Versuch einer Zwischenbilanz
Versuch einer Zwischenbilanz

So, wie siehts denn aus bisher? Was haben wir gelernt bisher und was kommt da noch so alles auf uns zu? Bleiben wir mal bei dem was wir wissen bzw. bei dem was wir tagtäglich erleben und was sich als "absolut" erwiesen hat:
Da wäre zunächst mal die absolute Gewissheit dass nichts, aber auch gar nichts wirklich jemals Bestand hat. Vom Arbeitsplatz bis zur alltäglichen Gewohnheit - alles ist unsicher, steht auf tönernen Beinen und es bedarf nicht viel dann zerbröselt uns das, was wir noch vor kurzem als "unumstössliche Realität" oder "absolute Gewissheit" bezeichnet hatten zu Staub.
Was wir auch gelernt haben ist, dass auch bestimmte Begriffe von deren unumstösslicher Bedeutung wir eigentlich überzeugt waren ganz schnell eine gewaltige Veränderung erfahren können. Was in "normalen Zeiten" ein "Verfassungsbruch" wäre, wird in Krisenzeiten flugs zur "Notwendigkeit" erklärt und schon sind die Bürgerrechte ziemlich ausgehebelt! Das geht schneller als man "Protest" buchstabieren kann! Aber ok, zum Wohle der Allgemeinheit hat man sich gefügt - vielleicht auch deswegen weil der Staat mit Strafe droht.
Wir haben auch gelernt dass die Politik um uns Bürger anscheinend sehr bemüht ist und dass sie nach bestem Wissen und Gewissen (was immer das sein mag) für uns da ist und alles tut um uns wovor auch immer zu bewahren. Man stützt auch die Wirtschaft die man auf fast null gefahren hat. "Egal was es kostet" haben sie gesagt, was sie nicht gesagt haben ist, dass es ihnen egal ist WEN das was kostet - die Konzerne werden es nicht sein denen es was kosten wird, ich hab da so meine Befürchtungen dass ich selbst es sein werde, aber das ist ja nichts neues.
Was wir wissen ist, zumindest hat man uns das vermittelt (auch durch die Blume) dass wir uns bisher um Hygiene nicht sonderlich gekümmert haben. Scheinbar waren wir ein Volk von Dauerausscheidern und Infektionsherden auf zwei Beinen. JETZT wissen wir wenigstens wie man sich richtig die Hände wäscht - und damit da kein Missverständnis aufkommt: das ist auch ganz in Ordnung so. Vom Rest darf man halten was man will, ausser es verstösst gegen eine Verordnung versteht sich.
Wir sind auch gerade dabei zu lernen dass Masken etwas seltsames sind und dass es sich angenehmer ohne sie lebt - eine Erkenntnis die wir auf anderer Ebene unbendingt in ein Zeitalter n.c. (nach corona) hinüber retten sollten. Und das wird überhaupt spannend, was an Erkenntnis wir mitzunehmen gedenken und was wir aber schnell in die Tonne treten werden, weil es schlicht und ergreifend unbequem wäre aufgrund der Konsequenzen die es fordern würde!
Wir haben gelernt das die Angst den Menschen gierig und die Panik ihn agressiv werden lässt und wie schnell das geht! Ganz ehrlich, wir reden hier nicht von Krieg oder Vertreibung! Wir reden hier von Klopapier und Nudeln! Das ganze ist, obwohl von der Mechanik her verständlich, an Peinlichkeit nicht zu übertreffen und sofern es Ausserirdische gibt die auf Kontakt mit uns sinnen, können wir nur darauf hoffen dass die da gerade nicht zugesehen haben - denn sollten sie das mitbekommen haben wird sich der berühmte "Erstkontakt" noch ein paar Generationen lang hinauszögern, was vermutlich ohnehin kein Fehler wäre. Und weil wir grad beim Thema "ausserirdisch und co" sind: Wir haben auch gelernt, dass die Krise ein wunderbarer Nährboden für alle Arten von Wahnsinnigen zu sein scheint, deren verdrehte Theorien und Szenarien wie Pilze aus dem Boden schiessen. Naja. Das hat ja Tradition und war zur Zeiten der Pest auch gang und gäbe.
Die Liste was wir gerade lernen müssen/dürfen ist lang und da wo`s persönlich wird soll sie jeder für sich selbst weiter führen - ich darf sagen es ist, gemessen an der kurzen Zeit welche dieser Ausnahmezustand nun andauert eine wirklich lange Liste, unglaublich lang sogar! Diese Liste muss man nicht fertig stellen, man kann es aber tun, zu Forschungszwecken sozusagen, also um zu erkennen wie schräg der Mensch ist, wie viel an Negativem in ihm steckt und wie wenig es braucht dass es ans Tageslicht kommt und aktiv wird.
Lasst uns einen aber besser einen Blick auf die guten Dinge werfen die uns jetzt langsam ins Bewusstsein drängen! Wir haben erkannt oder erkennen gerade was uns Freundschaft bedeutet, was "Nähe" und "Verbundenheit" wirklich meint! Diese Erkenntnis ist ein grosses Geschenk das man wertschätzen und bewahren sollte!
Wir haben erkannt wie wenig wir brauchen, also dass "Entsagung" nicht schadet sondern dass Reduktion auf das Wesentliche eine klärende und erleichternde Funktion haben kann! Vielleicht durften wir auch schon erkennen, dass die Liebe zum und vom Partner ein wahrer Schatz ist und dass sie uns stärkt und durch alle Stürme hindurch zu führen imstande ist!
