Kurzinterviews mit den burgenländischen Frauenfussball-Vereinen

Der FC Südburgenland ist seit 15 Jahren als Bundesligist das Aushängeschild des burgenländischen Frauenfussballs.
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  • Der FC Südburgenland ist seit 15 Jahren als Bundesligist das Aushängeschild des burgenländischen Frauenfussballs.
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BGLD. Die Bezirksblätter luden die Vereinsvertreter, die bei der Sitzung über eine Frauenliga im Burgenland entschieden, zu einem Kurzinterview ein.
Sie sprachen über das Für und Wider einer Frauenliga, die jetzige Situation im jeweiligen Verein und auch die Chancen, die sie im kommenden Frauencup sehen.

Die Interviews


Was hätte aus Ihrer Sicht für eine eigene Liga im Burgenland gesprochen, was in der (geplanten) Form dagegen bzw. worin bestanden Ihrer Meinung die größten Hürden?
Alexander Halbauer (SC Bad Sauerbrunn):
Dafür hätte gesprochen, dass das Burgenland das einzige Bundesland ist, welches keine Frauen-Landesliga hat. Außerdem verbieten uns die Funktionäre der Gebietsliga Industrieviertel durch eine interne Regelung, dass wir als Burgenländer in die Niederösterreichische Landesliga aufsteigen dürfen. Dadurch stecken wir quasi in dieser Liga fest, ohne Möglichkeit zur Weiterentwicklung.
Dagegen hat nur die Anzahl der Mannschaften gesprochen, welche mitmachen wollten. Eigentlich war für uns die Mindestteilnehmeranzahl 8 Mannschaften, danach haben wir uns aber selbst auf 6 Mannschaften runter limitiert. Als wir dann aber bei der Sitzung gehört haben, dass es nur maximal 5 Mannschaften sein sollen, waren auch wir dagegen!
Stefan Zeitler (SV St. Margarethen): Für die Frauenburgenlandliga hätte für mich bzw. Für den Verein gesprochen, eine etablierte Liga auch im Burgenland zu gründen, welche meiner Meinung nach sich auch gut etablieren hätte können.
Michael Feucht (SC Neusiedl): Das Problem einer eigenen Liga, liegt in der Beständigkeit bzw. der Nachhaltigkeit der Vereine. Es gab in der Vergangenheit ja schon einige Versuche, welche jedoch stets daran scheiterten das die Vereine beständig blieben.
So wurde einmal mit 5 Teams begonnen und mit 2 beendet.....
Weiters ist natürlich die Qualität ein großes Thema. Neusiedl und Mönchhof sind in der wiener LL gut etabliert, ebenso wie Bad Sauerbrunn. Kämen hier neugegründete Vereine hinzu, müssten diese erstmals enstprechend Qualität entwickeln. Ich kann nicht heute einen Verein gründen weil gerade mal 20 Mädchen dafür begeistert sind - mit diesem dann in einer Burgenländischen LL spielen und nach 6 Monaten sind vielleicht alle nicht mehr so begeistert und die Mannschaft zerbricht.
Wir müssen hier nachhaltig den Damenfussball fördern und bereits in den
Schulen aktiv werden (im NORDEN tut sich da leider noch gar nichts)
Stephanie Jandl (FC Südburgenland): Ich wäre der Gründung der Frauenliga positiv gegenüber gestanden. Meiner Meinung nach wäre dies ein wichtiger Entwicklungsschritt im burgenländischen Frauenfußball gewesen.
Gegen die Gründung sprach die niedrige Teilnehmerzahl von nur 5 Mannschaften. Sowohl für die Spielerinnen als auch den Fans sinkt die Attraktivität, wenn man 4x im Jahr gegen die selben Mannschaften spielt.

Was erhoffen Sie sich von einem Cupbewerb? Kann dieser eine Basis für eine Liga in zwei/drei Jahren sein?
Halbauer:
Im Cup können sich neue Mannschaften wie Eisenstadt beweisen, ob sie wirklich über eine längere Dauer die Damen bei Laune halten können, um bei einer Damenmannschaft regelmäßig zu trainieren. Außerdem sieht man nur unter Wettkampfbedingungen, wie stark die anderen Mannschaften wirklich sind, denn bei Testspielen kann man nie sagen, ob alle Spielerinnen anwesend waren.
Zeitler: Vom Cupbewerb erhoffe ich mir, diesen auch in fernerer Zukunft halten zu können, und auch einen Ansporn für eine Gründung neuer Damenmannschaften zu sehen. Ich sehe das als erster Schritt für eine Damenburgenlandliga.
Feucht: Eine gute Möglichkeit sich kennenzulernen und und das tatsächliche
Niveau der einzelnen Teams zu sehen.
Jandl: Den Start eines Frauencups im Burgenland erachte ich als sehr positiv.
Im Laufe des Cups kann man die Qualitätsunterschiede der einzelnen Teams erkennen und so sehen ob und wer für eine gemeinsame Liga konkurrenzfähig ist.
Dieser Bewerb kann einen Basis für die burgenländische Landesliga in den nächsten Jahren sein.

