Gestreckter Honig aus China
Imker aus Windisch Minihof ist Honigpanschern auf der Spur

Eduard Kettners Honig-Recherchen zeigen Kritisches.
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Der Honig beschäftigt Hobby-Imker Eduard Kettner aus Windisch Minihof in seiner Freizeit nicht nur in der Bienenzucht, sondern auch darüber hinaus. Seine peniblen Recherchen in Österreich und in der EU über den Import gepanschten Honigs haben ihn und Imker-Landesobmann Johann Pilz zuletzt sogar in die ORF-Konsumentenschutzsendung "Konkret" gebracht.

"Verbraucher wird betrogen"

Kettners Fazit: "Der Verbraucher wird betrogen." Dem Supermarktkunden sei nicht ersichtlich, ob er mit Zuckersirup gestreckten Honig kaufe und aus welchem Land dieser stamme. Die Produktkennzeichnungsvorgabe für Honig sei zu unklar.

"Österreich hat einen Honigverbrauch von rund 10.000 Tonnen pro Jahr, davon werden rund 7.500 Tonnen importiert. Die Hälfte stammt aus EU-Ländern, die andere Hälfte aus Nicht-EU-Ländern", so Kettner.

Honig werde heutzutage in der Industrieproduktion oft aus vielen Quellen und Ländern zusammengemischt. "Da ist auch viel Honig aus China, dem weltgrößten Produzenten dabei. Chinesischer Industriehonig wird aus Kostengründen aber bis zu zwei Dritteln mit Reiszuckersirup gestreckt", kritisiert Kettner.

Unzureichende Kennzeichnung

In den Supermärkten sind drei Herkunftsbezeichnungen finden: „Honig aus Österreich“, sowie „Mischung von Honig aus EU-Ländern“ und „Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern“. Mehr sieht die europäische und österreichische Gesetzeslage nicht vor. "Es kann daher sein, dass auf 99 Prozent gestreckten chinesischen Honig ein Prozent EU-Honig kommt, und dem Gesetz ist Genüge getan", ärgert sich Kettner.

Für Gesetzesänderung

Gegenüber mehreren öffentlichen Stellen hat er daher den Vorschlag gemacht, aus der Kann-Bestimmung, mindestens ein Herkunftsland auf dem Etikett zu nennen, eine Muss-Bestimmung zu machen und das Mischungsverhältnis zu nennen. Die Reaktionen waren durchwachsen.

"Das Konsumentenschutzministerium hat mir unfreundlich mitgeteilt, dass keine Änderung vorgesehen sei. Die Agentur für Lebensmittelsicherheit hat nur festgestellt, dass die Etikettierungen den Vorgaben entsprechen. Lediglich EU-Abgeordneter Karas hat zugesagt, das Thema zu verfolgen", berichtet Kettner. Zumindest die oberösterreichische Landwirtschaftskammer ist auf Kettners Argumentationslinie und fordert in einer Resolution ebenfalls gesetzliche Änderungen.

Dass korrekte Herkunftsangaben möglich seien, zeigen laut Kettner positive Beispiele von Südtiroler Honigerzeugern.

Folgen für die Natur

Er macht auf die weitreichenden Folgen der Billig-Importe aufmerksam. "Chinesischer Honig kostet in Österreich 1,50 bis 2 Euro. Den 28.000 heimischen Hobby-Imkern ist es nicht möglich, Honig zu solchen Preisen an den Lebensmittelhandel zu verkaufen. Viele bleiben daher auf ihrem Honig sitzen oder müssen ihn weit unter den Selbstkosten verkaufen."
Wenn es aber keine Hobby-Imker mehr gebe, gebe es keine flächendeckenden Bienenpopulationen und keine Bestäubung in der Natur.

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