20.10.2016, 10:01 Uhr

Abgesänge auf das Frausein

Im Kellertheater spielt Sibylle Bergs bitterböse Komödie „Die Damen warten“ (Foto: Kellertheater)

Kammerspiele und Kellertheater zeigen uns derzeit, wie unterschiedlich sarkastisch man das Thema „Frauen im Wechsel“ behandeln kann – eine Theaterkritik von Christine Frei.

INNSBRUCK. Es gibt Momente im Theater, da fühlt man sich selbst als zukünftige Adressatin eines Stückes wie etwa der Wechseljahre-Revue „Heiße Zeiten“ plötzlich wie ein Alien. Da blickt man angesichts von lauthalsem Gelächter bei der Schilderung von intimen Unreinlichkeiten nur noch verwundert um sich, da fragt man sich angesichts einer vollkommen überdrehten Eislutschszene einigermaßen erstaunt, was einem da wohl gerade ausgerichtet werden soll.


Bitterböse Komödie

Nun, Frauen ab fünfzig, das lehren uns sowohl das Intro in „Heiße Zeiten“ wie jenes in Sibylle Bergs bitterböser Komödie „Die Damen warten“, sind offenbar generell sexuell hochgradig unterversorgt. Angezählt sind sie sowieso. Sybille Berg legt dabei den Finger gekonnt in sämtliche Wunden, zeigt uns etwa mit der ihr eigenen sprachlich-intellektuellen Brillanz und der für sie typischen drastischen Direktheit ungeschönt den bissigen und diffamierenden Umgang der Frauen untereinander, „sobald nur ein männlicher Knochen in der Nähe ist“. Sie präsentiert uns zudem die zahllosen diabolisch-paternalistischen Facetten einer systemimmanenten Frauenfeindlichkeit. Schon das Set-up lässt daran keinen Zweifel: Denn ausgerechnet am Weltfrauentag spendiert der Staat den Frauen eine kostenlose Schönheits- respektive Wellnessbehandlung.

Kellertheater-Hausherr Manfred Schild hat diesen ebenso rasanten wie unbarmherzig systemkritischen Schlagabtausch jedenfalls mit hoher Präzision und einem erstklassigen Ensemble (Eleonore Bürcher, Ute Heidorn, Bernadette Heidegger, Nevena Lukic, Benjamin Lang) umgesetzt. Engagement und Spielfreude kann man auch den fünf Darstellerinnen Christa Platzer, Susanna von der Burg, Ruth Müller, Verena Pötzl und Cathérine Lanser in „Heiße Zeiten“ keinesfalls absprechen. Ganz im Gegenteil. Und wie gesagt: die meisten Frauen im Publikum hatten ganz offensichtlich ihren Spaß daran.


"FIguren sind ein einziges Klischee"

Aber sie hätten sich noch weitaus besser amüsieren können. Denn die Figuren sind ein einziges Klischee, die Dialoge himmelschreiend platt, die eingedeutschten Liedtexte zu den Gassenhauermelodien leider auch nur mäßig originell. Da wäre so viel mehr drinnen gewesen, an diesem Übergangsort Flughafen. Und natürlich stellt sich einem die Frage, warum sich ausgerechnet ein Mann dazu berufen fühlt, so eine Revue zu schreiben. Selbst an den Kammerspielen zeichnete für Regie (D. Albright), Ausstattung (M. D. Zimmermann), Musik (Hansjörg Sofka) und Dramaturgie (Axel Gade) ein ausschließlich männliches Team verantwortlich. Auch irgendwie schräg!
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