Innsbrucker Polit-Ticker
Alte Talstation wird zum „Stadtteilzentrum/Haus der Vereine/Offenes Haus für Igls“

Mit fast 5.000 gezählten Fahrten wurden an der städtischen Zählstelle an der Karwendelbrücke bisher die meisten Radbewegungen gezählt.
  • Mit fast 5.000 gezählten Fahrten wurden an der städtischen Zählstelle an der Karwendelbrücke bisher die meisten Radbewegungen gezählt.
  • Foto: IKM/Guliani
  • hochgeladen von Georg Herrmann

INNSBRUCK. Die Entscheidungen des Innsbrucker Stadtsenats zum neuen Stadtteilzentrum Igls, Verbauung Casino Vorplatz, einen klimaneutralen Stadtmagistrat und zur Ausstellung "Fahr Rad" mit Kosten von rund 87.000 Euro. Ein "Masterplan Gehen Innsbruck" wird beantragt. Die Bilanz der Radzählstellen und der Karwendelbrücke als Innsbrucks Fahrrad-Hotspot. Die Grünen stellen das leistbare Wohnen in den Mittelpunkt. 

Stadtteilzentrum Igls

Die aufgelassene Talstation der alten Patscherkofelbahn soll zum offenen Stadtteilzentrum werden. Das Konzept dafür wurde von einer Arbeitsgruppe erarbeitet, die sich mit einer möglichen Nachnutzung der Talstation beschäftigt hat. Der Stadtteilvertretung Igls zufolge bieten die Räume der Talstation Platz für kulturelle, traditionelle, sportliche und gesundheitsbezogene Veranstaltungen und Aktivitäten. „Allerdings müssen zuvor die betreffenden Grundstücke von der IVB an die Stadt übertragen werden“, erklärt Bürgermeister Georg Willi. „Derzeit befindet sich das Grundstück, auf der sich die alte Talstation befindet, nämlich noch im Eigentum der IVB.“ Auch die Igler Vereine sollen in den Räumlichkeiten untergebracht werden. Zusätzlich wird ein „Co-Working-Space“ für Kreative aus der Region geschaffen. Das Projekt „Stadtteilzentrum/Haus der Vereine/Offenes Haus für Igls“ beschloss der Stadtsenat einstimmig in seiner heutigen Sitzung, es wird in weiterer Folge dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgelegt.

Nutzung Casino Vorplatz

Der Stadtsenat sprach sich in seiner jüngsten Sitzung einhellig dafür aus, mögliche Nutzungsmodelle im Bereich des Casino Vorplatzes prüfen zu lassen. In einem ersten Schritt erarbeitet die Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG) gemeinsam mit der Stadtplanung Grundlagen für eine teilweise bauliche Entwicklung an diesem Standort. „Der Bereich bietet nicht nur hohes Nutzungspotential, sondern auch Verbesserungsmöglichkeiten hinsichtlich Stadtbild, Architektur- und Aufenthaltsqualität“, betont der Bürgermeister.

Klimaneutraler Stadtmagistrat

Das Amt Verkehrsplanung, Umwelt wurde im Vorjahr beauftragt, ein Konzept für einen „Klimaneutralen Stadtmagistrat“ zu erarbeiten. Dieses ist derzeit in fünf Handlungsfelder unterteilt: Mobilität, Gebäude, Beschaffung, EDV und Events. Während die IIG konsequent an der energetischen Verbesserung des stadteigenen Gebäudebestandes arbeitet und von IVB-Seite ein gutes Angebot öffentlicher Verkehrsmittel bereit steht, wird die Stadt selbst im Handlungsfeld Mobilität ein betriebliches Mobilitätsmanagementkonzept (MMK) erarbeiten – das hat der Stadtsenat mehrheitlich befürwortet. „Ich freue mich, dass wir als Landeshauptstadt Vorbild sein wollen und werden und uns in Richtung Klimaneutralität bewegen. Dazu gehört auch, das eigene Haus und seine Wege klimaneutral zu machen.“ Das Konzept dafür wird von einem externen Büro erstellt. „Letztlich soll ein Katalog mit konkreten Maßnahmen zu einer klimafreundlichen Mobilität für den Magistrat sowie seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erarbeitet werden“, hält die ressortzuständige Stadträtin Uschi Schwarzl fest. Die finanziellen Mittel dafür betragen knapp 40.000 Euro.

