18.12.2017, 16:24 Uhr

Frauenärzte in Innsbruck: "Sind teils heillos überfüllt"

Auf der Suche nach einem Frauenarzt/einer Frauenärztin: Die TGKK findet seit über einem Jahr niemanden für eine freie Kassenstelle.

Kassenärztliche Nachbesetzung ist auch in Innsbruck Thema: Seit Herbst 2016 sucht man eine/n GynäkologIn.

INNSBRUCK. "Irgendwann sind die Kapazitäten ausgeschöpft" – Dr. Andrea Waitz-Penz ist eine der zwei weiblichen Gynäkologinnen mit Kassenvertrag in Innsbruck und ihre Ordination ist phasenweise – wie auch jene ihrer Kollegin, Dr. Nihal Net – "heillos überfüllt". Insgesamt stehen zehn Ärzte in der Stadt mit der Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK) in Vertrag. Eine elfte Stelle ist zur Bedarfsabdeckung vorgesehen. Diese ist aber seit Herbst 2016 nicht besetzt.

Telefone laufen heiß

An einem üblichen Ordinationstag laufen die Telefone heiß: Wer z. B. als Patientin eine halbe Stunde in der Ordination von Dr. Net wartet, bekommt mit, wie die Sekretärin im Fünf-Minuten-Takt Interessentinnen abweisen muss. Die Zeit ist begrenzt, die Patientinnen aber zahlreich. Besonders die weiblichen Gynäkologinnen haben mit dieser Situation zu kämpfen. Waitz-Penz ist nicht nur eine der beiden weiblichen kassenärztlichen Gynäkologinnen der Stadt, sondern auch Fachgruppenobfrau in der Ärztekammer. Warum Frauen eher weibliche Gynäkologinnen ihren männlichen Kollegen bevorzugen, liegt für sie auf der Hand: "Man könnte diese Frage auch umgekehrt stellen: Wie viele Männer gibt's, die zu einer Urologin gehen würden?"

Viele Privatordinationen

Das Angebot an FrauenärztInnen in Innsbruck ist hoch: Es gibt über dreißig GynäkologInnen. Der Großteil empfängt die Patientinnen aber nur in ihrer privaten Ordination. Eine routinemäßige Untersuchung kann dann zwischen hundert und zweihundert Euro kosten. "Es gibt genug sozialschwächere Patientinnen, die sich das nicht leisten können", so Waitz-Penz. Warum sich keiner für die Kassenstelle finden lässt, erklärt Waitz-Penz mit einem Umdenken hinsichtlich des Lebensstils: Auch Ärzte wollen das Leben in vollen Zügen auskosten und sich nicht an strikte Bedingungen – an fünf Tagen, mind. zwanzig Stunden die Woche und davon einmal am Nachmittag geöffnet halten – binden müssen.


Über die Ländergrenzen hinaus

Dabei versucht die TGKK Anreize zu schaffen. Seit zirka einem Jahr können Ärzte Vertragsstellen (und somit Arbeitszeit und Bedingungen) teilen. Auf Anfrage erklärt die TGKK: "Wir bemühen uns gemeinsam mit der Tiroler Ärztekammer um ehestmögliche Nachbesetzungen: Ausschreibungen werden inzwischen über die Landesgrenzen hinaus publiziert, es werden Gespräche mit potenziellen Nachfolgern aus der betroffenen Region gesucht."
Waitz-Penz hat zwar keine konkrete Lösung parat, meint aber, dass man die ÄrztInnen in Ausbildung vermehrt ansprechen sollte. Sie selbst ist "erst" seit einem Jahrzehnt Kassenärztin: "Früher hat man sich um die Stellen gerissen und es gab lange Wartezeiten." In fünf Jahren geht Waitz-Penz in Pension. Eine weibliche Nachfolge will sie bis zu dem Zeitpunkt geregelt haben.
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