Manche haben so in der empfundenen und erlebten Not vielleicht auch die eigene Spiritualität (wieder-) entdeckt, die Kraft der Gebete, die Hinwendung an eine "höhere Kraft" wie auch immer man sie nennen mag! Und vielleicht hat man auch so manches Werkzeug das man erhalten hat jetzt zum ersten Mal richtig anzuwenden verstanden!
Wir haben die Ruhe zu schätzen gelernt, auch die klare Luft, das Fehlen von Lärm, die Sonne, die Natur schlechthin ist uns, so wir ihr fern waren wieder näher geworden!
Mancher hat auch begriffen dass "Sorge" um jemanden nur eine andere Spielart der Liebe ist! Was für ein Gewinn! Und vielleicht sogar haben wir erkennen dürfen wieviel Kraft in uns ruht und wieviel Gutes sie bewirken kann wenn sie zum Einsatz kommt!
Wir durften lernen dass es genügt zu sein, dass wir uns nicht von Event zu Event durch die Zeit ind Grab hanteln müssen! Wir haben die einfachen Dinge zu schätzen gelernt, auch ein gutes Buch oder der Blick durchs Fenster in die Wolken! Mit etwas Glück haben wir auch begriffen dass wir nicht "der Beruf" oder "die Position" sind, sondern dass Beruf und Position UNS dienlich sein sollen aber nicht zur Selbstdefinition gedacht sind! Möglicher Weise haben wir sogar begonnen uns die wirklich wichtigen Fragen zu stellen! Die Fragen der Existenz, des woher, wohin und des warum? Hier beginnt ja wahre Tiefe und auch die Erkentnisse sind dann dieser Tiefe entsprungen! So vieles das nach Antwort sucht, so vieles das sich beantwortet in dem Moment da man sich die richtige Frage stellt. Das alles braucht Zeit, Zeit die man uns gebeben, aufgezwungen, geschenkt hat - egal jetzt ist sie da!
Auch hier wird die persönliche Liste lang sein! Es ist gut sie sich zu schreiben, also wirklich sich hinzusetzen, ein Blatt Papier und einen Stift zu nehmen und es zu tun! Später dann, hilft uns die Liste beim Erinnern! Wir könnten sie rahmen und an die Wand hängen und Jahre später würden wir auf sie blicken und stolz darauf sein so viel erlebt und gelernt zu haben!
Eigentlich ist es keine "Zwischenbilanz" es ist mehr eine Momentaufnahme, da die Zeit ja fliesst und kein Ende kennt. Auch Ich versuche mich in dieser Aufnahme wieder zu finden und ich gestehe dass es nicht immer ganz so einfach ist. Auch ich stelle mir die Fragen die sich jeder stellt und in denen wir uns verbinden und verbunden wissen: "wie geht es weiter?" oder "wie lange noch?". Es sind die Fragen die unbeantwortet bleiben und auch ich kann hie und da, ganz nach Tagesverfassung, mal besser und mal schlechter damit umgehen. Ich will und kann nichts verdrängen. Ich muss mich auch um dies und jenes Banale kümmern, mich mit Formularen plagen oder mich mit meinem Steuerberater und der Bank ins Einvernehmen setzen. Diese Dinge wollen auch getan sein.
Was ich aber nicht tue ist den Kopf in dem Sand zu stecken weil es mir da zu dunkel und zu still ist. Man muss wissen, dass im Leben meist Jene übel jammernd mit den Zähnen knirschen die auch wieder und wieder, weil gewohnt, den Kopf in den Sand stecken.
Was ich auch nicht tue ist die Sache tatenlos auszusitzen - das ist einfach nicht meine Natur! Ich lass mir jetzt auch keinen Bart wachsen, auch nicht aus Protest! (die Haare wohl, aber das hat nichts mit Widerstand zu tun) Ich ziehen mich nicht in eine Art Burg zurück weil die Welt schlecht ist um irgendwelche wilden Horden zu erwarten die mich anzgreifen beschlossen haben. Dazu ist mir die Burg zu sehr Gefängnis und das Leben zu schön und zu wertvoll!
Ich versuche mich in dieser Zeit zu bewegen wie Ihr auch, das ist es was ich tue und ich tue es mit den Werkzeugen die ich kenne und dem Wissen das ich habe und mit jener Hingabe und Liebe derer ich fähig bin. Die Zeit ist kein Feind! Die Zeit ist nicht das "Wann" sondern das "Wie"! Eines habe ich erkannt: Die Zeit ist wie ein Meer, wie ein Ozean mal still, dann wieder aufgewühlt. Und wie das Wasser trägt sie den der weiss wie man schwimmt! Wer nichts tut der hat es schwer, der ringt und kämpft und das ist nicht der Eigenart der See sondern der eigenen Lethargie geschuldet!
Ich schwimme, bewusst und hie und da mach ich auch "toter Mann" und treibe kurze Zeit an der Oberfläche! Die Ohren unter Wasser höre ich wie sie flüstert die See, sie spricht zu mir und sagt: "Schwimm weiter, es lohnt sich, ich trage Dich, ich tue das Meine und Du das Deine!" Und das mache ich dann, jeden Tag und im Bewusstsein dass alles gut wird wenn wir nur in Bewegung bleiben, Ich und Du, wir alle!

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