Neuer Geh- und Radweg Richtung Natters

Im Rahmen des Masterplans Radverkehr 2030 werden unter anderem regionale Radrouten ausgebaut, welche relevante Zielpunkte bzw. Nachbargemeinden verbinden. Diese sollen durchgängig befahrbar sein und als kombinierte Geh- und Radwege geführt werden. Auch bei der Radroute von und nach Natters handelt es sich um eine solche Radroute. Mit einstimmigem Beschluss des Stadtsenats werden stadtseitig die finanziellen Mittel bereit gestellt, entlang der B182 Brennerstraße, zwischen der Tourismusinformation Ibk-Süd bis zur Gemeinde Natters, einen kombinierter Geh- und Radweg zu errichten. „Mit diesem Lückenschluss gelingt es, die Nachbargemeinden Natters und in weiterer Folge das Stubaital an Innsbruck anzubinden“, freut sich Mobilitäts-Stadträtin Uschi Schwarzl über die so entstehende erste durchgehende Radwegverbindung vom Innsbrucker Zentrum bis in eine höher gelegene Nachbargemeinde, der bald weitere folgen sollen. Die Kostenanteile für die Stadt Innsbruck betragen rund 990.000 Euro. In weiterer Folge wird nun ein Antrag auf Förderung beim Land Tirol gestellt. Zusätzlich wird das Projekt zur Förderung beim Bund „klimaaktiv“ eingereicht.

Begleitprogramm zur Ausstellung „Fahr Rad!“

Bewusstsein schaffen ist das Motto der Ausstellung „Fahr Rad!“, die im Maßnahmenpaket des Masterplans Radverkehr 2030 enthalten ist. Die Ausstellung wurde vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main konzipiert und ist seitdem als Wanderausstellung in Europa unterwegs. Auch in Innsbruck macht „Fahr Rad!“ in der Stadtbibliothek vom 8. Juni bis 25. August 2021 Station. Die Ausstellung wurde bereits im Vorjahr vom Stadtsenat genehmigt. Zusätzlich ist ein buntes Rahmenprogramm geplant, um möglichst viele Besucherinnen und Besucher verschiedener Alters- und Zielgruppen anzulocken. Auch Veranstaltungen von Kooperationspartnerinnen und -partner sind in Form von „Rad.Vorträgen“, „Rad.Exkursionen“, „Rad.Kino“ usw. geplant. Die Kosten für Ausstellung samt Begleitprogramm belaufen sich auf rund 87.000 Euro und werden teilweise mittels Förderungen sowie Sondermitteln von Kooperationspartnerinnen und -partnern lukriert. Der Antrag wurde vom Stadtsenat mehrheitlich angenommen.

"Masterplan Gehen Innsbruck"

Strategien zur Begegnung des Klimawandels werden vor allem auf lokaler Ebene in den Städten und Gemeinden umgesetzt, teilt die Liste Für Innsbruck in einer Aussendung mit. Das bundesweite Aktionsprogramm „klimaaktiv mobil“ unterstützt die Kommunen dabei mit umfassenden Informationen, aber neuerdings vor allem auch mit monetären Anreizsystemen. Die Stadt Innsbruck soll diese Chance nutzen und bestmöglich Förderungen für städtische Fußgängerprojekte in Wien lukrieren. Der dafür erforderliche "Masterplan Gehen" wird seitens Für Innsbruck im nächsten Gemeinderat beantragt. "Wir wollen den vielen Fußgängerinnen und Fußgängern in unserer Stadt attraktive, sichere und schnelle Verkehrswege anbieten, um von A nach B zu kommen. Während sich die Verkehrspolitik aktuell sehr intensiv auf Fahrräder konzentriert, wollen wir die Fußgänger stark in den Vordergrund rücken und zusätzlich umfangreiche Bundesmittel aus dem Aktionsprogramm 'klimaaktiv mobil' nach Innsbruck holen. Das ist für unsere Generationen wichtig, gut fürs Klima und schont zudem die Stadtkasse", so Für Innsbruck Familien- und Wirtschaftsstadträtin Christine Oppitz-Plörer.

