31.10.2016, 15:11 Uhr

"Ich habe jeden Abend ein Grimm-Märchen vorgelesen bekommen: Das war die Hochzeit des Tages"

Bernhard Aichner ist nicht nur Bestsellerautor, sondern auch selbst passionierter "Buchkonsument". (Foto: aichner fotowerk)

Am 10.11. steigt tirolweit der 1. Vorlesetag. Wir sprachen mit Bestsellerautor Bernhard Aichner darüber.

Bernhard Aichner ist passionierter Leser und Vorleser, der gerne an seine Kindheit zurückdenkt, in der ihm seine Mutter vor dem Einschlafen Grimm-Märchen vorgelesen hat. Wir sprachen mit ihm über Pippi Langstrumpf, warum lesen wichtig ist und warum er am 10. November (im ORF Landesstudio, um 19:30 Uhr) am Vorlesetag teilnimmt.

STADTBLATT: Warum ist Ihrer Ansicht nach Lesen wichtig?

Bernhard Aichner: Lesen ermöglicht Kindern einen ersten Blick auf die Welt und ist abseits des Fernsehens eine wunderbare Möglichkeit, in andere Lebenswelten einzutauchen, Fantasie zu fördern und Bildung zu erlangen. Lesen beflügelt, Lesen ist lebensnotwendig und sollte für alle Eltern und für alle Kinder erstrebenswert sein.

Welches Buch hat Sie am meisten geprägt?

Als Kind zu hundert Prozent die Pippi Langstrumpf. Astrid Lindgren, die diese wunderbare Figur erschaffen hat, fasziniert mich bis heute. Meine Kinder lesen auch heute Pippi Langstrumpf, wie ich es vor 35 Jahren getan habe und das ist wunderbar. Das muss man als Autor und Autorin erstmal schaffen.

Wurde Ihnen als Kind vorgelesen?

Ja. Ich habe wunderschöne Erinnerungen daran. Ich habe jeden Abend ein Grimm-Märchen vorgelesen bekommen. Und das war die Hochzeit des Tages. Das erlebe ich heute als Vater genauso. Diese Zeit, die ich mit meinen Kindern beim Vorlesen verbringe, ist eine sehr wertvolle Zeit. Das ist ganz was Besonderes und das schafft nur das Lesen. Das kann das Fernsehen niemals erreichen.

Warum machen Sie beim Vorlesetag mit?

Vorlesen ist zum einen für mich als Vater wichtig, um meinen Kindern Literatur zu vermitteln und außerdem ist es für mich auch täglicher Brotjob. Als Autor absolviere ich bis zu 80 Lesungen im Jahr. Das Vorlesen in Buchhandlungen und Bibliotheken begeistert mich ebenso, wie wenn ich meinen Kindern vorlese. Wenn ich sehe, wie gebannt die ZuhörerInnen in ihren Sesseln sitzen, wie sehr sie in die Geschichten eintauchen, das beflügelt extrem und bestätigt mir bei jeder Lesung wieder, warum das Schreiben so wundervoll für mich ist. Und warum Lesen und Bücher konsumieren zum Schönsten gehört, was es auf dieser Welt gibt. Beim Vorlesetag mitzumachen bedeutet für mich, die Menschen in Tirol wieder daran zu erinnern, wie schön ein Buch sein kann.

Was macht für Sie eine gute Lesung aus?

Die ZuhörerInnen zu bannen, zu fesseln und mit dem Vorgelesenen zu rühren, sei es durch Texte, die ich selbst geschrieben habe oder Bücher, die ich meinen Kindern vorlese. Es geht darum, Begeisterung zu entfachen und jenseits dieser Fernsehwelt zu inspirieren. Und sich darauf zu besinnen, dass manchmal ganz wenig ganz viel ist. Wie z. B. ein Buch.
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