07.12.2017, 17:56 Uhr

Menschenwürde, Menschenrechte, Maria und ich

Das Gnadenbild "Unserer lieben Frau unter den vier Säulen" in der Wiltener Basilika kündet von der strahlenden Freude am Leben und ist seit Jahrhunderten Trost-, Gebets- und Kraftort für Menschen auf der Suche nach Sinn, Würde und Ansehen. (Foto: Reinhold Sigl, Stift Wilten)
Innsbruck: Tirol |

Über einen eigenartigen Feiertag kurz vor Weihnachten ---
Die Ladenöffnung mit Sonderangeboten am Feiertag regen schon niemand mehr auf. Willkommen ist der 8. Dezember zum Ausrasten, Sporteln, Shoppen, Extreme-Couching oder Wellnessen. Der Inhalt des Festes ist eh so komisch verschwommen. Dabei ist dies ein kirchliches Hochfest - und eines mit Brisanz und Kraft dazu.

In einer persönlichen Krise seines Lebens zog sich der bekannte amerikanische Pastoraltheologe Henri Nouwen für einige Monate in ein Trappistenkloster zurück.
Das Buch, das aus dieser Zeit entstand „Ich hörte auf die Stille ein absoluter Bestseller in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts.
Zu Beginn der langen Schweigezeit, in der er in sich hinein horchen und über seinen zukünftigen Weg nachdenken wollte, bat er den Abt um ein Meditationswort.
Der Abt sagte: „Nimm dies Wort als Wegbegleitung 'Ich bin die Herrlichkeit Gottes'!“. Und er fügte erklärend hinzu: „Sie sind der Ort, den Gott sich zur Wohnung erwählt hat, und das geistliche Leben besteht in nicht mehr und nicht weniger als in dem Versuch, Gott den Raum zu schaffen, in welchem sich seine Herrlichkeit offenbaren kann.“

Ich bin die Herrlichkeit Gottes, ein Ort, an dem Gott seine Güte, seine Größe, seine Nähe aufleuchten lassen kann.
Vielleicht steckt in mir etwas Größeres, als ich mir bisher zutraute? Vielleicht bin ich zu ängstlich und kleinkariert? Vielleicht bin ich zu bescheiden erzogen? Vielleicht habe ich zu sehr Angst zu versagen.
Nimm dies Wort als Wegbegleitung:
„Ich bin die Herrlichkeit Gottes“

DER MENSCH ALS DIE HERRLICHKEIT GOTTES!??

Im Buch Genesis – dem ersten Buch der Bibel - heißt es:
Gott sprach: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land. Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.
Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag.
Geheimnisvoll, und doch stark empfindet der Mensch,
dass er zu einer besonderen Würde gerufen ist
und dass er Gott ganz nahe sein – ja inniglich nahe sein kann – in seinem Gut-sein, in seiner Verantwortung für die Schöpfung, in seinem Umgang mit der Erkenntnis, in seinem Hören auf Gott…
So großartig nahe zu Gott, dass der Psalmist im 8. Psalm jubelt:
Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.
Tatsächlich setzt der Mensch diese seine Würde immer wieder aufs Spiel.
Wie an einer eingebrannte, juckenden Wunde kratzt der Mensch immer wieder am Vertrauen Gottes,
macht er sich los von allen guten Geistern und stürzt sich zügellos und ohne Sinn, Ziel und Verstand in eine Freiheit – los von Gott.
Dass Abenteuer Gottlosigkeit ist der Pendelschlag zu unserer Gott-Ähnlichkeit.
Weil wir die Herrlichkeit Gottes sind, glauben wir manchmal ins Schattenreich des Bösen ausreiten zu müssen,
den Biss in die Frucht vom Baum der Erkenntnis wagend, Gott austricksen zu können.
Gott lässt das zu.
Der liebende Vater weiß, dass die Freiheit auch die Freiheit zur Gott-losigkeit, zum Los-von-Gott und hinein ins Böse sein kann…
und doch – auch in der Selbstverwundung, im Verwerfen der Freundschaft Gottes, gibt dieser seinen Freundschaftsplan mit den Menschen nie auf.
Selbst in der Entblößtheit, der Nacktheit vor Gott entwirft er noch Perspektive und hält Ausschau nach der fernen Zukunft,
in der der Schlange der Kopf zertreten,
dem Bösen kein Raum mehr zugesagt werden wird.

Davon handelt das heutige Fest:

Ich bin mir sicher: Das einfache jüdische Mädchen Maria brauchte lange, um zu verstehen, dass sie ein Raum war, in dem Gott seine Herrlichkeit zum Ausdruck und zur Ausstrahlung bringen wollte. Ich denke diese Überzeugung:
Von Anfang an wollte Gott in diesem einfachen Mädchen seine Herrlichkeit auf- und durchstrahlen lassen - ist der eigentliche Inhalt des heutigen Festes von der sogenannten, aber missverständlichen „Unbefleckten Empfängnis Mariens“.
Dabei ist das ja nur der Anfang der neuen Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen. Paulus wird im ersten Korintherbrief – nach vielen Erfahrungen und Wegstrecken mit dem auferstanden Christus – seinen Leuten schreiben:
Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?
Und: Gottes Tempel ist heilig und der seid ihr. (1Kor 3, 16f)
Wie meinte der Abt zu Henri Nouwen:
„Nimm dies Wort als Wegbegleitung 'Ich bin die Herrlichkeit Gottes'!“. Und er fügte erklärend hinzu: „Sie sind der Ort, den Gott sich zur Wohnung erwählt hat, und das geistliche Leben besteht in nicht mehr und nicht weniger als in dem Versuch, Gott den Raum zu schaffen, in welchem sich seine Herrlichkeit offenbaren kann.“
Ich bin die Herrlichkeit Gottes, ein Ort, an dem Gott seine Güte, seine Größe, seine Nähe aufleuchten lassen kann.
Zwei Tage vor dem Welttag der Menschenrechte feiert die katholische Kirche ein Fest von der Menschenwürde und der Rolle einer Frau in der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen.
„Ich bin die Herrlichkeit Gottes“
Das ist ein gutes Wort, das auch ich mir manches Mal vorsagen sollte, vielleicht besonders dann, wenn ich mir klein und gering vorkomme,
wenn ich mich wieder einmal in meiner seelischen Nacktheit
vor Gott verstecke.
Auch dann:---
„Ich bin die Herrlichkeit Gottes“
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