Fußgängerfreundliche Stadt

Ausgehend vom Congresshaus, der Hofburg über das Landestheater, das Haus der Musik, das Treibhaus, die Universität und das MCI über Jesuitenkirche, die Synagoge, die Bogenmeile, das Z6, das Alexihaus, die Bäckerei Kulturgaststube bis hin zum Zeughausareal sind vielfältigste Kulturinstitutionen angesiedelt. "Besondere Priorität hat für uns, die Gestaltung des öffentlichen Raumes im Kulturquartier 'vom Inn bis zur Sill' voranzutreiben und endlich fertigzustellen. Hier möchten wir den öffentlichen Raum mit einer schönen Gestaltung und großzügigen Begegnungszonen vor allem für FußgängerInnen massiv aufwerten. Die Gestaltung dieses weitläufigen und wichtigen Areals könnte eine erste wichtige Etappe in Richtung einer besonders fußgängerfreundlichen Stadt Innsbruck sein", so Für Innsbruck Umwelt- und Kultursprecherin GR Theresa Ringler.

Gesunder Fußgängerverkehr

"Neben einer Verbesserung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum wollen wir vor allem kurze Wege ermöglichen: denn Fußverkehr ist der umweltfreundlichste und gesündeste Verkehr in einer Stadt. Mit einem konkreten Masterplan samt guten Projekten können wir bis zu 50% der Kosten über den Bund gefördert bekommen und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität massiv verbessern. Das verstehen wir unter intelligenter Stadtentwicklung", so der Vorsitzende des Ausschusses für Stadtentwicklung, Wohnbau und Projekte, Für Innsbruck Sprecher für Stadtentwicklung, Klubobmann GR Lucas Krackl.

Fußgänger stärken

"Wir wollen die Fußgänger gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern deutlich stärken. Auch wenn der Radmasterplan in seinen Maßnahmen die Fußgänger mitnennt, sehen wir diese jedoch zu wenig mitgedacht. Niemand soll aufgrund politischer Haltungen unter die Räder kommen", schließen Oppitz-Plörer, Krackl und Ringler unisono. 

Bilanz der Radzählstellen

Mit fast 5.000 gezählten Fahrten wurden an der städtischen Zählstelle an der Karwendelbrücke bisher die meisten Radfahrerinnen und Radfahrer gezählt. Der Wert von exakt 4.996 Fahrten wurde letzten Freitag erreicht. Mit mehr als 4.000 Fahrten an der Zählstelle hinter der Hauptuniversität und etwa 3.000 gezählten Fahrten beim Sillpark und am Prandtauerufer wurden auch hier die bisherigen Spitzenwerte des Jahres erreicht. An insgesamt zehn Stellen werden Radfahrerinnen und Radfahrer im Innsbrucker Stadtgebiet gezählt – teilweise sichtbar mit Anzeigesäulen, teilweise verdeckt im Boden. Die Zahlen werden regelmäßig, etwa für den Ausbau der Radrouten, evaluiert.

IMAD Studie

Für Mobilitätsstadträtin Uschi Schwarzl sind die hohen Radverkehrszahlen Grund zur Freude: „Das Fahrrad ist sowohl ökologisch als auch in Sachen Platzverbrauch unschlagbares Verkehrsmittel. Deswegen setzt die Stadt Innsbruck darauf, mit dem Radmasterplan auch andere Routen, als die bereits gut ausgebauten entlang des Inns oder in die Höttinger Au, zu erschließen. Aus einer repräsentativen Umfrage des Innsbrucker Meinungsforschungsinstituts IMAD wissen wir, dass das Fahrrad im Sommer für die Innsbruckerinnen und Innsbrucker das liebste und meistgenutzte Verkehrsmittel ist.“ Knapp 40 Prozent der InnsbruckerInnen nutzen in der warmen Jahreszeit fast täglich das Fahrrad, doppelt so viele wie Öffis oder einen Privat-PKW. Im Winter liegen die Öffis an erster Stelle der meistgenutzten Verkehrsmittel, das Fahrrad nützen zu dieser Zeit nur weniger als halb so viele Menschen wie im Sommer.

