30.10.2017, 14:14 Uhr

Macbeth in Katalonien

Schön und machtbesessen: S. F. Pereira und A. Romanova als Ehepaar Macbeth. (Foto: TLT)

Auch mit der blutigen Shakespeare-Tragödie Macbeth riss Publikumsliebling Enrique Gasa Valga zu stehenden Ovationen hin. – eine Theaterkritik von Christine FREI

INNSBRUCK. Keiner beherrscht die Klaviatur der Interaktion und des Dialogs mit seinem Publikum an diesem Theater derzeit ähnlich furios wie er. Und keine Frage: so wie er es macht, wäre es durchaus im Sinne Shakespeares, des ersten großen Theater-Entrepreneurs der Neuzeit gewesen. Der wollte auch zu allererst sein Publikum durch atemberaubende Geschichten, effektvolle Dramatik und entsprechende Showdowns bei der Stange halten, und das damals schon quer durch alle Bevölkerungsschichten. Enrique Gasa Valga bewies jedenfalls selbst bei Shakespeares Macbeth, dass er die großen Stoffe der Weltliteratur mit einer geradezu frappierenden Selbstverständlichkeit in eine stets an die Ästhetik von Hochglanzmagazinen oder Musikvideoclips erinnernde Bildsprache zu übersetzen vermag. Das verleiht seinen Tanzabenden zweifellos einen ganz eigenen Glamour, wofür sich sein Publikum nun schon seit Jahren mit stehenden Ovationen zu bedanken pflegt. Wer zu Beginn noch berechtigte Zweifel haben mochte, wie und ob man dieses Level an Begeisterungsfähigkeit auf die Dauer halten kann, darf mittlerweile erkennen, dass der Publikums-Charmeur Gasa Valga noch längst nicht alle Mittel ausgeschöpft zu haben scheint. So verortet er seinen Macbeth visuell kurzerhand in sein Heimatland Katalonien, das derzeit ebenfalls einen nicht ganz ungefährlichen Machtkampf erlebt. Und lässt zuletzt nicht nur sich und sein Leading-Team, sondern sogar Intendant und kaufmännischen Direktor von der Tötungsmaschine Macbeth dahinmeucheln. Popstars dürfen das.

Macht- und Bilderrausch

Macbeth, das ist die Geschichte eines blutigen Machtrausches, eines von inneren Dämonen wie auch von der eigenen Partnerin Lady Macbeth eingeflüsterten Königsmordes, der Macbeth zum ständigen Weitermorden zwingen wird. Damit einher geht freilich auch die Geschichte der inneren Verwüstung dieser beiden Figuren. Helfried Lauckner hat hierfür eine moderne Sichtbetonhalle geschaffen, Videokünstler Albert Serradó liefert dazu faszinierende Skylines katalanischer Städte ebenso wie albtraumhafte Schwarz-Weiß-Szenen von Verführung, Folter, Gemetzel. Enrique Gasa Valga wählte für die hochemotionale Umsetzung einen mitreißenden Musikmix von elegischer klassischer Musik bis hin zu betörenden Beats. Seine Tänzer/innen – allen voran Samuel Francis Pereira und Anna Romanova – begeistern in Eva Praxmarers effektvoll reduzierten Kostümen einmal mehr durch perfekte Körperbeherrschung und große Eindringlichkeit.
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