30.09.2014, 09:16 Uhr

„Eine Jagd ist kein Mastbetrieb“ – Wildmeister Sieghard Köck im Portrait

Sieghard Köck Wildmeister im Revier Elmen-Martinau (Bezirk Reutte)
Wildmeister Sieghard Köck ist darauf bedacht, dass das Jagern von Jägern und Nicht-Jägern ganzheitlich verstanden wird: Neben der Tradition gehören vor allem die Hege und Pflege zu den wesentlichen Aufgaben eines Jägers.

Der Weg für das Gespräch mit Wildmeister Sieghard Köck führt dieses Mal in den Bezirk Reutte nach Elmen. Das Dorf bildet den Eingang ins Bschlabertal. Auf über 2300 Hektar erstreckt sich das Revier Elmen-Martinau, in dem Sieghard Köck seit 1981 als Berufsjäger tätig ist. Der vierfache Familienvater betreibt – gemeinsam mit seiner Frau Marlen – eine kleine Landwirtschaft und bekleidet zudem federführende Positionen in verschiedenen Vereinen sowie Arbeitsgruppen mit jagdlichem Interesse. Sieghard Köck ist kein Trophäenjäger. Er selbst sieht sich als Heger und Pfleger. Nichtsdestotrotz freut sich Sieghard Köck mit seinen Jagdgästen, wenn sie einen alten Trophäenträger zur Strecke bringen. Vielleicht schätzt der Wildmeister gerade wegen seines regen Tagesgeschäfts die Spielhahnjagd und genießt dabei bewusst kostbare Momente der Ruhe. „Wer zur Birkhahnjagd geht, sollte sich besonders früh zu den Balzplätzen aufmachen. Meist ist es zu dieser Zeit noch stockfinster und totenstill. Und dann, schön langsam, erwacht das Leben rings um einen“, so Sieghard Köck. Ein anderer Beruf als der des Jägers wäre für ihn nie in Frage gekommen. Sieghard Köck ist seit über 33 Jahren Berufsjäger und kennt neben den reizvollen auch die unangenehmen Seiten der Natur; man denke dabei an verletztes bzw. versprengtes Wild nach Unfällen oder Fehlschüssen. „Fehlschüsse sind die Ausnahme, können aber leider nicht immer vermieden werden“, erklärt der Wildmeister. Um das verletzte Wild schnellstmöglich zur Strecke zu bringen, initiierte Sieghard Köck 2001 die Gründung einer Nachsuchestation, die seit ihrem Bestehen pro Jahr zwischen 45 und 50 Nachsuchen verzeichnet – hauptsächlich zur Hauptjagdzeit. Im ehrenamtlichen Dienst der Nachsuchestation stehen 14 Hundeführer. „Es ist wichtig, dass wir im Notfall rasch verständigt werden, denn nur so können die Fähigkeiten der einzelnen Hunde am besten genutzt werden“, erklärt Sieghard Köck.

Turbulente Zeiten
Im oberen Lechtal und im Bezirk Bludenz verzeichnete man seit 1998 einen Anstieg der Tuberkulose-Morbidität unter den Wildtieren, insbesondere beim Rotwild. Um diesem Trend entgegenzuwirken hat die Behörde vorgeschrieben, verstärkt auf das Kahlwild zu schießen. Erfreut ist Sieghard Köck darüber, dass das Gebiet im Hegering 2 – es reicht von Häselgehr bis Stanzach inklusive Seitentäler – seit heuer aus dem Überwachungsprogramm ausscheiden durfte. Die Erhaltung solider Altersstrukturen ist aus Sicht des Wildmeisters unerlässlich für ein erfolgreiches Wald-Wild Gefüge.

Bescheiden und dankbar
Dass er seiner Berufung als Jäger mit Freude und Engagement nachgehe, verdanke der Wildmeister auch seinem Chef Helmut Nanz. Er zollt Sieghart Köck – wie auch schon seinem Vorgänger Hubert Mages – Anerkennung für die Arbeit und pflegt ein freundschaftliches Verhältnis zu seinen Berufsjägern.

Wandel der Zeit
Sieghard Köck wirkt zufrieden und schmunzelt, wenn er sich so manche Veränderungen der letzten 33 Jahre vor Augen hält. „Nur vereinzelt ist einem in den Achtzigern auf der Stablalm ein Mountainbiker oder Tourengeher untergekommen“, erzählt Sieghard Köck. Gemeinsam mit dem österreichischen Alpenverein wurde eine Karte erarbeitet, die den Sportler auf die Ruhezonen der Wildtiere hinweist. „Ich verstehe es, dass man sich nach Erholung in der Natur sehnt, wenn man die Woche über den ganzen Tag im Büro sitzt“, so Köck. Dennoch fordert er seitens der Erholungssuchenden, dass sie auch Verständnis für das Wild aufbringen und auf den markierten Wegen bleiben.

Wunsch an die Zukunft
Die Öffentlichkeitsarbeit für die Jägerschaft hilft, dass Menschen informiert werden und sie etwaige Vorurteile gegenüber der Jagd ablegen können. Außerdem wünscht sich der Wildmeister, dass sich das Image der Jagd verbessert. „Ich finde es schade, dass man heutzutage sofort ins Licht der ‚Freunderlwirtschaft‘ oder ‚Bestecherei‘ gerät, wenn man zur Jagd eingeladen wird“, so Sieghard Köck.

Über Sieghard Köck Wildmeister im Revier Elmen-Martinau (Bezirk Reutte)
Geburtstag: 5. März 1966
Familienstand: verheiratet, 4 Kinder
Schulischer Werdegang: Volksschule Elmen,
Hauptschule Elbigenalp, Jägerlehre bei Hubert Mages (damaliger Oberjäger im Revier Elmen-Martinau), Berufsjägerprüfung (1984), Revierjägerprüfung (1988)
Jagdhund: Brasco, bayrischer Gebirgsschweißhund
Auszeichnungen: Ernennung zum Wildmeister (2009), Ernennung zum Revieroberjäger (1998)
Besonders erwähnenswert: Ausbildung von Lehrling Patrick Mages (er hat die Revierjägerprüfung 2014 erfolgreich absolviert), Gründungsmitglied und Obmann der Nachsuchestation im Bezirk Reutte (seit 2001), Hegeringleiter im Gebiet „Lechtal 2“ (seit 2002), Kassier der Tiroler Berufsjägervereinigung (seit 1999), Leistungsrichter für Schweißhunde (seit 1985)
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