren Antwort offenbleiben. Auch dem jungen Peter* aus Innsbruck ergeht es so.

Positiv

Es ist vor allem die schriftliche Bestätigung, die das Ausmaß der Krankheit beschreibt. In dem sechsseitigen Bescheid heißt es unter anderem. "Zur Verhinderung der Weiterverbreitung und zum Schutz vor möglichen weiteren Ansteckungen sowie aufgrund des hohen Infektionsrisikos und der damit verbundenen hohen Sterblichkeit ist zum Schutz von noch nicht infizierten Personen im gegenständlichen Fall die verfügte Absonderung notwendig. Diese Gefahr für die Gesundheit anderer Personen kann auch nicht durch gelindere Maßnahmen beseitigt werden.“ Für Peter eine Gefühlswelt, die kaum beschreibbar ist. Vor allem die Fragen nach dem „Warum“ steht im Mittelpunkt.

Behördlicher Ablauf

Personen, die mit einer infizierten Person in Kontakt waren, werden entsprechend informiert. Im entsprechenden Bescheid heißt es: „Der/Die Bescheidadressat/in hatte Kontakt mit einer an COVID-2019 erkrankten Person. Aufgrund dieser Meldungen bzw. Erhebungen wurde von der Behörde festgestellt, dass die im Spruch genannte Person als enge Kontaktperson (Kat. I) einer an COVI D-2019-erkrankten Person identifiziert wurde. Es könnte entsprechend dem Stand der Wissenschaft eine Inkubation vorliegen und innerhalb von 14 Tagen ab Exposition eine Erkrankung an COVID-2019 erfolgen. Somit gilt die Person als ansteckungsverdächtig. Da ein Erkrankter bei heutigem Wissensstand bereits zumindest einen Tag vor Auftreten der Symptome das Virus ausscheidet bzw. auch infizierte klinisch gesunde Personen wahrscheinlich in der Lage sind, Viren unwissentlich auszuscheiden, ist eine Absonderung erforderlich.“ Für die verantwortlichen Behörden ist die Erfassung dieser Kat. I Personen eine Mammutaufgabe. In der extrem belastenden Situation für den positiv getesteten, sollen Arbeitsplatz, Freizeitverhalten und andere Situation analysiert werden. Die möglicherweise betroffenen Personen müssen ausfindig gemacht und informiert werden. Vorab telefonisch, in weiterer Folge per Bescheid. Gleichzeitig werden die Kat. I Personen gebeten, sich auf mögliche Krankheitssymptome zu prüfen und bei Verdacht der einer Erkrankung Kontakt mit 1450 aufzunehmen.

Rückblick

Peter ist im Gastgewerbe in der Innsbrucker Innenstadt beschäftigt. So wie viele andere hat auch er am 13. März die Pressekonferenz des Landeshauptmannes und die Pressekonferenz des Bundeskanzlers verfolgt. Passend an diesem Tag, dass eine Arbeitskollegin von Peter positiv getestet wurde. Drei Tage vorher war sie noch im Dienst, ehe ihre Krankheitssymptome sie veranlasst haben, den medizinischen Weg zu bestreiten und in Folge ein positives Testergebnis zu erhalten. Die Kellnerin informiert telefonisch ihre Kollegen und den Unternehmer. Peter entscheidet sich daraufhin, nicht in den Dienst zu gehen. Er informiert seinen Chef und ist auch nicht bereit, den Beschwichtigungsversuchen nachzugeben. Während der Kat. I Quarantäne tauchen Krankheitssymptome bei Peter auf und auch sein Test fällt positiv aus. Auch Peter widmet sich der nötigen Nachforschung über seine sozialen Kontakte und so wie allen anderen Betroffenen, kommen ihn viele Fragen in den Sinn. Peter stellt die Fragen nicht anklagend oder vorwurfsvoll, wichtig ist für ihn die Aufarbeitung, die Gewissheit.

