27.05.2017, 11:03 Uhr

Politische Propaganda zwischen Realität und Fiktion: Ausstellung Markus Proschek im Kunstraum Innsbruck

Ausstellungsansicht Kunstraum Innsbruck, Markus Proschek "Possession", Foto: Verena Nagl (Foto: Verena Nagl)
Innsbruck: Kunstraum Innsbruck | Schwarze Fliesen an der Wand, aufgemalte Pentagramme am Boden und eine zerstörte Herrschermaske – Künstler Markus Proschek inszeniert einen satanistischen und okkulten Raum. Der Salzburger zeigt noch bis 24. Juni 2017 im Kunstraum Innsbruck seine Ausstellung „Possession“.

Der Titel bezieht sich auf das Motiv der Besessenheit einer dämonischen Macht und der Gefahr, dieser permanent ausgesetzt zu sein. In seiner aktuellen Ausstellung untersucht Proschek, wie das Böse stilisiert, dämonisiert und für jegliche Propaganda instrumentalisiert wird. Dafür analysiert er politische, historische und gegenwärtige Bedingungen, die er zu einem dichten Referenzsystem auf beispielhafte Bildwerke reduziert.

Die Rolle des Bösen als Machtdemonstration


Seit jeher produziert der Westen Bilder, die die Beteiligten am Nahost-Konflikt zur Achse des Bösen stilisieren. Medienwirksam übernahm der libysche Diktator Muammar al-Gaddafi die Rolle des Bösewichts, die ihm seitens des Westens zugeschrieben wurde. In einer Leinwandarbeit verwendet Proschek bewusst das Muster des Familienzelts von Gaddafi, der auf jeglichen Auslandsreisen im Nomadenzelt übernachtete. Ins Bild selbst malte Proschek jene Marmorwand, die immerzu hinter den Hauptredner der UN zu sehen ist. Sie soll stiller Zeitzeuge des über Jahrzehnte anhaltenden Konflikts zwischen Nahem und Mittlerem Osten sein. Der Künstler geht auch der Frage nach, wie Zerstörung von Bild- und Kunstwerken der Machtdemonstration dient. Als Hinweis darauf wurde der Replik einer Porträtbüste eines akkadischen Führers das Auge ausgestochen.

Es ist keine leichte Aufgabe, hinter die Komplexität der als Ganzes zu verstehenden Rauminstallation zu schauen. Denn hinter Proscheks vielschichtiger Argumentationskette einzelner Bildzitate, verbirgt sich eine tiefgreifende Struktur politischer Machtdemonstration und Propaganda.

Am 21. Juni 2017 um 19 Uhr kommt Markus Proschek zum Künstlergesrpäch in den Kunstraum Innsbruck. Die Ausstellung „Possession“ läuft noch bis 24. Juni 2017.

von Alexandra Sprenger
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.