09.11.2016, 15:58 Uhr

Jürgen Bodenseer - Ergebnis der US-Wahl hat kaum Einfluss auf die Tiroler Wirtschaft

Jürgen Bodenseer, Präsident der Wirtschaftskammer Tirol: Trump und Tirol: Die Auswirkungen auf unseren Standort werden sich in Grenzen halten (Foto: WKT)

Jürgen Bodenseer geht davon aus, dass die Auswirkungen auf die Wirtschaft Tirols durch das Ergebnis der Präsidentenwahl in Amerika gering bleiben werden.

TIROL. Die USA sind Tirols viertwichtigster Exportpartner. Setzt Trump den angekündigten Protektionismus um, sind Rückgänge zu erwarten. "Allerdings auch zum Schaden der USA."

Wirtschaftsbeziehungen zwischen Tirol und Amerika

Das Ergebnis der Präsidentenwahl ist auch für den Standort Tirol von Bedeutung. Die Tiroler Exporte in die USA beliefen sich im Jahr 2015 auf 675 Millionen Euro und haben um 11,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Die USA sind nach Deutschland, der Schweiz und Italien unser viertwichtigster Markt, für Gesamtösterreich sogar der zweitwichtigste. Die Tiroler Importe aus den USA beliefen sich auf 243 Millionen Euro.

Donald Trump setzt auf Protektionismus

Der zukünftige US-Präsident Donald Trump hat in seinem Wahlkampf eine protektionistische Politik angekündigt, wie etwa die Einhebung von Einfuhrzöllen. Wenn dies tatsächlich umgesetzt wird, würden unsere Exporte darunter leiden. Protektionismus trifft allerdings auch die Amerikaner selbst, weil dann günstige Produkte aus dem Ausland fehlen", so Jürgen Bodenseer. Es ist daher zu erwarten, dass Trump diese Ankündigung, wenn überhaupt nur vereinzelt gegen Billigimporte aus Niedriglohnländern umsetzen wird. Wahlkampf ist das eine – die Tagespolitik das andere. Vieles hängt nun auch vom Team ab, mit dem sich Trump umgibt. Sobald die ersten Konturen des Programms von Donald Trump erkennbar werden, ist eine Beruhigung zu erwarten, denn für die Wirtschaft ist eines am Schlimmsten: Unsicherheit.

Freihandelsabkommen TTIP

Das in Verhandlung befindliche EU-US-Freihandelsabkommen TTIP, das die Handelsbeziehungen zwischen der EU und den USA noch verstärken sollte, dürfte unter den aktuellen Bedingungen kaum mehr realisierbar sein.

Mehr Einigkeit und Reformfreudigkeit in Europa gefordert

Die US-Wahl bringt auch wichtige Erkenntnisse für Europa und Österreich. Die Europäische Union und auch die österreichische Bundesregierung tun gut daran, endlich Reformgeist zu zeigen und notwendige Veränderungen umzusetzen. Ständiger Streit und lähmender Stillstand sind der Nährboden für Populisten", erklärt Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Bodenseer.
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