Meldepflicht

Die Situation scheint klar zu sein. Das Land Tirol informiert laufend über die nötige Vorgangsweise bei einer meldepflichtigen Krankheit im Gastgewerbe: „Die Gesundheitsbehörden weisen einmal mehr darauf hin, dass es unter anderem auch für InhaberInnen von Gast- und Schankbetrieben bei meldepflichtigen Erkrankungen, zu denen auch das Coronavirus zählt, eine gesetzliche Verpflichtung gibt, Erkrankungen zu melden. In den letzten Tagen konnten gewisse Zusammenhänge seitens der Gesundheitsbehörden erst nach Rückmeldungen aus der Bevölkerung und nach darauffolgend nochmaligen Nachgehen der Gesundheitsbehörden aufgeklärt werden. Das Land Tirol weist ausdrücklich darauf hin, dass LokalbesitzerInnen bei Nichtanzeige einer meldepflichtigen Krankheit eine Anzeige nach dem Epidemiegesetz droht.“

Im Betrieb

Die Hektik an diesem Freitag war groß, der Schockmoment über die getroffenen Verordnungen und medialen Mitteilungen der Verantwortlichen, die Unsicherheit über die nächsten Schritte, die Konfrontation mit einer vollkommen neuen Situation. Im Gastbetrieb macht die Erkrankung der Kollegin schnell die Runde. Telefonisch hat sie ihren Chef und die Kollegen informiert. Die Stimmung schwankt zwischen „Es wird schon nicht so schlimm sein.“ Bis zu „Wir müssen was unternehmen“. Außer dem Telefonat der Kellnerin gab es aber keine weiteren Unterlagen oder sichere Hinweise auf die nötigen Verhaltensweisen. Die Mitarbeiter erkundigen sich beim Lokalbesitzer über die weitere Vorgangsweise. Zu einem Zeitpunkt, wo die Verordnung über die baldige Schließung der Gastronomiebetriebe der Öffentlichkeit übermittelt wird, einzelne Gastrobetriebe bereits am gleichen Tag ihre Türe einstweilen verschließen. Am Nachmittag sollen die Mitarbeiter ein kurzfristiges Zeichen gesetzt und das Lokal vorübergehend geschlossen haben, eher der Lokalbesitzer das Lokal wieder öffnet. "Das ist doch alles nur Hysterie", soll seine Rechtfertigung gewesen sein. Zwei Tage später ist das Lokal wie allen anderen in Innsbruck geschlossen. Die Behörden wurden von der Stadtblatt-Redaktion über ihre Recherchenergebnisse informiert.

Peter*= Name von der Redaktion geändert, der Name ist der Redaktion bekannt

Kommentar von Georg Herrmann

Die Stadtblatt-Redaktion hat den oben geschilderten Fall aus Innsbruck ausführlich recherchiert, die Fakten gecheckt und gegengecheckt und die Behörden entsprechend informiert. Diese sind an einer raschen Aufarbeitung des Falls interessiert und können den Ablauf entsprechend rekonstruieren. Die Berichterstattung über derartige Situation ist für alle Medien eine große Herausforderung. Anonyme Hinweise, Verdächtigungen, Anschuldigungen treffen leider immer wieder in der Redaktion ein. Oft zeigt sich schon bei den ersten Schritten der Recherche, dass nicht immer ein Fehlverhalten anderer vorliegt. Auch ist die Berücksichtigung des zeitlichen Ablaufs der behördlichen Schritte von Bedeutung. Ermittlungen des Umfelds von positiv getesteten Personen sind in der verständlichen Stresssituation eines Corona-Erkrankten nicht einfach und nehmen ebenso Zeit in Anspruch wie die telefonische Verständigung von Kat. I Personen und die Bescheiderstellung. Für eine nachvollziehbare und transparente Aufarbeitung von unklaren Fällen bedarf es der konstruktiven Zusammenarbeit aller beteiligten Personen. Ansonsten laufen wir Gefahr, nicht Fragen zu beantworten, sondern Panik und Unsicherheit zu erzeugen.

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