28.09.2017, 12:47 Uhr

Almen stehen vor der stärksten Zeit

Bernhard Schlechter ist bereits im Hochgebirge "zuhause". Seine Höttinger Alm wird bald die Heimat des "Kaserweibl".

Innovativ, engagiert und gastfreundlich – das STADTBLATT besuchte die Almen am Fuß der Nordkette.

Der Herbst – September, Oktober und auch November – das sind die umsatzstärksten Monate für Innsbrucks Almen. Wenn die Witterung es zulässt, sind sie bis zum Beginn der Adventszeit voll. "A guate Alm sperrt zu, wenn da Christkindlmarkt aufsperrt", bringt es Bernhard Schlechter, Pächter der Höttinger Alm, auf den Punkt.

Innsbrucker Einzigartigkeit

Vergangene Woche begleitete das STADTBLATT den Almreferenten StR Franz Gruber auf seiner Runde von der Arzler über die Umbrüggler zur Höttinger Alm – "um zu erfahren, wie das Geschäft läuft und wo der Schuh drückt", wie Gruber erklärt. Bereits auf dem Weg zur Arzler Alm wird klar, was für viele Innsbrucker beinahe selbstverständlich ist: "In wenigen Minuten ist man vom Stadtzentrum im alpinen Gelände", so Gruber.


Kinderwagen-Weg gefordert

Die erste Station – die Arzler Alm – ist das Reich von Johannes Anzengruber. Gemeinsam mit seiner Familie und sechs Angestellten (im Sommer) bewirtschaftet er die Alm seit vielen Jahren. "Wir sind noch eine richtige Alm. Mit eigener Landwirtschaft und Viehhaltung", betont der engagierte Wirt. 90 Prozent der verbrauchten Lebensmittel stammen bei Anzengrubers aus der eigenen Produktion. Der Rest wird von regionalen Partnern zugekauft. Dieser Fokus auf regionale Qualität brachten der Alm den Titel "Genusshütte" und etliche weitere Auszeichnungen ein. Schwieriger gestalten sich die Verhandlungen mit der Stadt, was notwendige Sanierungen von Teilbereichen und der kinderwagengerechte Ausbau des Weges zur Alm.


"Betrieb braucht 1.000 Tage"

Noch "zu früh für eine Bilanz" ist es für die Wirtin der Umbrüggler Alm – dem Vorzeigeprojekt der Stadtregierung. Die Oberländer Profi-Gastronomin Sonja Schütz hat den Betrieb nach seiner Fertigstellung Ende 2015 übernommen. Vor allem die Suche nach Stammpersonal gestaltete sich in der Anfangsphase schwierig. Das liege am Fachkräftemangel in der Gastronomie. Heute, gegen Ende von Jahr zwei, sei es gelungen, sich ein Fundament an Stammgästen zu erarbeiten. Nun gelte es, noch mehr Touristen aus der Innenstadt auf die Alm zu bringen, um die Auslastung zu steigern. "Es gibt da so eine Faustregel: Ein Betrieb braucht 1.000 Tage, bis man sagen kann, dass ein Konzept funktioniert", so Schütz.
Für die Höttinger Alm, die 1441 erstmals urkundlich erwähnt wurde, ist diese Zeitspanne ein Klacks. Seit 2001 führt Bernhard Schlechter die "Sport-Alm" der Stadt, die vor allem für Radfahrer ein beliebter Anlauf- oder besser Anfahrpunkt geworden ist. "Neuerdings sind es vermehrt E-Bike-Fahrer, die kommen", schmunzelt Schlechter. Im Herbst überwiegen aber die Wanderer.
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