Asyl für Flüchtlingsfamilie aus dem Iran
"Es galt nur zu überleben"

Viele Menschen aus Jennersdorf halfen mit.
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Ein gedeckter Tisch, fröhliche Menschen, spielende Kinder. Partystimmung in einem Garten in Jennersdorf. Der Anlass: Elyas S. und seiner Familie wurde nach erstmaliger Ablehnung im zweiten Verfahren Asyl gewährt. Das Bezirksblatt hat mit den betroffenen Menschen gesprochen

Gut situierte Familie

Elyas, seine Frau Angela und Tochter Monika (Namen von der Redaktion geändert) lebten in der Nähe von Teheran, der Hauptstadt des Irans. Elyas ist gelernter Grafiker und hatte eine gutbezahlte Stellung in seiner Heimatstadt. Auch Angela ist vom Fach und war bis zu ihrer Flucht in der Werbebranche tätig. Durch Bekannte lernte die dem Schiitentum (zweitgrößte religiöse Strömung innerhalb des Islams) angehörende Familie das Christentum kennen

Abtrünnige

Im Iran und in vielen islamischen Ländern ist die Konversion, ja, bereits die Anhängerschaft eines Muslims zu einer anderen Religion strafbar. Aus Sicht des Staates sind somit sämtliche Persisch als Muttersprache sprechenden Christen als Abtrünnige vom Islam zu betrachten und geahndet wird mit Folter, jahrelangen Haftstrafen, bis hin zur Todesstrafe. „Wir waren fünf Familien und wechselten unsere Treffpunkte genau wie viele andere Untergrund- Gemeinden aus Angst vor Verrat ständig“, so Elyas S

Verrat

Eines Tages traf jedoch das Schlimme ein und Familie S. wurde verraten. Von der Polizei verfolgt fanden sie einen Unterschlupf bei Bekannten. „Während meiner Arbeit erreichte mich der Anruf eines Freundes mit der dringenden Empfehlung, sofort unterzutauchen", erinnert sich Elyas. "´´Wir fanden in einer kleinen Gartenhütte eines Bekannten ein Versteck und blieben vier Monate“. Nun ging es nur noch darum zu überleben. Während dieser Zeit verkauften Verwandte das Haus der Familie S. und aus dessen Erlös beschaffte Elyas die zur Flucht benötigten Dokumente. Ziel war Kanada. In Österreich war die Flucht zu Ende. Zu diesem Zeitpunkt erwartete Angela ihr zweites Kind. „Wir wohnten zuerst in einem Hotel und als das Geld zu Ende war kamen wir in ein Flüchtlingsheim und schließlich nach Jennersdorf“. Hier besuchten sie regelmäßig die Kirche und wurden von der Pfarrgemeinde wohlwollend und freundlich aufgenommen.

Abgewiesen

Der erste Asylantrag verlief negativ. Voller Verzweiflung wandte sich die nun vierköpfige Familie, Melissa hatte das Licht der Welt erblickt, an Pfarrer Norbert Filipitsch . Mit seiner und vieler anderer Hilfe, konnte nach einjähriger Vorbereitung und eingehender Prüfung zum Christentum gewechselt werden. Alle vier erhielten in Jennersdorf das Sakrament der Taufe. Die kirchliche Trauung wurde ebenfalls in Jennersdorf vollzogen. Der Weg zurück in den Iran war nicht mehr denkbar. "Mit Hilfe von unseren Freunden in Jennersdorf schafften wir es Deutsch zu lernen und konnten so beim zweiten Verfahren viel besser argumentieren", so Elyas. Darüber hinaus wurde Geld gesammelt, so dass sich die Familie einen guten Anwalt leisten konnte. Und sie schafften es! Das Gericht sagte "Ja". Großer Jubel bei allen Beteiligten.

Überzeugte Christen

Dass Famile S. das Christentum gewählt habe, nur um in Österreich bleiben zu können, dementiert Norbert Filipitsch aufs Schärfste. "Ich freue mich für die Familie und bin voll und ganz der Meinung, dass sie  vom christlichen Glauben mehr als überzeugt ist und ihn auch lebt".

Eine größere Wohnung und Arbeit für Elyas stehen derzeit auf der Wunschliste ganz oben. Die zwölf-jährige Monika fühlt sich an der Mittelschule in Jennersdorf sehr wohl und spricht bereits gut Deutsch. Manchmal kommt sogar ein Brocken Dialekt über ihre Lippen, was aus ihrem Mund ganz allerliebst klingt. Nur manchmal, wenn Elyas, Angela und Monika an ihre Verwandten und Freunde im Nahen Osten denken, kommt das Heimweh. Und sie fragen sich, ob es jemals ein Wiedersehen geben wird. "Gott hilft uns weiter, so wie er uns bisher geholfen hat", so die zwölfjährige Monika. Und davon ist nicht nur sie felsenfest überzeugt.

Viele Menschen aus Jennersdorf halfen mit.
Die iranische Familie darf bleiben.
Autor:

Anna Maria Kaufmann aus Jennersdorf

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