"Das Gehirn" des Bahnverkehrs im Westen

Auf den ersten Blick wirkt der Arbeitsplatz von ÖBB-Fahrdienstleiterin Regina Rauth mehr als kompliziert. Dementsprechend müssen Bewerber auch mehrere Schulungen und Tests durchlaufen, bevor sie schließlich Verantwortung übernehmen dürfen.
  • Auf den ersten Blick wirkt der Arbeitsplatz von ÖBB-Fahrdienstleiterin Regina Rauth mehr als kompliziert. Dementsprechend müssen Bewerber auch mehrere Schulungen und Tests durchlaufen, bevor sie schließlich Verantwortung übernehmen dürfen.
  • Foto: ÖBB/Kapferer
  • hochgeladen von Andreas Marksteiner

Rund 1.000 Zugfahrten werden in Tirol und Vorarlberg täglich von der ÖBB-Betriebsführungszentrale (BFZ) in Innsbruck aus gesteuert. Vor zehn Jahren ging sie als die damals österreichweit erste solche Zentrale in Betrieb.

Etwaige Störungen und Hindernisse früh zu erkennen, entsprechend darauf zu reagieren – indem etwa Züge umdisponiert und neu koordiniert werden – und somit für einen weitgehend störungsfreien Bahnbetrieb zu sorgen, das sind im Wesentlichen die Aufgaben der FahrdienstleiterInnen der ÖBB. Heute wird all das großteils zentralisiert vom "Tower" am Innsbrucker Hauptbahnhof aus koordiniert. Vor dessen Inbetriebnahme war man noch auf elektromechanische Stellwerke angewiesen. Ein noch älteres, bis 1998 in Hochfilzen eingesetztes und gänzlich mechanisches Stellwerk ist noch in einem Vorraum der BFZ ausgestellt. Mittlerweile ist die technische Unterstützung aus dem Arbeitsalltag der MitarbeiterInnen (immerhin fünf der 105 Beschäftigten sind Frauen) aber nicht mehr weg zu denken.

Steuerung per Mausklick

So stehen insgesamt 19 Hightech-Arbeitsplätze mit je elf Monitoren in einem 300 Quadratmeter großen Büro für die FahrdienstleiterInnen zur Verfügung. Ganz einfach per Mausklick können sie dort sämtliche Informationen abrufen und täglich ca. 910 Weichen und 2.650 Signale fernsteuern. Während sich der Zuständigkeitsbereich vor zehn Jahren noch auf die 80 Kilometer lange Strecke zwischen Brenner und Brixlegg beschränkte, erstreckt er sich mittlerweile von Saalfelden im Pinzgau bis hin nach Hohenems in Vorarlberg. Allerdings liegen nicht sämtliche Bahnhöfe und Strecken dazwischen in der Verantwortung der Innsbrucker Zentrale sondern nur 73 Prozent davon. "Nicht jedes Stellwerk kann sofort ersetzt werden", erläutert der Leiter der BFZ Jürgen Grindhammer. Das sei zum Beispiel nicht sinnvoll, wenn etwa die jeweilige "wirtschaftliche Nutzungsdauer noch nicht verstrichen ist". Bis 2031 sollen dann Tirol und Vorarlberg aber zur Gänze von der BFZ-Innsbruck aus gesteuert werden.

Sicherheit, Pünktlichkeit und Produktivität

"Das Ziel war, die Sicherheit auf hohem Niveau zu halten, die Pünktlichkeit zu verbessern und die Produktivität zu steigern", erklärt Robert Abfalterer, Regionalleiter für die Betriebsregion West bei den ÖBB. Und genau dies sei über das letzte Jahrzehnt auch gelungen. Unter anderem konnte laut eigenen Angaben die Pünktlichkeit im Nahverkehr von knapp 95 Prozent noch weiter verbessert werden, auf einen Bestwert von 98 Prozent aus dem Jahr 2014. Zudem sei ein einzelner Fahrdienstleiter heute für rund 75.000 Zugkilometer im Jahr zuständig. Im Jahr 2006 waren es noch ca. 50.000. Diese Ausweitung des Verantwortungsbereichs der MitarbeiterInnen bringe zwar eine Produktivitätssteigerung, genauso aber auch einen geringeren Personalbedarf mit sich. Zur Gänze wird man auf den Faktor Mensch aber auch in Zukunft nicht verzichten können. Das weiß auch Gerfried Neurauter, der zum Jahreswechsel den Posten des Regionalleiters von Robert Abfalterer übernehmen wird: "Die ganze Technik nützt einem nichts, wenn kein qualifiziertes Personal vorhanden ist."

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