Westbahntheater
Wenn der Vergleich betroffen macht

Dem Westbahntheater gelingt in der Regie von Hausherr Konrad Hochgruber eine der eindringlichsten und dichtesten Produktionen.
  • Dem Westbahntheater gelingt in der Regie von Hausherr Konrad Hochgruber eine der eindringlichsten und dichtesten Produktionen.
  • Foto: Andrea Praxmarer
  • hochgeladen von Georg Herrmann

INNSBRUCK. So eine Pandemie verengt den Blick, das dämmert einem schon nach den ersten Minuten in Daniel Kehlmanns Stück „Die Reise der Verlorenen“. Die eigenen Betroffenheiten machen einen nur allzu leicht blind für das, was sich offenbar unentwegt wiederholt. Wenn etwa der kubanische Ministerpräsident den 1000 jüdischen Flüchtlingen auf dem Kreuzfahrtschiff der HAPAG die Einreise mit erstaunter Unschuldsmiene verweigert. Schließlich habe Kuba bereits mehr Flüchtlinge aufgenommen als jedes andere Land.

Ausnahmeproduktion

Kehlmann hat diese leider wahre Geschichte aus dem Jahr 1939 zu einem Dokudrama geformt, in dem er die Figuren das Erlebte und Getane immer auch aus der Retrospektive lakonisch kommentieren lässt. Denn hätten sie anders gehandelt, wäre das Stück ein anderes. Und die moralische Botschaft legt er ausgerechnet Nazi-Steward Otto Schiendick in den Mund. „Es ist nie egal, auf welcher Seite man steht.“ Keine Frage: Kehlmann ist ein erstklassiger Autor, und sein Stück schlägt einen durch die pointierten Sequenzen und sich selbst enthüllenden Figuren von der ersten Minute in seinen Bann. Dem Westbahntheater gelingt in der Regie von Hausherr Konrad Hochgruber jedenfalls eine der eindringlichsten und dichtesten Produktionen, die jemals an diesem Theater zu sehen waren. Das Ensemble, das sich ja großteils aus Amateuren rekrutiert, spielt sich dabei in geradezu lichte Höhen. Raffiniert und wirkungsvoll auch die leicht schwankende Bühne des Ausstattungsduos Sieglinde Michaeler und Walter Granuzzo. Und wenn die Figuren zuletzt von ihrer Quarantäne erzählen, relativiert sich vieles, um nicht zu sagen alles. (CF)

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