Wirtschaft
Sanfter Aufschwung als Hoffnung, Erholung wird Jahre dauern

Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek im Gespräch mit Günther Schimatzek.
3Bilder
  • Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek im Gespräch mit Günther Schimatzek.


  • Foto: Günter Kresser
  • hochgeladen von Georg Herrmann

INNSBRUCK. Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek ortet in seinem diesjährigen Konjunkturausblick einen sanften Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte 2021, die Erholung werde freilich Jahre dauern. Tirol war im Österreichvergleich ganz klar Hauptbetroffener des Lockdowns, hier ist die Wirtschaft gegenüber dem Österreichschnitt von 7,2 Prozent sogar um 10 Prozent eingebrochen.

Ausblick

Raiffeisen Chefanalyst Peter Brezinschek und sein Team haben sich mit diesen Fragen intensiv beschäftigt – Seien Sie gespannt auf seine Ausführungen und nehmen Sie teil an unserer Online-Veranstaltung "Wirtschaftsprognosen 2021". Im Gespräch mit Günther Schimatzek bietet Peter Brezinschek einen interssanten und aufschlussreichen Ausblick auf die wirtschaftliche Zukunft.

Livechat mit wichtigen und interessanten Informationen.
  • Livechat mit wichtigen und interessanten Informationen.
  • Foto: BB
  • hochgeladen von Georg Herrmann

Erholungsphase

Erholt sich die Konjunktur 2021 vom COVID-19-Infekt? Das war die wenig überraschende Frage, die Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek seinem diesjährigen Jahresausblick voranstellte, welchen er am Donnerstagmorgen in Innsbruck präsentierte. Pandemiebedingt freilich nicht vor anwesendem Publikum, sondern online aus dem Innsbrucker Co-Working-Space Wundervoll. Die Antwort, die er den zahlreich zugeschalteten Teilnehmer*innen aus dem ganzen Raiffeisensektor in Tirol darauf gab, war ebenso wenig überraschend nicht ganz so wundervoll. An den Folgen dieser Infektion, so sein Fazit, wird die Weltwirtschaft noch Jahre laborieren. Immerhin erlebten wir im ersten Halbjahr 2020 den stärksten Wirtschaftseinbruch seit über 100 Jahren. Seit dem dritten Quartal ist zwar global ein starker Rebound erkennbar, im vierten Quartal dürfte sich der Aufschwung aufgrund der konstant steigenden COVID-19-Infektionszahlen und der damit verbundenen politischen Maßnahmen allerdings wieder deutlich verlangsamen. Dieser Trend sollte sich noch bis in die erste Jahreshälfte 2021 fortsetzen.

Die Prognose des BIP Wachstums.

Ost-West-Gefälle

Das BIP reduziert sich in der Eurozone 2020 um geschätzte −8,1 %, für 2021 erwartet Raiffeisen Research dann wieder ein Wachstum von +4,3 %. In Österreich brach das BIP um −7,2 % ein und dürfte 2021 um +3,5 % zulegen. Dabei ist im Bundesländervergleich ein klares Ost-West-Gefälle zu beobachten. Tirol liegt mit einem Minus von 10 Prozent deutlich über dem Österreichschnitt, was seiner Branchenstruktur und insbesondere der starken Abhängigkeit vom (Auslands-)Tourismus geschuldet ist. Allerdings sieht Raiffeisen Research hier im kommenden Jahr ein leicht höheres Wachstum von +4,5 %. Den Vor-Corona-Stand werden wir freilich erst 2023 erreichen. In den USA schrumpft die Wirtschaft in diesem Jahr um −5,3 %, hier wird im kommenden Jahr eine Steigerung des BIP um +4,0 % erwartet. Im Verlauf des nächsten Jahres zeichnet sich durch die wahrscheinliche Verfügbarkeit eines Impfstoffes eine leichte Konjunkturaufhellung ab, welche bei den von der Coronakrise besonders stark betroffenen Sektoren wie Industrie, Verkehr, Beherbergung/Gastronomie und sonstige Dienstleistungen einen entsprechend starken Aufholprozess auslösen wird.

Keine Liquiditäts- und Finanzkrise

Eine Liquiditäts- und Finanzkrise werde die Pandemie nicht nach sich ziehen, hielt Brezinschek in seinen Ausführungen fest. Dies sei aufgrund der massiven geld- und fiskalpolitischen Interventionen nahezu ausgeschlossen. Allerdings rechnet auch er mit einer Insolvenzwelle im kommenden Jahr. Die derzeitige Stärke des Euro erklärt sich laut Brezinschek durch die gesunkene Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa. Damit habe der Dollar an Attraktivität eingebüßt. Die noch die dagewesenen Fiskalprogramme der Regierungen führen global zu einer massiven Staatsverschuldung. Die expansive Geldpolitik sowohl in den USA wie auch in Europa verhindert zudem einen Renditeanstieg bei Anleihen. Die groß angelegten Wertpapierankaufsprogramme der Notenbanken fixieren wohl auf Jahre das extrem niedrige, teilweise negative Zinsniveau, so Brezinschek. Nutznießer dieser Entwicklung sind ganz klar die Aktienmärkte, die nach einem extremen Einbruch zu Beginn der Coronakrise in den Folgemonaten eine regelrechte Aufholgjagd an den Tag legten. Somit bleiben Aktien nach Brezinscheks Einschätzung tatsächlich längerfristig die einzige Vermögenskategorie mit realen Erträgen.

Politisch verordnet

Die aktuelle Situation ist für den Volkswirt "keine Krise des Kapitalismus, sondern eine politisch verordnete Entwicklung", welche neben einem angeordneten Angebotsschock und einem dadurch stark getroffenen Arbeitsmarkt auch einen massiven Nachfrageschock nach sich zog. Ein zweiter Lockdown sei in den jetzigen Prognosen von Raiffeisen Research nicht einberechnet, erklärte Brezinschek, wäre aber auch bar jeder wirtschaftlichen Vernunft. Nun gelte es, unternehmerische Tätigkeit zu fördern, wo es nur geht. Es brauche einen Wettbewerb der besten Ideen. Der Politik in Europa empfiehlt er zudem, mehr auf die Eigenkapitalentwicklung zu setzen.

Weitere Nachrichten aus Innsbruck gibt es hier

Du möchtest regelmäßig Infos über das, was in deiner Region passiert?

Dann melde dich für den meinbezirk.at-Newsletter an

Gleich anmelden

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Folge uns auf:
Die Bezirksblätter immer mit dabei! Mit der praktischen ePaper-App.


Gleich downloaden!

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen