Die Kraft der Sprache entdecken

Von allen Seiten wird der allmähliche Verfall unserer Gesprächskultur beklagt.
Anselm Grün stellt fest:

“Statt Gespräch hören wir heute viel Gerede, vor allem im öffentlichen Raum.”

Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist die Achtsamkeit für die Sprache und eine hohe Sensibilität für die Macht und Wirkung von Worten:

“Wort und Stille – Sprechen und Schweigen sind zwei Pole, die zu unserem Leben gehören.
Wenn wir einen Pol absolut setzen, verfälscht sich unser Leben.
Wer nur spricht, dessen Worte klingen irgendwann hohl und er möchte mit seinen Worten der eigenen Wahrheit aus dem Weg gehen.
Es gibt Menschen, die können auch im Gespräch keine Stille aushalten, sie müssen immer etwas sagen.
Man spürt ihr gehetzt sein! Wenn sie aufhören zu reden, könnten sie in Frage gestellt werden.
Oder aber, sie begegnen der eigenen Wahrheit.
Viele haben Angst vor der Stille, weil sie Angst vor ihrer inneren Wahrheit haben.
Weil sie Angst haben, müssen sie Lärm rund um sich machen.
Das ist eine uralte Weise des Menschen, sich vor der Stille zu schützen.
Es braucht immer eine Geräuschkulisse, damit er seiner eigenen Wahrheit aus dem Weg gehen kann.
Es ist v.a. die Angst vor der Wahrheit seiner Seele, die in der Stille ans Tageslicht tritt.
In der Stille hört der Mensch auf, sich hinter seinen Worten zu verstecken, oder sich im Lärm taub zu machen
gegen die unheimlichen Stimmen, die sich in der Stille Gehör verschaffen wollen.
Da könnte ja das ungelebte Leben sichtbar werden, Enttäuschungen kämen hoch,
Schuldgefühle würden ihn peinigen.
Daher muss er die eigene Wirklichkeit mit Reden oder Aktivitäten überdecken.
Andere haben Angst, dass sie sich in der Stille einsam fühlen.

Ein Grundsatz der Kommunikationsforschung lautet – Wir kommunizieren immer!
Selbst, wenn wir das Gespräch abgebrochen haben, wenn wir keine Signale mehr an den Andern senden, ist das eine Art von Kommunikation.
Das ist eine gescheiterte Kommunikation. Wir kommunizieren nur noch unsere Sprachlosigkeit,
oder aber unser Misstrauen, oder unsere Ablehnung.
Aber als Menschen senden wir immer Signale an unsere Umgebung aus.
Wenn ich in einer Gruppe schweige, kommuniziere ich auch.
Es gibt eine gute Kommunikation im Schweigen, wenn sich einander verstanden fühlen mit den Menschen in meiner Umgebung.
Es gibt aber auch das aggressive Schweigen!
Ich benutze Schweigen als Machtmittel gegen die Andern.
Ich verschließe mich, gebe nichts von mir preis.
Damit verunsichere ich die Anderen.
Sie wissen nicht, woran sie dran sind!
Aber ich kann mich der Kommunikation nicht entziehen, es geht immer etwas von mir aus.
Wenn ich das Ernst nehme, dann wäre es gut, dass von mir gute Signale ausgehen.
Dann geht es auch mir selber besser damit.
Denn, wenn ich nur negative Signale aussende, werde ich auch nur negative Impulse empfangen.
Das belastet mich.
Wenn es dagegen zwischen mir und den Anderen gut hin und hergeht, fühle ich mich wohl.”

Autor:

Rosmarie Kohlmann aus Jennersdorf

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