Raum fürs Rad

„Die Klimakrise verlangt nach einer Änderung des Mobilitätsverhaltens, das zeigen auch die jüngsten Verhandlungen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes auf nationaler und internationaler Ebene“, unterstreicht Schwarzl. Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer brauchen weniger Platz, aber auch der müsse im engen Straßenraum der Landeshauptstadt erst geschaffen werden. „An manchen Kreuzungen sind wir mit dem Platz für den Individualverkehr und für den öffentlichen Verkehr bereits am Anschlag. Unser vorderstes Ziel ist die Attraktivierung für Fahrräder und für den öffentlichen Verkehr. Aber wenn Busse und Straßenbahnen im Stau stehen, damit es mehr Platz für Fahrräder gibt, hat der sogenannte Umweltverbund der ökologischen Verkehrsmittel auch nichts davon“, erklärt die Mobilitätsstadträtin. Aus diesem Grund arbeitet die Stadt mit Hochdruck an Grundstücksverhandlungen und an Kreuzungsprojekten, um mehr Raum für Fahrräder zu schaffen, ohne damit Busse und Straßenbahnen zu bremsen.

Leistbarer Wohnraum

Wohnen in Tirol und insbesondere im Zentralraum wieder leistbar zu machen, sehen die Tiroler und Innsbrucker Grünen als eines ihrer wichtigsten Themen und gleichzeitig als die größte Herausforderung an wird in einer Aussendung festgehalten. Beiträge wie die Forschungsergebnisse von Prof. Huber von der Universität Innsbruck, welche heute in der Tiroler Tageszeitung veröffentlicht wurden, sind für die Innsbrucker Grünen daher ein wertvoller Beitrag, auch wenn die Grünen nicht alles davon teilen. "Die Lage am privaten Wohnungsmarkt ist inzwischen so prekär, dass es für uns keine Denkverbote mehr geben kann. Wir begrüßen ausdrücklich jeden Vorschlag, wie wir leistbaren Wohnraum realisieren können, auch oder sogar dann, wenn dieser scheinbar schwer umsetzbar scheint", so die Sprecherin für Wohnen der Innsbrucker Grünen, Renate Krammer-Stark, und der Grüne Wohnsprecher im Tiroler Landtag, Michael Mingler.

Gemeinnütziger Wohnbau

Für die beiden Grünmandatare liegt der Schlüssel zum Durchbrechen der Preisspirale am Wohnungsmarkt in der Forcierung des städtischen und gemeinnützigen Wohnbaus. "Die gemeinnützigen Wohnbauträger sind ebenso wie die IIG unsere wichtigsten strategischen Partner im leistbaren Wohnen. Unser Ziel muss sein, den Anteil an gemeinnützigen und deshalb auch leistbaren weil preisgebundenen Wohnungen am Markt deutlich zu erhöhen. Der Schlüssel hierfür sind mehr Gründe für den objektgeförderten Wohnbau. Das Instrument der Vorbehaltsflächen muss gerade im Zentralraum und anderen Regionen mit hohem Druck am Wohnungsmarkt endlich flächendeckend angewandt werden. Gerade große unbebaute Baulandflächen könnten mit den geltenden Regelungen der Raumordnung in den Gemeinden als Vorbehaltsflächen für leistbaren Wohnraum aktiviert werden. Das muss man nur tun und hier braucht es einfach mehr Mut", so Krammer-Stark und Mingler in Richtung der Bremser, die auch im Innsbrucker Gemeinderat eine Anwendung dieses Instruments verhindert hatten.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Von den Vorschlägen von Huber unterstützen die beiden Grünmandatare insbesondere die Transferierung der Raumordnungskompetenz von den Gemeinden zum Land. "Leider ist das rechtlich nicht so leicht möglich, weil diese Zuständigkeit der Gemeinden bundesverfassungsrechtlich abgesichert ist. Aber solange die Widmungshoheit verfassungsrechtlich bei den Gemeinden liegt, wäre eine Stärkung der überörtlichen Raumordnung gerade im Bereich des geförderten Wohnbaus sinnvoll", so der Grüne Wohnsprecher im Tiroler Landtag. Bestärkt sieht sich Krammer-Stark durch die Studie von Huber auch in der von Bürgermeister Willi schon lange erhobenen Forderung, von Landwirten genutztes Bauland stärker zu besteuern. "Die Beendigung der steuerlichen Bevorzugung bei der Grundsteuer wäre nicht nur fair, sondern würde auch die Position der Kommunen bei der Aktivierung dieser Gründe für leistbares Wohnen stärken", schließt Krammer-Stark.

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