Gedenktafel für Diana Budisavljević enthüllt
SPOJI gratuliert Bürgermeister und Stadt Innsbruck zur Umsetzung

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Im Jahr 2010 starteten der Sozialdemokratische FreiheitskämpferInnenbund Tirol und der Serbisch Orthodoxe Jugendverein Innsbruck (SPOJI) gemeinsam die erste Initiative in Bezug auf Diana Budisavljević (geborene Obexer) und versuchten damals zu erreichen, dass eine Gedenktafel an ihrem Geburtshaus in der Maria-Theresien-Straße angebracht wird.
Was damals nicht gelungen ist, wurde durch das erneute Aufgreifen dieses Themas durch die Stadt Innsbruck zu Beginn des vergangenen Jahres, nach langer aber konstruktiver Diskussion, die auch internationales Interesse geweckt hat, im November 2020 einstimmig im Stadtsenat beschlossen. Diese Woche, am 7. April 2021, wurde die Gedenktafel coronabedingt im kleineren Kreis am "Obexer-Haus" auch enthüllt.

Die Mitglieder des Vorstandes des Jugendvereins SPOJI wollen mit folgendem Schreiben Bürgermeister Georg  Willi sowie den Mitgliedern des Stadtsenates und Kulturausschusses der Stadt Innsbruck und allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern dazu gratulieren:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Mitglieder des Stadtsenates der Stadt Innsbruck,
sehr geehrte Mitglieder des Kulturausschusses der Stadt Innsbruck,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

wir wollen Ihnen hiermit zur Einweihung der Gedenktafel für Diana Budisavljević (geb. Obexer) und ihre Helferinnen und Helfer am „Obexer-Haus“ in der Maria-Theresien-Straße herzlich gratulieren, da Sie damit 11 Jahre nachdem es die erste Initiative für die Anbringung einer Tafel an ihrem Elternhaus gab, einen historischen Punkt auf dieses Thema gesetzt haben. Das heißt aber nicht, dass ein Punkt auf die Erinnerungsarbeit rund um die „Aktion Diana Budisavljević“ gesetzt wurde. Im Gegenteil, mit den letztjährigen Beschlüssen einen Kindergarten nach ihr umzubenennen sowie die Gedenktafel endlich anzubringen haben Sie bewiesen, dass unsere Stadt Innsbruck bereit ist sich mit den dunklen Seiten des Zweiten Weltkriegs auseinanderzusetzen und eine moderne und im öffentlichen Raum präsente Erinnerungskultur zu leben.

Dabei hat die Stadt Innsbruck, rund um Herrn Bürgermeister Georg Willi, alles richtig gemacht, obwohl der Weg bis zur Umsetzung dieser Gedenktafel von Beginn an nicht der einfachste war. Als wir 2010 gemeinsam mit dem Sozialdemokratischen FreiheitskämpferInnenbund Tirols die erste Initiative gestartet und versucht haben eine Gedenktafel am „Obexer-Haus“ anzubringen waren wir nicht gerade erfolgreich. Aus dieser ersten Initiative wurden weitere Ideen geboren wie man Diana in Innsbruck posthum ehren kann, aber die Gedenktafel wurde „vergessen“ bis die Stadt Innsbruck Anfang 2020 diese Idee wieder auflebte. Es kam zum ersten Textentwurf der nicht gerade glücklich formuliert wurde, weshalb es zu einer monatelangen öffentlichen Diskussion kam für die wir nicht gerade „unverantwortlich“ waren. Aber auch als es dazu kam hat die Stadt Innsbruck wahre Größe bewiesen indem sie nicht einfach abblockte, sondern Gehör und Empathie zeigte und sich auf eine Diskussion einließ, die sich später als sehr fair und konstruktiv erwiesen hat.