Wie ist Ihr Verein momentan in der Frauensektion aufgestellt (Spielerinnenanzahl, Nachwuchs, finanziell)?
Halbauer:
Wir sind wenige Leute, die direkt mit den Damen zu tun haben (Training, Organisation), allerdings werden wir vom Vorstand mittels Kantinenbetrieb, Schiedsrichterkosten und Platzsprecher und Zeitnehmung perfekt unterstützt. Finanziell gibt es nichts Erwähnenswertes. Wenn wir neue Dressen oder Trainingsutensilien benötigen, bekommen wir, was wir brauchen. Allerdings zahlen sich die Spielerinnen das Trainingsgewand und die Schuhe selbst. Auch die beiden Trainier arbeiten ehrenamtlich! Im Moment sind 22 Spielerinnen im Kader, zu den Trainings kommen meist zwischen 16 und 18 Damen. Nächstes Jahr kommen 3 Mädchen von der U13, welche dann schon bei den Damen spielberechtigt wären, aber körperlich noch etwas schwach sind.
Zeitler: Wir haben derzeit einen Stamm von 27 angemeldeten Spielerinnen. Wir haben auch regen Zulauf von jungen Mädels zwischen 14 und 18, wodurch sich auch ein sehr niedriger Altersschnitt ergibt. Finanziell werden wir seitens des Vereins bestmöglichst unterstützt!
Feucht: Der Stamm besteht aus rund 20-23 Spielerinnen. Nachwuchs gibt es, wenn dann nur aus den Vereinen der umliegenden Gemeinden, wenn die Mädls mit 14 nicht mehr bei den Burschen mitkicken wollen. Beim SC Neusiedl sind 140 kinder im Nachwuchs - davon lediglich zwei Mädchen, Kimy in der U9 und meine Tochter Samantha in der U8.
Finanziell ist die Damensektion eigenständig, sind auf Spenden und Gönner angewiesen.
Vom Verein gibt es keine finanz. Unterstützung, wir organisieren hier aber bei den Regionalliga Spielen der Herren KM die Tombola und dürfen die 1/2
der Einnahmen behalten. Der Verein unterstüzt uns aber sonst super hinsichtlich
trainingsmöglichkeiten, Kabinen, Kantine, usw.
Jandl:
Im Bereich der Spielerinnenzahl sind wir ähnlich aufgestellt wie in den Jahren zuvor. Unser Fokus für die Zukunft liegt einerseits darin, viele junge und talentierte Spielerinnen für uns zu gewinnen zu können und diese an die 1. Bundesliga heranzuführen. Anderseits möchten wir die Qualität der Spielerinnen in der ersten Mannschaft steigern.
Beides ist, wie vieles andere auch, ans Finanzielle gebunden. Wir möchten uns deswegen für Sponsoren interessanter machen und haben dafür einige Änderungen bzw. Sponsorangebote geplant.

Wo sehen Sie auch als Mitglied des neuen Frauenausschusses die größten Herausforderungen in den nächsten 1-2 Jahren?
Halbauer:
Die Umsetzung der Burgenlandliga für Damen, da es nicht so aussieht, dass in naher Zukunft mehr burgenländische Damenmannschaften nachkommen werden!
Feucht:
Nachhaltig den Damenfussball attraktiver zu machen und im Nachwuchs zu
fördern. Den Cupbewerb zu eine Fix-Einrichtung des Burgenl. Frauenfussballs zu
machen.
Jandl: Meiner Meinung nach ist es wichtig eine breitere Basis für den burgenländischen Damenfußball zu schaffen. Den Mädchen muss eine attraktive Möglichkeit geboten werden, um nach der gemeinsamen Fußballzeit mit den Buben, in einen Damenverein zu wechseln.
Stützpunkttrainings, wie es der burgenländische Fußballverband bereits plant, sind da eine gute Maßnahme. Dabei können sich die Mädels besser kennen lernen und dadurch würde ich mir erhoffen, dass mehr Mädchen weiter spielen und nicht nach der U12 oder u14 aufhören.

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