26.06.2017, 11:20 Uhr

Jubilarin Maria Resch aus Bonisdorf: "Wir hatten den einzigen Fernseher im Ort"

Maria Resch feierte ihren 85. Geburtstag. Sie blickt auf ein Leben voller Arbeit, aber auch auf Glück und Freude zurück.

Wirtin, Kauffrau, Mutter: Maria Resch (85) brachte alles unter einen Hut.

Leicht hatte es Maria Resch aus Bonisdorf, die kürzlich ihren 85. Geburtstag feierte, nie. Doch ihren guten Humor hat sich die Jubilarin stets bewahrt.

Als Zeitzeugin der letzten Kriegsjahre erinnert sie sich, wie die Rotarmisten in ihrem Dorf die Macht übernahmen. "Mein Vater ging mit mir und meinen drei Schwestern zum Birnbaum vor dem Haus und hisste eine weiße Fahne. Meine älteste Schwester wurde im großen Backofen versteckt, weil die Eltern Angst hatten, die Soldaten würden die junge Frau mitnehmen und vergewaltigen".

Nach der Pflichtschule durfte Maria in Neuhaus eine kaufmännische Lehre absolvieren. Arbeit fand sie dann im obersteirischen St. Gallen bei einem Gemischtwarenhändler. "Das war eine schöne Zeit, die Leute waren so gut zu mir", schwärmt die Jubilarin heute noch. Dort lernte sie auch ihren zukünftigen Gatten Johann Resch kennen.

Einziger Fernseher im Dorf

Nach der Heirat kauften die beiden ein Grundstück in der Heimatgemeinde der Braut und errichteten einen Gastbetrieb samt angeschlossenem Lebensmittelladen. "Wir fingen mit Null an", so Maria, "das Geld mussten wir uns leihen".

Kinder ließen nicht lange auf sich warten. Fünf Mädchen wurden geboren, die allesamt zu tüchtigen Helferinnen heranwuchsen.

Johann war Holzhändler, und nach Feierabend ging er Maria im Gasthaus zur Hand. "Mein Mann und ich waren Wirtsleute mit Leib und Seele", erzählt sie und erinnert sich an die Zeit, als Gasthaus und Laden noch als sichere Einnahmequellen dienten. "Als Gäste hatten wird Jäger, Zöllner und viele Einheimische. Im großen Saal gab es Hochzeiten und Tanzveranstaltungen. Wir hatten den einzigen Fernseher im Dorf, allein dadurch war immer was los."

Investition "Wiesenwirt"

In den 90er-Jahren stand der "Wiesenwirt" in Krottendorf zum Verkauf. Die Familie erstand die stark verwahrloste Immobilie und baute sie zu einem modernen Gastbetrieb mit Zimmervermietung um.

Doch dann kam der erste große Schicksalsschlag. Gatte Johann starb und ließ Maria mit den Töchtern allein. Um die hohen Kreditraten zu bezahlen, war die Witwe gezwungen, zusätzlich zu ihrer Tätigkeit als Wirtin und Kauffrau, fünf Jahre in einer Fabrik in Jennersdorf zu arbeiten.

Später übernahm Tochter Maria den "Wiesenwirt". Jedoch auch sie musste im Jahr 2013 aus dem Leben scheiden. Heute ist das Gasthaus in Krottendorf geschlossen und steht zum Verkauf.

Im ehemaligen Stammbetrieb in Bonisdorf leben nun vier Generationen unter einem Dach. Aus Gastraum, Saal und Geschäftslokal entstanden Wohnungen. Jeden Sonntag nach dem Gottesdienst trifft sich die ganze, nun auf 25 Personen angewachsene Familie zum gemeinsamen Mittagessen bei Tochter Waltraud im ersten Stockwerk.

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