Um nur einige zu nennen die Teil dieses Dialogs waren, darunter u.a. Experten wie die kroatische Historikerin Dr. Nataša Mataušić (seit 1999 Vorstandsmitglied und vormals langjährige Präsidentin der Gedenkstätte Jasenovac), die Historikerin Jasmina Tutunović-Trifunov (Museum für Genozidopfer Belgrad), der serbische Historiker Dr. Milan Koljanin (Institut für Zeitgeschichte in Belgrad), die noch einmal bestätigten, dass nach jahrelanger Forschung der jetzige wissenschaftliche und historische Stand besagt, dass Diana und ihre HelferInnen über 10.000 serbische und gegen Ende des Krieges zwei kroatische Partisanenkinder aus den KZs des damaligen faschistischen Ustaša-Regimes retten konnten. Auch Experten für Erinnerungskultur, Schriftsteller und Zeitzeugen wie auch Mag. Andreas Baumgartner (Vorsitzender Internationales Mauthausen Komitee), Historiker Dr. Horst Schreiber, Dr. Wilhelm Kuehs (Autor des ersten deutschsprachigen Buches über Dianas Aktion – „Dianas Liste“), Frau Jelena Radojčić und Herr Dušan Jerinić (beide als Kinder von Diana vor dem Völkermord gerettet) sowie die Vereinigung der Lagerinsassen des KZ Jasenovac sprachen sich für eine klare Benennung der Opfer sowie eine fundierte Textformulierung an der Tafel aus, die auf historischen Fakten und den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert.

Es gab leider auch Einwände die nicht mit historischen und wissenschaftlichen Argumenten untermauert waren, die aus diesem Thema ein reines Politikum machen wollten. Daher sind wir uns sehr wohl bewusst warum die Ausformulierung des Textes der Gedenktafel und der Beschluss dazu über ein halbes Jahr dauerten und es erst im November 2020 dazu kam. Auch hier hat die Stadt Innsbruck alles richtig gemacht, da sie so uns bekannt ist, weitere unabhängige Experten herangezogen hat, um ihre Meinung abzugeben.

Das Ergebnis ist die Gedenktafel die nach 11 Jahren schlussendlich am 7. April 2021 am „Obexer-Haus“ eingeweiht wurde, deren Text laut einer Vielzahl von Experten am ehesten den jetzigen historischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen nahe kommt, was ebenfalls großen Lob verdient, denn nicht in allen Städten werden Gedenktafeln und Denkmäler nach einer so genauen Aufarbeitung umgesetzt.

Erinnerungskultur, Geschichte sowie Wissenschaft und Forschungsarbeit sind lebendige Formen, die sich ständig ändern können. Dessen sind wir uns bewusst und sollte es in den Jahren vor uns zu neuen Erkenntnissen zu diesem Thema kommen, werden wir die ersten sein die sich dafür einsetzen werden, dass auch andere Opfergruppen beim Namen genannt werden und ihren Platz an der Gedenktafel finden. Das setzt eine moderne Erinnerungskultur voraus. Man darf dabei nicht pauschalisieren, da aus erinnerungskultureller Sicht, im Falle von u.a. Kriegen wie es der Zweite Weltkrieg war, nicht alle Kinder „nur Kinder“ und auch nicht alle Menschen „nur Menschen“ waren. Es muss eine klare Differenzierung zwischen Tätern und Opfern geben samt Erklärung weshalb die einen Täter und die anderen Opfer waren. Wenn man die Opfer nicht beim Namen nennt, haben letztendlich die Täter gewonnen und man würde das Ziel einer modernen Erinnerungskultur deutlich verfehlen.

Das ist in Innsbruck dank einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema „Aktion Diana Budisavljević“ nicht passiert, daher können wir alle als Bürgerinnen und Bürger der Stadt Innsbruck stolz unsere Stadt und Entscheidungsträger sein und sind davon überzeugt, dass diese Gedenktafel breite Akzeptanz erfahren und einen bedeutenden Beitrag zur Erinnerung an Diana und ihre Helferinnen und Helfer leisten wird sowie als Inspiration für die Fortsetzung einer erfolgreichen Erinnerungskultur in Innsbruck und Österreich dienlich sein wird.

In der Hoffnung, dass es bald auch eine Einweihung im größeren Kreise geben wird und wir alle miteinander die aktuelle Pandemie bezwingen werden, wünschen wir Ihnen viel Gesundheit, Erfolg und Einigkeit.
Hochachtungsvoll und mit freundlichen Grüßen,
Vorstand des Serbisch Orthodoxen Jugendvereins Innsbruck - SPOJI

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