Paul Fülöp bei Donnerstagsdemo in Innsbruck
Wir sind alle Flüchtlinge - Dialog und Umgang mit Menschen

Ich habe bei der Donnerstagsdemo in Innsbruck einen Beitrag gebracht, den ich hier wortwörtlich so wiedergebe wie ich ihn unter der Annasäule vor den zahlreich versammelten Menschen gesprochen und vorgetragen habe.
Möge er zum liebevollen Nachdenken motivieren und dem Frieden unter uns Menschen dienen.
Wer will, kann mir gerne eine Rückmeldung geben.
Ich würde mich darüber freuen: paul@poesiemosaik.at

Ich heiße Paul Fülöp, bin freischaffender Künstler, Autor, Schriftsteller, Poet und Philosoph.
Webseite: www.poesiemosaik.at

Mein Beitrag:

Ich möchte heute über uns reden, über uns, die wir dastehen, um gesellschaftlich sozial fruchtbringend etwas zu verändern, zunächst ein poetischer Mosaikgedanke über „Wir sind alle Flüchtlinge“, anschließend eine kurze Rede über die Idee zum Dialog und Umgang mit Menschen.

Wir sind alle Flüchtlinge

wir sind alle Flüchtlinge
wir fliehen alles
was uns bedrohlich erscheint
sogar vor unserem eigenen Glück
wenn es uns fremd geworden ist

wir fliehen vor uns selbst
weil wir Angst davor haben
uns selbst kennen zu lernen

wir fliehen den anderen
weil wir die Sprache zu ihm verloren haben
und erkennen müssen
dass wir stumm geworden sind

wir flüchten in digitale Welten
wo wir die Einsamkeit kaschieren können
wir wandern aus ins Internet
wo wir anonym verborgen unsere Sehnsüchte betäuben können

wir fliehen in das Schweigen
weil die Worte zertrampelt worden sind

wir laufen im Kreis der Verzweiflung
weil uns die Brücken zur Menschlichkeit
zerstört worden sind

wir fliehen vor unserer eigenen Flucht
und verkrampfen uns in verhärtete Einstellungen
aus denen wir keinen Ausweg mehr finden
die Ausweglosigkeit
zerdrückt und tötet uns
lässt uns ertrinken in blutigen Meeren
köpft die Hoffnung an Mauern und Grenzen
wirft Kinder und Mütter in den Strudel der Macht
zerhackt die Väter zum Fraß der Hyänen
und stößt den Menschen
in den versteinerten Abgrund
der Menschenlosigkeit

jetzt sind Menschen keine Menschen mehr
sie sind nur noch Flüchtlinge
ohne Namen
ohne Gefühle
ohne Recht auf Menschlichkeit

eine Masse
die abgeschoben wird
zubetoniert von Gesetzen
gefangen in den Kammern der Sinnlosigkeit
könnte Rettung noch
zur Rettung werden
wo der Keim der Vernunft
sich in Liebe und Erkenntnis wandelt

Die Rede zu Dialog und Umgang mit Menschen

Wir sollten den Frieden nicht nur von anderen erwarten,
sondern sollten ihn in erster Linie auch selber leben:
im Gespräch in Verständigung in Veränderung in Liebe

wenn wir Frieden stiftend sein wollen,
müssen wir das Unmenschliche, das Ungerechte und Unsoziale,
die Mechanismen von Unterdrückung und Ausgrenzung kritisch betrachtend
in die Bewegung und Demonstration unseres - Vernunft getragenen - Widerstandes einsetzen,
wir dürfen dabei nicht den Menschen verachten und bekämpfen,
dürfen nicht personelle Feindbilder schüren, aufbauen oder in hasserfüllte Fronten setzen,
sondern wir müssen die Ideologien, aus denen sich diese
Un-Zufriedenheiten, diese Missstände populistisch begründen, in die Flüsse unserer eindeutig dagegen protestierenden Auseinandersetzungen einfließen lassen, nicht durch Gewalt und Waffen,
nicht durch feindliche Parolen oder aggressive Ausschreitungen, sondern durch klare Worte und Handlungen gemäß unserer moralisch-ethischen Möglichkeiten und wachsenden Einstellungen.

Achten wir bitte dabei auf unsere eigene Sprache und reflektieren wir immer wieder überprüfend unsere eigenen Ansichten und Sichtweisen, wo sie ungewollt möglicherweise den Weg zum Frieden behindern oder sogar gefährden.
Strengen wir uns an, damit wir nicht den Frieden verpassen, und somit auch den eigenen Dialog mit uns selbst und den Menschen.
Strengen wir uns an, damit wir nicht den Frieden verpassen!

Wir könnten uns zum Beispiel bemühen, im Flüchtling den NICHT-Flüchtling zu erkennen und zu sehen, indem wir ihm als „Mensch“ begegnen:
in Augenhöhe mit uns, nicht auf ihn herabschauen, ihn nicht nur bemitleiden,
ihn nicht von uns verschieden behandeln,
sondern ihn in seiner Geschichte, in seinen Gefühlen und Erlebnissen
annehmen und zu verstehen versuchen, ihn sagen lassen, was er denkt und fühlt,
uns auf ihn einlassen, um ihn somit aus seiner „Flüchtlingsrolle“ zu befreien.

Reduzieren wir den Menschen nicht auf seine äußere Lage,
nicht auf seine sozialen Umstände, nicht auf seinen Bildungsgrad.
Urteilen und bewerten wir ihn bitte nicht nach unseren noch so gut gemeinten Maßstäben,
sondern horchen wir hin, was er spricht und wie er fühlt.

Lernen wir zu erfahren, wodurch der andere Mensch Vertrauen gewinnen kann,
Vertrauen zu uns und zu sich selbst.
Zeigen wir ihm, dass wir bereit sind, ihn zu verstehen,
und üben wir Toleranz dort, wo wir nicht verstehen.

Lieben wir, indem wir erkennen, dass der andere Mensch genauso ein Mensch ist wie wir, wie ich und du, mag er auch noch so verschieden von uns sein.
Begreifen wir bitte, dass wir uns nur durch Verschiedenheit entwickeln können,
dass wir nur in der Vielfalt von Erlebnissen und Kulturen reifen können.

Machen wir uns das Fremde vertraut, indem wir uns selbst in unseren Gefühlen öffnen,
laufen wir nicht fort vor dem Fremden und Unbekannten, denn dann laufen wir nur vor uns selber fort, vor unseren eigenen Gefühlen und vor unseren wachsenden Überzeugungen.

Bereiten wir uns darauf vor, mit anderen Menschen unsere Freude zu teilen,
dann brauchen wir uns nicht mehr darum zu kümmern, aus welcher Lage, aus welchen sozialen Umständen oder aus welchem Bildungsgrad heraus der andere Mensch uns begegnet, da wir gemeinsam in Freude, Toleranz und Liebe die Sprache der Begegnung gefunden haben.

Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit und für unser gemeinsames Erleben hier an der Annasäule in Innsbruck – danke

© Paul Fülöp

Autor:

Paul Fülöp aus Innsbruck

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